Montag, 31. Januar 2011

Macallan 12 Sherryfass, Arran Moscatel, Signatory Vintage Linkwood 1990/2008

Heute drei Leckerbissen aus der Forums-Weihnachtsbestellung. Es treten an ein Klassiker von Macallan, ein moderner Weinfinish von Arran sowie ein "jüngerer" Linkwood von Signatory.

Macallan Sherryfass 12 Jahre OA 40%
Aroma: Frisch blumig, fruchtig, sehr süß, volles Karamell. Deutlich Sherry, Honig, Aprikosen, kaum Holz. Zu Grunde liegt ein Hauch von Wiese und Getreide. Sehr schön, ich kann die Nase kaum davon nehmen.
Geschmack: Keine Schärfe, sehr weich und angenehm. An den Zungenrändern Zitrusnoten. Holzcharakter kommt, bleibt aber dezent. Die Süße ist ebenfalls wohldosiert, wird nicht aufdringlich. Zusammen mit dem karamelligen Bukett schöne Komposition. Im Abgang weiter Holz sowie leichte Grasnoten. Am Ende bleibt ein Hauch von Säure sowie ewiges (>30min) Holz.
Fazit: Guter Whisky. Der Macallan bietet ein reiches Bukett, in dem der Sherry nicht dominiert, sondern zurückhaltend einsetzt und den anderen Nuancen genug Raum zur Entfaltung bietet. Im Geschmack bleibt er dafür vielleicht etwas unspektakulär. Für Liebhaber eines geradlinigen Tropfens aber zu empfehlen. 
SGP 830
82 Punkte

Arran Moscatel Finish 8 Jahre 2008 OA 55%
Aroma: Honigmelone! Mein erster Gedanke beim Riechen. Ist das ein Melonenschnaps? Die 55% bringen eine leichte Schärfe in die Nase. Es unterliegt ein feiner Holzduft, mit weiteren Nuancen tue ich mich aber schwer. Das vielzitierte Marzipan roch ich hier einst, kann es jetzt aber nicht mehr finden. Ich erkenne vielmehr eine unbestimmte Süße, die sich mit kräftiger Säure paart. Das Gesamtergebnis ist durchwachsen. Die "Melone" dominiert, ein klares Bild will sich aber nicht herauskristallisieren. Ein interresanter Duft zwar, aber nicht überwältigend.
Mit Wasser: Die Charakteristika treten deutlich stärker heraus. Sehr schön jetzt diese Süße, die sich richtig in den Vordergrund schiebt. Dazu kommt ein Zitrusduft, der angenehm hineinpaßt.
Geschmack: Fruchtig, etwas betonte Bitterkeit, keine Säure. Starker Alkoholeffekt. Im Abgang viel Frucht, wenig Gras.
Mit Wasser: Holla, jetzt kommen wir langsam ins Zielgebiet. Verschwunden der Alkohol, um die Zunge spielen nun Süße und Säure um die Wette. Herrlich, da zuzuschauen. Nach dem Schlucken fallen neue Geschmäcker auf: Ich erkenne Zuckerwatte, Marsmallow, diese spezielle Art von Jahrmarktssüße. Keinerlei Holz, auch nicht im Abgang, der noch mittellang Spaß bereitet, aber nichts Neues hinzufügt.
Fazit: Dieser Whisky sollte unbedingt mit Wasser getrunken werden. Ansonsten bleibt er eindimensional und vor allem geschmacklich langweilig. Mit Wasser aber gewinnt schon der Duft an Ausdruckskraft und dann erst der Geschmack! Hier entstehen völlig neue Landschaften, blumige Süße mischt sich mit fruchtiger Säure, hinzu treten Ahnungen von Zuckerwatte o.ä. Die Wasserprobe hebt die Punktzahl um gut fünf Punkte. Um das volle Potential dieses Whiskys zu kosten, muß man sich allerdings etwas Zeit lassen. 
SGP 720
84 Punkte

