Mittwoch, 28. Dezember 2011

Kein Land für alte Männer – Cormack McCarthy

Vor einiger Zeit las ich „All die schönen Pferde“, die wirklich tolle Geschichte ein paar junger Burschen an der amerikanisch-mexikanischen Grenze, irgendwann Mitte des 20. Jahrhunderts, die mit ihren Erlebnissen die Leinwand für ein karg-romantisches Bild dieser endlosen Gegenden liefern. Der stark verknappte Stil gefiel mir ungeheuer, er paßte zu den beschriebenen Landschaften und vor allem zu dem harten, abgehärmten Innenleben der Jungen.
„Kein Land für alte Männer“ wurde vor Jahren verfilmt, paar Oscars gewonnen. Ich habe den Film gesehen – wirklich gut. Das Buch ist leider nicht ganz so gut.
Wieder der knappe Stil. Wunderbar geeignet, um Stimmungen zu malen, karge, reduzierte Landschaften und Eindrücke. Beim vorliegenden Roman allerdings handelt es sich um einen Krimi, dem scheinbar nur aus Alibigründen eine tiefgehende Komponente hinzugefügt wurde. Es gibt einen Sheriff, der in wiederkehrenden Einschüben übers Älterwerden, die Welt da draußen, Grausamkeit und Vergänglichkeit philosophiert. Das ist schon ganz gut, aber mit dem Rest des Buches nicht aus einem Guß. Dort gerät ein Schweißer, passionierter Jäger und Vietnam-Veteran, per Zufall an einen Haufen Drogengeld und hat fortan einen Killer auf dem Hals. Der Killer steht für das Unerbittliche in der Welt, an dem die „alten Männer“ scheitern. Auch der Schweißer erweist sich am Ende als alter Mann, denn trotz aller Warnungen, trotz aller Vorkehrungen und seiner verblüffenden Gewieftheit wird er quasi in einem Nebensatz vom Killer erledigt. Alle, die mit ihm in Berührung kamen, sind tot. Nur der Sheriff nicht, der an einer Stelle zu ahnen scheint, dass er lieber zurück zu seiner Frau fahren, als weiter nach dem Killer suchen sollte.
Ungeachtet der erwähnten Schwäche bleibt das Buch ist ein gefühlvoller, moderner Western, in dem vieles anklingt, was man selber schon irgendwo in sich vermutet, wie es bei guten Büchern hin und wieder der Fall ist. Die Handlung ist fesselnd, die Charaktere fast alle gut entwickelt, die gewünschte Stimmung kommt auf und entfaltet sich, wenn auch nicht ganz so stimmig (hm) wie in „All die schönen Pferde“. Das mag am Stil liegen, der zu diesem Roman nicht immer passen will. Auch ist der Sheriff streckenweise einfach zu schwafelig in seinen Reflexionen.
McCarthy beherrscht die Kunst der zurückhaltenden Landschafts- und Seelenmalerei, das zeigt auch „Kein Land für alte Männer“. Wir bekommen vorgeführt, wie alt wir in Wirklichkeit sind. Doch lesen Sie die Border-Trilogie zuerst, bitte.

