Dienstag, 8. Februar 2011

Clynelish 14, Clynelish 13 D.Nü., Glendronach 15 Revival

Diesmal stellen sich drei süße Whiskys dem Vergleich. Der gute alte 14er Clynelish tritt mit einem single-cask-Bruder aus Nürnberg gegen den Revival von Glendronach, einen Sherryopa, an.

Clynelish 14 46%
Aroma: Intensiv nach frischen Früchten, Blumen, Birne, Banane, Honig. Ein Hauch von Salz, Citrus, Holz. Voll und rund.
Geschmack: Süße und grasig. Leichte Säure, Salz steigt auf. Typischer Abgang mit Süße und Salz. Seegras scheint durch und bleibt lange.
Fazit: Dieser Whisky war mal mein Favorit, das hat sich geändert. Viel Zeit ist vergangen, mehrere Monate ;). Seine frische Fruchtigkeit wirkt belebend, der angenehme Geschmack ergänzt das gute Gesamtbild. Frucht und Meersalz, eine schöne Kombination. Ein Evergreen.
SGP 820
78 Punkte

Clynelish 13 single cask Destille Nürnberg 43%
Aroma: Nicht so intensiv, etwas Wein, kantiger als die OA, leicht säuerlich, nicht so ansprechend. Samtige Obertöne.
Geschmack: Extrem süß, dabei leicht pappig, auch hier Salz am Gaumen. Abgang sehr süß, kaum andere Nuancen, nur Süße verbleibt
Fazit:Sehr gespannt war ich auf diesen single cask. Zuerst in einer Kneipe probiert, fand ich ihn toll. Am Wohnzimmertisch, bei Ruhe jedoch offenbart er Schwächen. Zu stark ist die Süße, zu sehr deckt sie alles andere zu, zu einseitig der Gesamteindruck dadurch. Klebrig und pappig bleibt es im Mund noch lange nach dem Trinken. Zwar kein schlechter Whisky, aber auch nichts für die Hall of Fame.
SGP 910
67 Punkte

Glendronach Revival 15 46%
Aroma: Voll und intensiv nach trockenen Früchten, Sherry, distinguiert, edel. Fruchtkompott, Karamell, abgerundet süß, lecker. Was für ein Kontrast zum Clynelish aus Nürnberg! Zuckerwatte, keine störende Schärfe/Säure, sehr appetitanregend. Erdig, gesetzt, nicht klebrig. Tolles, ausgewogenes Bukett.
Geschmack: Sehr süß, druchdringt alles, ohne zu kleben, zart Holz, wirkt edel. Im Abgang Früchte, trockene, zarte Süße, Faßnoten. Frucht verbleibt lange auf der Zunge.
Fazit: Wirklich gut. Ein sherrylastiger Whisky, der seine Reize wohldosiert einsetzt. Wie eine Diva, die ein wenig Bein zeigt, ohne sich gleich auszuziehen. Die Süße ist sehr angenehm rund, unaufdringlich und weckt unbestimmte Erinnerungen. Der Whisky wirkt gesetzt und reif, es ist eine Lust, ihn zu riechen und zu trinken. Unbedingt muß ich diesen Tropfen mal gegen die Redbreasts antreten lassen, die von ähnlichem Charakter sind. Höchstnoten gibt es nur nicht, weil mir persönlich zur Vollendung noch etwas Rauch fehlt, aber das ist rein subjektiv. Fans von rauchfreien, sherrylastigen Whiskys dürften hier über 90 Punkte kommen.
SGP 810
88 Punkte

Mittwoch, 2. Februar 2011

Auchentoshan 1999/2008 9J Chenin Blanc Murray McDavid

Mein erster Lowland. Ich habe ihn schon eine Weile, gekauft auf ebay als Tastingflasche, in der vielleicht ein paar cl fehlten. In der Auchentoshan Destille in Glasgow triple destilled, wurde dieser Whisky von Murray McDavid in der Bruichladdich Brennerei auf Islay in Chenin Blanc Fässern gefinisht. Das Zeug ist auf 1550 Flaschen limitiert. Geschmacksbeschreibung des Herstellers: Äpfel, Honig, Mandeln, Limone und gebutterter Toast.

Auchentoshan 1999/2008 9J Chenin Blanc Murray McDavid 46%
Aroma: Ich kann mich gut erinnern, die erste Nase nach dem Kauf war: faule Eier! Zwar nur andeutungsweise, aber dennoch abschreckend. Interessant ist, daß ich jetzt, nach mehreren Monaten, diese Nuance durchaus noch wahrnehme, aber völlig anders interpretiere. Frische grüne Früchte, Zitrusnoten stehen im Vordergrung. Ein sehr belebender Duft, unter dem dann rasch süße Noten erscheinen, ja, Honig paßt ganz gut, dazu Buttertoffee (gibts da eigentlich ein deutsches Vergleichsgebäck?). Abgerundet wird das Ganze dann von der typischen Malzherbheit, die sich hier dezent im Hintergrund hält. Ganz zart kommen noch Holztöne hinzu. Ein wirklich angenehmes Bukett, frisch und appetitanregend fruchtig.
Geschmack: Sehr mild mit sofortiger Süße und gleichzeitig erfischender Säure an den Zungenrändern. Die Säure bleibt und vermischt sich im Abgang mit hinzukommenden Holznoten. Später verbleibt ein angenehmer Fassgeschmack.
Fazit: Eine der exotischen Weinfinishes, die mir wirklich gut schmecken. Ein sehr weicher Whisky, mit starken fruchtig frischen Anteilen. Man bekommt hier alles: Frische, Frucht, Holz und milde Herbheit. Ein guter Tropfen, den ich immer mal gerne heraushole, denn er paßt zu allen Gelegenheiten.
SGP 620
83 Punkte