Linkwood 1990/2008 17 Jahre Signatory Vintage 55,2%
Aroma: Starker Holzgeruch, erinnert mich an den Redbreast, muß ich mal parallel kosten. Hier spielen allerdings noch süße Aromen mit hinein, Karamell, außerdem frisches Gras, Zitrone. Später entwickeln sich Früchte, vielleicht Gewürze. Insgesamt ein sehr ausgewogener, aber dezenter Duft, der seine Geheimnisse gut hütet.
Mit Wasser: Die Intensität läßt leider weiter nach, man wird jedoch mit neuen floralen Noten entschädigt.
Geschmack: Süß und sauer knallt es einem ins Gesicht, der Geschmack explodiert förmlich am Gaumen. Rasch ziehen Eichentöne nach und nehmen den Abgang für sich in Beschlag. Dort bleiben auch die Zitrustöne bestehen und formen ein interessantes Gesamtbild. Im Ausklang Gräser, Gemüse. Der hohe Alkoholgehalt stört nicht, wenn man kleine Schlucke nimmt: der erste Whisky, den ich auch in dieser Stärke trinken würde
Mit Wasser: Durchaus komplex. Das Knallige verschwindet, es geht nicht mehr alles so plötzlich. Dafür steht nun am Anfang eine weiche Süße, es ist das Karamell aus dem Bukett, hallo! Nur noch zart kann ich Säure schmecken, ingesamt ist der Geschmack nicht mehr so spektakulär. Viel neues Gras kommt dazu, auch im Abgang finden sich nun noch mehr grasige Noten. Der Vorteil am Wasser ist, daß der Whisky sich leichter trinken läßt, der Geschmack leidet jedoch marginal.
Fazit: Der erste hochprozentige Whisky, der mir ohne Wasser geringfügig besser schmeckt als mit. Sehr holzbetont, finden sich hier auch vielerlei andere Nuancen, die ein interessantes Geschmackserlebnis bilden. In meiner Erinnerung ähnelt er sehr dem Redbreast, ein Vergleich steht also an. 
SGP 560
81 Punkte

Dienstag, 4. Januar 2011

Gott ist - Aldous Huxley

Deutschen Lesern vor allem bekannt für seine Romane, und da besonders für "Schöne neue Welt", war Aldous Huxley auch produktiver Essayist. "Gott ist" ist eine Sammlung aus diesem Schaffen, in der der Autor, dem nach seinen religionskritischen Romanen Atheismus unterstellt wurde, seine teilweise christliche Haltung darlegt.
Nach drei Texten musste ich abbrechen. Ich hatte differenzierte Auseinandersetzungen, strukturierte Analysen, Reflexionen erwartet. Stattdessen gab es mit Fernost-Kitsch überfrachtetes mystisches Geschreibsel, dem ein Sinn nur mit argem Wohlwollen zu entnehmen war. Geschreibsel in gefälligem Stil allerdings, das muss man schon sagen. Die Mode, Buddha, Zen und Dao und was sonst noch an Religion und Philosophie da drüben zu finden ist, wild mit westlichen Begriffen und Denkweisen durcheinanderzuwürfeln, ist nicht jung und nahm damals wohl gerade ihren Anfang.
Aldous Huxley mag ein anerkannter Essayist sein, die Texte, in denen er sich mit Religion befasst, sollte man jedoch meiden.

Quantentheorie und Philosophie - W. Heisenberg

Einer der Mitbegründer der Quantentheorie war zufällig auch noch ein guter Autor. Werner Heisenberg ist für seine Unbestimmtheitsrelation jedem Schulkind bekannt, die allerdings nur ein Aspekt seines Werkes ist. Ganz wesentlich hat er im Laufe seines Lebens zur Entwicklung der neuen Physik im 20. Jahrhundert beigetragen.