Justine - de Sade

Als Jugendlicher las ich dieses Buch aus eindeutigen Gründen. Nun bin ich erwachsen und die entsprechenden Passagen gefallen mir noch immer, doch sind nun auch andere Interessen hinzugekommen, literarische zum Beispiel, und ich fragte mich, warum die Werke des Marquis das Zeug hatten, die Zeit zu überdauern.
Was auch immer man dem berühmt-berüchtigten Autor als Intention zum Verfassen seiner Werke, so auch dieses, unterstellen möchte, das Vorhalten eines Spiegels ist sicher eine der ehrenvollsten denkbaren Motivationen. Es ist ein alter Text, aus einer Zeit, in der weit offener moralisiert wurde als im 19. Jahrhundert. Eine Zeit, in der Gesellschaftskritik in Form von absurden Reiseberichten wie Gulliver oder Candid vorgetragen wurde, humoristisch verschlüsselt, weil zuviel Explizität die Gefahr von Repressalien mit sich brachte. So könnte man also auch „Justine“ verstehen.
Kurze Zusammenfassung: Ein junges Mädchen verhält sich stets tugendhaft und fromm, hat deswegen nur Pech, wird wiederholt und über Jahre hinweg gefangen genommen, gefoltert, mißhandelt, vergewaltigt, verlacht und so weiter. Ihre Schwester, ein Luder, bringt es in der selben Zeit zu großem Reichtum und Glück. Sämtliche moralischen Institutionen wie Amtsträger, Wohlhabende, Kirchenmänner, Mönche, werden dabei als egoistische, satanisch skrupellose Monster dargestellt, die sich genau entgegengesetzt zu dem verhalten, was man von ihnen erwartet. Gerade die Mönche, bei denen die mißhandelte Justine Zuflucht sucht, erweisen sich als die grausamsten Menschen im Buch.
De Sade bedient sich des Tricks, den Werdegang seiner Protagonistin streckenweise ähnlich einem erotischen bzw. pornographischen Text zu schreiben, wo eben ein unschuldiges Mädchen in diverse Fallen tappt und dort dann irgendwelchen Lustbarkeiten ausgesetzt ist. In „Justine“ allerdings setzen dann urplötzlich Folterung und Vergewaltigung ein, die Erotik wird besetzt von Macht- und Zerstörungsphantasien, bleibt jedoch Erotik und wird nicht abstoßend, der Ton bleibt locker-beschwingt, auch harmlose Dinge könnten da beschrieben werden. Macht der Leser sich aber bewußt, was da gerade vor sich geht, und welcher Leidensweg hinter all dem steckt, kommt der Verfremdungseffekt voll zum tragen.
Im Prinzip ist „Justine“ das Gleiche wie „Candid“, nur viel extremer und blutrünstiger, dabei ein wenig seichter. De Sade treibt die beißende Ironie auf die Spitze, anstatt sie auf halber Höhe wohlabgewogen interpretierbar schweben zu lassen. Bei ihm gibt es seitenlange, explizit geschilderte Vergewaltigungsszenen und Folterungen, das Mädchen ist ungeheuer unschuldig, die Welt ungeheuer böse. Die Moral am Ende, wo die fromme Justine nach Jahren der schrecklichsten Folter gebrochen vor ihrer reichen, glücklichen und lasterhaften Schwester steht, und schließlich von einem Blitz niedergestreckt wird, lautet: Es sind die Tugendhaften, denen das höhere Glück im Leben vergönnt ist. Zynisch.
Doch zynisch gegenüber den Tugendaposteln? Zynisch gegenüber der unmoralischen Welt? Oder zynisch gegenüber einer unbegründeten Schwarzweißmalerei bzw. einem Schwarzsehen, das zu derartigen Ansichten führt? Alles ist möglich, und das macht de Sades Texte, trotz gewisser Längen und epochebedingter Eigenarten, auch heute noch lesenswert.

