Freitag, 23. September 2011

Deus Ex 3 - Human Revolution

System Shock 1 und 2 waren wirklich gute Spiele, beinahe fanatisch habe ich sie damals durchgespielt. Der Nachfolger, Bioshock, gefiel mir nicht besonders, und vom anderen Klassiker, Deus Ex 1, weiß ich zugegebenermaßen nicht mehr sonderlich viel, richtig beeindruckt kann es mich also nicht haben. Dennoch, Deus Ex 1 genießt einen ungeheuren Kultstatus, und nach dem (die Fans wohl) enttäuschenden zweiten Teil ("Invisible War") wurde der Hype um Teil Drei dieser Tage riesengroß. So groß, daß er auch mich ansteckte, denn viel wurde im Vorfeld versprochen, unter anderem auch ein Spielgefühl und vor allem eine Atmosphäre, die an die alten System Shocks heranreichen sollte.

Das tut sie nicht. Deus Ex 3 ist ein gewöhnlicher Schleichshooter mit veralteter Technik und gewisser Betonung der Story. Details? Bitte sehr:
Die Grafik mag die aktuellen technischen Möglichkeiten nutzen, sieht aber subjektiv nicht besser aus als Half-Life 2 es vor vielen Jahren tat. Sterile Texturen, leere Levels, staksige NPCs, langweilige Umgebung; das alles gabs 2006, 2007 schon besser. Doch wollen wir hierauf nicht zu viel Gewicht legen, das Spiel hat andere Ansprüche.
Die Spielmechanik ist ein Amalgam der gängigen erfolgreichen Schleichshooter und bietet absolult nichts Neues. Verstecken hier, Betäuben da, Leiche verstecken, Waffen finden und upgraden, taktisch vorgehen usw. Gewürzt wird diese 0815-Kost mit "Hack"minispielen und rollenspielartigen Fähigkeitenverbesserungen. Was anderswo "Skills" sind, heißt hier eben "Augmentations" und kommt auf das Gleiche raus. Auch an Gespräche wurde gedacht, es gibt sogar Wahlmöglichkeiten, unglaublich! Dabei verhalten sich die Charaktere aber dermaßen stereotyp, daß jede Dialogzeile vorm Monitor einen leichten Schmerz auslöst. Kein Vergleich mit guten Skripts wie bei Fallout oder Planescape. Zwischen den Missionen gehts immer mal wieder zurück in eine basisartige Umgebung, vom Erzählrhythmus her stand hier wohl die "Mass Effect"-Reihe Pate, vom Geballer/Schleichen eher dieses ganze Zeug wie "Splinter Cell" und "Metal Gear".
Und jetzt zum Wichtigsten: Die Story. Hochgelobt in den diversen Magazinen, Blogs und was weiß ich noch wo, gibts hier eine üble, schon hundertmal dagewesene, natürlich unglaublich philosophische Geschichte um die Fragen und Implikationen, die biomechanische Implantate mit sich bringen. Daß solcherart Szenarien in der SF-Literatur schon seit Dekaden durchgespielt und fortentwickelt werden, und das teilweise sehr gelungen, hat sich den Autoren von Deus Ex 3 entzogen. Es bleibt bei einem austauschbaren Groschenheftchenplot, dessen Wendungen so überraschend wie die eines besseren C-Movies ausfallen (kommt eigentlich mal irgendwann jemand von diesen Schreiberlingen auf die Idee, mehr als zwei bis drei Personen für alle relevanten Handlungseckpunkte zu verwenden), und an dessen Ende der Spieler sogar entscheiden darf, wie er es denn gerne hätte mit der Zukunft der Menschheit. Gähn. Die ausschweifenden Betrachtungen, in die sich diverse Spielejournalisten und -hobbyisten auf diversen Webseiten anläßlich dieser Offenbarung versteigen, lassen als Erklärung nur einen sehr niedrigen, düsteren und nebelverhangenen Horizont zu, der die Branche nach außen hin abzuriegeln scheint.

Wäre das Spiel nicht so umjubelt worden (die meisten Tests brachten Bewertungen um 90%) und wäre ihm nicht die Ehre eines anhaltenden philosophischen Diskurses zuteil geworden, meine Kritik fiele nicht annähernd so scharf aus. Aber so ging ich mit völlig falschen Erwartungen heran und wurde enttäuscht. Befreit man sich nämlich einen Augenblick von dem Wissen, es hier mit dem wahrscheinlich bestbewerteten und einflußreichsten Spiel der letzten 10 Jahre zu tun zu haben, bleibt ein ganz passabler Schleichshooter ohne große Ansprüche. Wäre ich Spieletester, würde ich vielleicht 75 bis 80 Punkte vergeben, damit wäre es dann aber auch gut.