In diesem Buch sind ein paar Essays und Vorträge gesammelt und thematisch geordnet. Von den Grundlagen der Quantenmechanik geht es über die Kopenhagener Deutung und deren Implikationen bis hin zur Verantwortung, die ein Wissenschaftler mit seinen Entdeckungen auf sich lädt, illustriert am Beispiel der Atombombe. Heisenberg pflegt in seinen Texten einen spielerischen Tonfall, bleibt auch in seinen Vorträgen essayistisch und auch für in dieser Matierie unbeleckte Leser immer verständlich. Das macht das Büchlein (Reclam, 125 Seiten) zu einer angenehmen Lektüre, die einen Blick auf die damalige Zeit und die Denkweise großer Physiker öffnet.
So. Das ist die eine Seite. Schönes Buch für Phsyik- und Philosophieinteressierten. Andererseits ist dieses Buch aber interessant, weil es von einem Wissenschaftler verfasst wurde, der während der Nazidiktatur in Deutschland blieb und dort seine Karriere vorantreiben konnte. Werner Heisenbergs Verwicklungen mit den Abgründen dieser Zeit sind nie geklärt worden, nach dem Krieg blieb er ein geachterer und geehrter Hochschullehrer. Etliche Hinweise sprechen für eine nazistische Geisteshaltung des Nobelpreisträgers, so das berüchtigte Gespräch mit Niels Bohr 1941, und allgemein der Eindruck, den Heisenberg auf seine ausländischen Kollegen während der Nazijahre machte, der in vielerlei Quellen als größenwahnsinnig nationaldeutsch beschrieben wird. Ein Kernthema ist, ob das deutsche Atomprogramm, an dem Heisenberg federführend involviert war, eine Bombe zum Ziel hatte oder nicht. Wieder gibt es vielerlei Quellen, die dies bejahen und sagen, die Deutschen hätten es zwar gewollt, aber nicht gekonnt. Heisenberg hingegen und seine damaligen Fachgenossen behaupteten, nur friedliche Zwecke im Sinn gehabt zu haben. Sie stellten sich nach der Bombardierung Hiroshimas und Nagasakis als den Amerikanern moralisch überlegen dar und konnten ihre Position so entscheidend aufwerten.
Eine wesentliche Rolle in diesen Darstellungen spielt die Internierung auf Farm Hall 1945. Im Buch "Lise Meitner", das is jüngst gelesen habe, wird auf diese Zeit ebenfalls Bezug genommen. Dort wird es so berichtet, dass die dort internierten Wissenschaftler sich darauf verständigten (sie wurden abgehört), sich zu den Bomben in oben genannter Weise zu äußern und damit als moralische Sieger aus der Affäre zu gehen. Als besonders skrupellos wurden dabei Heisenberg und von Weizsäcker hingestellt. Sehr interessant ist nun, dass in Heisenbergs eigenem Buch die Geschehnisse auf Farm Hall völlig anders geschildert werden. Heisenberg baut das Kapitel sehr sorgfältig auf, anfangs fragt er sich selbst rhetorisch "sind wir zu weit gegangen?" etc. Dann begegnet er von Weizsäcker im Park und ein Dialog entspinnt sich, wie er unnatürlicher nicht sein könnte. Von Weizsäcker ist hier eine Figur, die die dummen Fragen stellt und Heisenberg darf sie gelehrt beantworten. Wieder und wieder fragt von Weizsäcker implizit, ob es denn nicht in Ordnung sei, Bomben zu bauen und abzuwerfen. Heisenberg nimmt seinen "Schüler" bei der Hand, antwortet weise und besonnen, dass das nicht in Ordnung sei etc.
Dieser Dialog ist geradezu widerlich konstruiert. Man fragt sich unwillkürlich, warum Heisenberg das so schrieb. Der Verdacht kommt auf, dass wir es mit einer Apologie zu tun haben, die ihresgleichen sucht. Gesetzt den Fall, die Deutschen sollten eine Bombe bauen (was unter den gegebenen Umständen nicht unwahrscheinlich erscheint), dann hat Heisenberg hier einen ordentlichen Bock geschossen. Falls sie es nicht taten, dann bringt er seine Leser mit diesen nach über 40 Jahren rekonstruierten, künstlichen Theaterdialogen dazu, daran zu zweifeln.
Ich persönlich glaube ihm nichts mehr. Für mich ist Werner Heisenberg ein Kollaborateur, vielleicht sogar ein glühender Nazi, der es nach Kriegsende geschafft hat, seinen Ruf zu retten und unter der neuen Obrigkeit weiterzumachen. Dass sich in seinem philosophischen Werk so viele humanistische und pazifistische Ideen finden, lässt darauf schliessen, dass sie schon immer in ihm gesteckt haben. Er muss also während der Nazizeit durchaus innere Konflikte ausgefochten haben, wie auch immer die geendet haben mochten. Das wird sich jedoch nie klären lassen. Man kann nur anhand der Berichte seiner Zeitgenossen und der Schriften Heisenbergs Vermutungen anstellen.
Ein weiteres bekanntes Buch von ihm ist "Der Teil und das Ganze", in dem er sich ebenfalls der Technik bedient, sich an 40 Jahre zurückliegende Gespräche zu erinnern und sie detailgenau zu rekonstruieren. Ich werde mir dieses Buch dereinst zulegen, einerseits, weil mich die damalige Zeit und die Materie interessiert, andererseits, weil ich sehen will, ob sich meine Ansicht über den Autor auch in diesem Buch bestätigt.

Lise Meitner: Ein Leben für die Physik - Ruth Lewin Sime

Ein Sachbuch, das sich der Mitentdeckerin der Kernspaltung, Lise Meitner, ihrem Verhältnis zu Otto Hahn und allgemein der unzulänglichen Würdigung von Frauen in der Wissenschaftsgeschichte widmet.