Lolita – Vladimir Nabokov

„Lolita. Licht meines Lebens, Feuer meiner Lenden ...“, der ganze Absatz ist ein denkwürdiger Romananfang. Es wurde Zeit, den nabokovschen Gassenhauer endlich kennen zu lernen. Dass das Buch eine sensible Studie ist, mit Schlüpfrigkeit nur des Erzählanlass wegen zu tun hat, brauche ich hier nicht zu betonen. Natürlich gibt es Verfilmungen, die das anders sehen, aber das sind, nun, Verfilmungen.
Die Metaebene: ein Geleitwort informiert uns, wie das Manuskript gefunden wurde, über gesellschaftliche Begleitumstände, die Brisanz etc.; ein Zeichen des postmodernen Romans, erinnert mich aber auch an die alten phantastischen Reiseberichte, z.B. Gulliver oder Pym. Vielleicht musste Nabokov das wegen der Zwänge der damaligen Zeit tun, das Thema mag für manche wie reine Provokation gewirkt haben, die ersten Veröffentlichungen waren anonym angedacht, sicher ging es ihm aber auch um den literarischen Effekt.
Dann folgt die eigentliche Handlung, verpackt in ein an ein Gericht adressiertes Protokoll der Erlebnisse eines Hebephilen, das bei der Jury um Verständnis für dessen Handeln werben soll. Der Handlungsträger, „Humbert Humbert“, schildert sein Begehren nach heranwachsenden Mädchen, seine Beziehung zu einem solchen namens Dolores („Lolita“), und die Verwicklungen, die daraus entstehen. Das ist die vordergründige Handlung, am Ende löst sich das Mädchen von ihm, geht eigene Wege, und er begeht einen Mord.
Kommen wir zur Schicht dahinter. Da wir das Geschehen aus der Perspektive des Täters erleben, entstehen fantastische Effekte, die der Autor beinahe perfekt zu nutzen weiß.
Einerseits handelt es sich um eine psychologische Studie: Humbert weiß um die Ungesetzlichkeit seiner Handlungen, weiß auch, dass er sein Opfer, auch wenn es vielleicht nicht so scheinen mag, fürs Leben traumatisiert, setzt sich aber über solcherlei moralische Bedenken hinweg und argumentiert für das Verständnis seiner Lage. Dabei werden die Szenen und Situationen so aufgebaut und geschildert, dass der Leser unbewußt Sympathie für den Erzähler entwickelt, nur um immer wieder, beim plötzlichen Aufflammen der, auch sexuellen, Kontrollsucht, in Verwirrung zu geraten. Die sexuellen Eskapaden sind in erotisch stark aufgeladenem Ton geschrieben, unvermeidlich springen Funken auf den Leser über, die spätestens dann für ebensolche Verwirrung sorgen, wenn das Alter des Mädchens ins Spiel kommt.
Andererseits ist es also ein Spiel, dass der Autor mit seinem Leser treibt. Er stellt ihn in die hypothetische Rolle eines Hebephilen, dessen Handlungen zum Teil nachvollziehbar sind und damit Identifikationsmöglichkeit bieten. Er verfremdet dieses Erleben mit moralischen und gesellschaftlichen Unannehmbarkeiten, sodaß man, gerade noch in erotisierenden Passagen gefangen, im nächsten Moment damit zurecht kommen muß, dass es um ein Kind geht. Ein Spiel, das vielen Lesern Vieles über sich verraten wird.
Das Buch nimmt keine Wertung vor. Am Ende ist es einfach vorbei, niemand ist explizit gut oder böse. Offensichtlich ist die Traumatisierung Lolitas, aber auch die Verlorenheit, in der Humbert, schon zu Beginn der Handlung, steckt. Gründe für seine Andersartigkeit werden nicht angegeben, er selbst vermutet nur, weshalb diese tragische Leidenschaft, die unweigerlich zu Zerstörung führen muß, ausgerechnet ihn heimsucht.

Ich sagte „beinahe perfekt“, denn ich habe auch Kritik zu üben. Für meine Begriffe machen es manche Charaktere mit ihrer Identifikation zu einfach. Humbert hat einen verwerflichen Moralbegriff, ist anderseits aber schuldlos an seiner Vorliebe; beides kommt zu oft durch, ist zu wenig subtil. Wenn er sich dem abhängigen und wehrlosen Mädchen aufdrängt, mit ihr Abkommen zu täglicher Befriedigung trifft, macht er amüsierte Witzchen über diese Art von Folter. Das ist ein zu klares „Vorsicht“ für den Leser. Setzen wir einmal voraus, ein Ziel des Textes wäre es, dem Leser einen Spiegel vorzuhalten - er soll an sich selbst untersuchen, inwieweit er zu solchen Immoralitäten fähig wäre. Dann würde er von solchen offensichtlichen Warnhinweisen daran gehindert, die Identifikation mit dem Pädophilen zu weit zu treiben; sozusagen ein jederzeit vorhandenes Netz und doppelter Boden, die ein konsequentes Ergründen verhindern.
Doch Nabokov schreibt in einem Nachwort, er verabscheue Allegorie und versteckten Hintersinn, eine Geschichte sei für ihn nur das – eine Geschichte. Möglicherweise psychologisiere ich also zuviel in diesen Roman hinein und er ist tatsächlich nur die exzellente Geschichte eines scheiternden Mannes, dessen Opfern, einer tragischen Liebe und weiter nichts.
Selbst heute wird es noch viele Menschen geben, die sich von „Lolita“ provoziert fühlen. Die Wellen, die das Buch hingegen damals, bei Veröffentlichung Anfang der Sechziger Jahre schlug, müssen geradezu unermeßlich gewesen sein.