Die Farben der Zeit - Connie Willis

Diese Autorin war an mir bislang völlig vorbeigegangen. In den USA anscheinend für ihre Sci-Fi-Romane gefeiert und mit Preisen nahezu überhäuft (auch in 2011 räumt sie, wieder einmal, den Hugo ab), mußte ich sie nun endlich einmal kennenlernen. Ich wählte dafür die Erzählung "Die Farben der Zeit", die im allgemeinen Internettenor als Meisterwerk der Zeitreisen-SF gepriesen wird.

Das Buch gefällt mir überhaupt nicht. Wir haben es hier mit einer Ulknummer zu tun. Eine komische Situation jagt die nächste, jede Gelegenheit wird für einen ach so subtilen Witz genutzt. Die Zeitreisenummer scheint der Autorin nur als Vorlage für ihre Gassenhauer zu dienen, offensichtlich war sie beim Schreiben sehr angetan von lustigen Kollegen wie Pratchett, der mit seinem Klamauk ja Millionen verdient. Eine herbe Enttäuschung, hatte ich doch aufgrund der vielseitigen Käuferrezensionen eine ernsthafte, gut geschrieben SF-Geschichte erwartet. Doch über die uninspirierte Sitcomhandlung hinaus ließen die ersten sechs Kapitel zudem einen schwachen Stil erkennen, eine Kombination, die mir das Weiterlesen unmöglich machte. Flache, stereotype Charaktere in belangloser Handlung, durchsetzt mit der typisch US-Amerikanischen Fernseh-Lachmaschine.

Schade, vielleicht sind ihre anderen Bücher ja besser, aber jetzt wird es sicherlich längere Zeit dauernd, bis ich das mal überprüfe, wenn überhaupt, denn es gibt ja soviele gute Bücher zu lesen. Zum Glück sind Willis' ältere Romane in Deutschland schwer zu finden und dementsprechend teuer im Verkauf. Weg damit.

Samstag, 3. September 2011

Schnee auf dem Kilimanscharo: 6 Stories - Ernest Hemingway

Einst "In unserer Zeit" gelesen, eine Sammlung von Hemingway-Kurzgeschichten. War vom verknappenden Stil und den Themen gefesselt. Weiter geht es mit "Schnee auf dem Kilimandscharo", ebenfalls kurze Geschichten.
In einer recht heterogenen Auswahl finden sich hier zwei sehr bekannte Stories, Macomber und Kilimandscharo, und vier kürzere und weniger berühmte Stücke, die aufgrund ihrer Kürze teilweise schnipselhaften Charakter besitzen. Ich will hier nur auf die beiden Erstgenannten eingehen.
Ich bin ein wenig enttäuscht, hätte mir von diesen Ikonen der Hemingwayschen short-story-Kunst mehr erwartet. Zwar bieten sich wieder die schon bekannten Qualitäten, der unverwechselbare Stil, die typische Themenauswahl, die Lakonie. Doch machen die Geschichten deutlich einen stromlinienförmig konstruierteren Eindruck, mehr auf ein Ziel hingearbeitet, als es noch bei denen aus "In unserer Zeit" der Fall war, die allesamt wie aus der Realität ausgestanzte Fragmente wirkten, unübertreffbar trocken und karg-romantisch. Klar, beides sind große Geschichten, ikonische Charaktere durchleben die katastrophalen Konstruktionen ihres Autors, wachsen und zerbrechen daran, und am Ende steht ein unbestimmtes, wehmütiges Gefühl, das besonders beim Kilimandscharo im Gedächtnis bleibt. Aber es sind eben einfach große Geschichten, ausgezeichnet, aber nicht mehr so beeindruckend ungewöhnlich wie in "In unserer Zeit". Auch andere Autoren hätten diese beiden Geschichten schreiben können, sicher nicht viele, aber einige.
Insgesamt also eine nette Kurzgeschichten"sammlung" (nur 120 Seiten), deren Inhalt man kennen sollte. Von Hemingway gibt es aber sicherlich noch Besseres.