Die Autorin bedient sich eines gepflegten Stils, der das Buch lesenswert und interessant macht. Sie versucht, eine vollständige Biographie zu bieten, konzentriert sich dabei aber im Wesentlichen auf die wissenschaftlichen Errungenschaften von Meitner. Dabei geht sie sehr ins Detail, rekonstruiert die zeitlichen Abläufe fast schon zu genau, sodass man stellenweise geneigt ist, einen Absatz zu überspringen.
Schnell stellt sich heraus, dass eines der Anliegen von Sime zu sein scheint, Lise Meitner aus dem Grau der vermeintlichen Vergessenheit zu heben und gleichzeitig Otto Hahn und dessen Ruhm zurechtzustutzen. Dieses Anliegen führt zu einer merkwürdigen Atmosphäre, die das ganze Buch durchzieht. Ganz offenbar ist die Autorin von feministischer Haltung und übertreibt es hier und da etwas mit der Herausarbeitung des unrechtmäßigen Ruhms der Männer. Ich habe über die vertretenen Thesen gestaunt und versucht, mir über Internetrecherche andere Perspektiven auf das Thema Hahn-Meitner zu verschaffen, aber das war nicht so einfach. Letztenendes scheint es jedoch so zu sein, dass Lise Meitner mittlerweile durchaus zu ihrer verdienten Würdigung gekommen ist, was anfangs in der Tat nicht der Fall war. Als theoretische Deuterin der von Hahn im Versuch entdeckten Spaltungsprodukte steht sie zusammen mit ihrem Neffen Otto Frisch festgeschrieben in den Annalen der Wissenschaft. Darüberhinaus wurde sie für ihre vielfältigen Errungenschaften mit Preisen und Ehrungen überhäuft. Dass sie für ihre Beteiligung an der Entdeckung der Kernspaltung den Nobelpreis nicht erhielt, war sicher falsch (nur Hahn hat ihn erhalten), aber Lise Meitner selbst betonte immer, dass sie darüber nicht traurig war, denn einerseits waren die Folgen dieser Entdeckung nichts, mit dem sie in Verbindung gebracht werden wollte und andererseits sah sie ihre übrigen Verdienste mindestens genauso hoch an. Der Autorin nun ist das nicht genug. Immer wieder kommt sie auf den minutiösen Ablauf in den Jahren 1937-1938 zurück und legt ihre Sicht der Dinge dar, nach der Hahn nur eine untergeordnete Rolle zukommt. Der ganze Rest des Buchs ergeht sich in Schilderungen der Benachteiligung Meitners und der Arroganz der Männer. Das war damals sicher auch so, nach verschiedentlicher aktueller Meinungen kommt Sime mit diesen Ansichten aber ein paar Jahrzehnte zu spät, denn die Diskussion Hahn-Meitner sei schon vor langer Zeit zu gunsten Meitners beendet worden. Der Autorin wird vorgeworfen, zum Zwecke feministischer Stimmungsmache ein verfälschtes Geschichtsbild wiederzugeben und Hahn zu diskreditieren.
Wie es nun auch immer sei. Man muss angesichts der widersprüchlichen, aber doch recht klaren und einseitigen Quellenlage wohl sein Gefühl sprechen lassen und meins sagt mir, dass Lise Meitner den Nobelpreis hätte bekommen sollen, mit ihrem jetzigen geschichtlichen Status aber sicher gut bedient ist. Mitnichten ist sie eine kleine Randfigur, sondern rangiert unter den Granden der Physik des 20. Jahrhunderts ganz vorne.
Einen ganz anderen Denkanstoss hat mir das Buch allerdings gegeben, denn die während der Nazizeit in Deutschland gebliebenen Physiker und allgemein Wissenschaftler werden größtenteils als - mehr oder wenig passive - Kollaborateure dargestellt, z.B. Hahn, Heisenberg, von Weizsäcker, und ich kann mir gut vorstellen, dass das auch so war. Es klingt alles sehr plausibel, z.B. auch die in diesem Kontext sich aufdrängende Begegnung zwischen Heisenberg und Bohr 1941. Die Bücher, die ich von diesen Leuten bisher gelesen habe, werde ich also noch einmal in einem anderen Licht lesen müssen. Mehr dazu hier im Blog.

Insgesamt also ein gut zu lesendes, informatives Buch über die Physik in Deutschland Anfang des 20. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg, speziell die Entdeckung der Kernspaltung. Wer sich dafür interessiert, sollte zugreifen. Beim Lesen ist allerdings ein Filter vorzuschalten, der die allzu plakative Betonung der Benachteiligung Meitners und der Bevorteilung Hahns auf ein glaubwürdiges Maß abschwächt.

Montag, 3. Januar 2011

Redbreast 12 u. 15 Jahre

Und weiter gehts in 2011, diesmal mit den zwei Iren aus der Old Midleton Distillery, aus der auch der Jameson stammt. Bei den Redbreasts handelt es sich um Pure Pot Still Whiskeys, bei denen verschiedene Getreide, also auch Grain, in einer Pot zusammen gebrannt werden. Ob man das nun Blend nennen möchte oder nicht, ist wohl Ansichts- und Definitionssache.
Der 12-jährige ist die weit verbreitete Abfüllung des Redbreast. Stets verfügbar, begründete dieser Whiskey den Ruf des Namen Redbreast. Für einen Iren sind 12 Jahre bereits ein hohes Alter, der Kaufpreis bewegt sich jedoch bei moderaten 35€. Der 15-jährige, also quasi ein irischer Methusalem, ist eher selten, wird nur alle paar Jahre abgefüllt, und zwar nicht kühlgefiltert bei 46%. Die Abfüllung vom Anfang des Jahrtausends war eine Zeitlang vergriffen, weswegen die Preise dafür auf der Whiskyauction astronomische Höhen erreichen. Seit Herbst 2009 ist nun wieder eine neue Abfüllung erhältlich, der Straßenpreis pendelt sich bei erschwinglichen 60€ ein.

Redbreast 12 Jahre OA 40%
Aroma: Abstrakt gesagt: Distinguiert, rein, gesetzt, vornehm, unaufdringlich. Konkret: Voller Eichenduft dominiert das Geschehen, runde Süße aus verschiedenen Früchten (Erdbeer, Birne, Pflaume). Zweites Riechen: Aufregende Komposition. Auf reinem Eichenbett erscheinen volle Früchte und Gemüse, noch etwas Würze. Wie Weihnachten. Herrlich ausgewogen, ungeheuer appetitanregend. Für mich gerade so als Ire erkennbar.
Geschmack: Keine Schärfe, die Weichheit setzt sich fort. Holz überall, gespickt mit dezenten bittersüßen Noten. Der Abgang ist toll, Holz und Gemüsenoten.
Fazit: Ein sehr guter Tropfen, der ab sofort zu meinen Favoriten zählt. Im Vergleich zum 15-jährigen hat er die Nase vorn. Mir gefällt die Direktheit einfach besser, mit der die Qualitäten rüberkommen. Eine absolute Empfehlung. Ich werde immer eine Flasche davon zu Hause haben.

SGP 550
88 Punkte

Redbreast 15 Jahre OA 46%
Aroma: Im Vergleich zum 12-jährigen zurückhaltender. Fast zu zurückhaltend. Über die Aromen des 12-jährigen legt sich hier noch eine Art metallischer Schärfe. Gut, der Whiskey hat 6% mehr, aber da ist noch eine andere Schärfe im Spiel, die die so schönen Nuancen in den Hintergrund drängt. Die vollen Früchte verschwimmen, wirken nicht mehr so natürlich, sondern eher "eingemacht", das Holz kommt nicht so stark. Im Gegensatz zum 12-jährigen, der ein klares Bild präsentiert, verschleiert der 15-jährige seine Qualitäten hinter dieser nicht ganz passenden Schärfe und allgemeinen Verschwommenheit. Dennoch ist auch das Aroma das 15-jährigen ein sehr angenehmes.
Geschmack: Auch hier nun Schärfe, die das Holz allerdings gut trägt. Der Geschmack wird dadurch "erdiger", "vernünftiger" als beim 12-jährigen, aber auch kratziger. Der Abgang wird durch die neue Schärfe einen Tick interessanter, es tuen sich neue Nuancen auf.
Fazit: Der 15-jährige Redbreast ist ein sehr guter Whiskey. Aber an seinen jüngeren Bruder kommt er nicht heran. Die freundliche Offenheit des 12-jährigen verschwindet hinter einem Schleier aus Schärfe und Vermengung. Der Whiskey wirkt dadurch noch vornehmer, übertreibt es aber. Die Qualitäten, die beim jüngeren so begeistern können, kommen nicht zur Geltung. Nach wie vor trinke ich auch den 15-jährigen gerne, ziehe den 12-jährigen im direkten Vergleich aber vor.

SGP 450
85 Punkte