Florida-Räume – Ann Cotten

Ein gut gemeintes Weihnachtsgeschenk, ein Buch, das in den Feuilletons teils gefeiert wurde und größtenteils zumindest gut wegkam. Meine Kritik fällt hingegen negativ aus.
Es handelt sich um ein „dichterisches Gesamtkunstwerk“. Die Autorin gibt sich als Herausgeberin einer Zahl von fiktiven Einsendungen aus, einer Auswahl an Reaktionen auf eine an Dichter gerichtete Annonce in verschiedenen Tageszeitungen, so die Prämisse. Es sind dies zehn Präparate, darunter sechs Gedichtsammlungen und vier Prosatexte, eingerahmt von einem Vor- und Nachwort. Diese Texte, Lyrik und Prosa, sind durchweg avantgardistisch unleserlich gehalten. Es gibt anscheinend Leute, denen so etwas zusagt (siehe die o.e. Feuilletonbesprechungen), denn wie früher und zu allen Zeiten gibt es zu jeder Kunstströmung, so kurios sie auch sein mag, Anhänger und Verfechter. Als ein Vergleich seien hier die Zwölfton-, die serielle Musik und ihre Folgeerscheinungen genannt.
Die „Gedichte“ stehen selbstverständlich jenseits von Reim und Rhythmus, jenseits von Ästhetik oder Ausdruck, denn so etwas Überholtes gilt da vorne, weit weit vorne, bei den Speerspitzen noch hinterm Elfenbeinturm, als verpönt. Die Prosatexte ergehen sich in inhaltsleeren Sprachspielereien, die zum Selbstzweck seitenweise ausgewalzt und mit vordergründig anspruchsvollen, künstlich erzeugten Schwierigkeiten Aufmerksamkeit heischen, aber schnell langweilen, sobald dieses Schema durchschaut ist.
Alles wirkt wie die typischen Ergüsse selbstfindender Forumsbewohner im Internet, denen ein gesundes Maß an Selbsteinschätzung so häufig abhanden kommt. Natürlich gibt es mal den Fall, wo so etwas bei einem Verlag wie Suhrkamp landet, denn auch dieser Verlag ist um Bewahrung seines Images bemüht. In einem verschwimmenden Markt sind scharfe Konturen viel wert, und da kommt ein provokantes, scheinbar ungeheuer anspruchsvolles Buch einer jungen Künstlerin mit popkulturell ideal verwertbarer, also multinationaler Biographie, gerade recht.
Bleibt die Frage, was man mit diesem Buch anfangen soll, wenn man schon serielle Musik für Unfug hält. Ich werde es meinen Freunden vorführen und wir werden ein paarmal gut lachen. Vielleicht schaffe ich es, dem Buch einen Platz im Regal zu geben und in ihm ein Lehrstück der Pop-Avantgarde zu sehen, als ein Beispiel, was man mit Unsinn alles erreichen kann. Bis es verkauft ist.

Freitag, 23. Dezember 2011

Die drei Musketiere – Alexandre Dumas

Ein Abenteuerroman, wie er im Buche steht. Ich ging voreingenommen an die Lektüre: ein weiteres Buch aus der Reihe von Geschenken, die seit einer Ewigkeit im Regal stehen, mich eigentlich nicht interessieren und nun wegen eines schlechten Gewissens und aus historischer Neugier von mir hervorgeholt wurden. Die Karten standen also schlecht für diesen Mitte des 19. Jahrhunderts geschriebenen Roman, dessen Bilder und Versatzstücke sich bis heute halten, Eingang in Sprache und Kultur gefunden haben. Der prägende Einfluß von Dumas’ Werken auf den heutigen (popkulturellen) Erfahrungsschatz ist nicht von der Hand zu weisen, also kann es nicht verkehrt sein, einmal etwas von ihm gelesen zu haben. So versuchte ich, mich für die über siebenhundert Seiten zu motivieren. Und ich hatte absolut recht, der Roman bietet auch heute noch ungeheuer viel und ist für eine große Zielgruppe nach wie vor sehr lesenswert, die statt des x-ten Herr-der-Ringe-Zombies lieber einmal die Klassiker ihres Genres wiederaufleben lassen sollten.

„Die drei Musketiere“ ist ein hervorragender Abenteuerroman. Der Text sprudelt vor originellen Einfällen, ist in niveauvoller Sprache verfaßt und bietet literarische Leckerbissen, die zwar spärlich gesät sind, aber dem, der sie findet, ein großes Vergnügen bereiten. Die relative Höhe, die die darin rund und stromlinienförmig geschliffene Romansprache des 19. Jahrhunderts einnimmt, trug zusammen mit diesem gewissen lyrischen Anspruch dazu bei, dass der Roman so groß wurde und dass er in diesem Maße die Zeit überdauern konnte. Natürlich ist da auch der spannende Plot zu nennen, junge Ehrenmänner lösen gemeinsam Aufgaben, sind galant und voller Würde, retten Diverses. So etwas gab es damals sicher noch nicht wie Sand am Meer, die Pulpschwemme kam erst viel, viel später auf. Wir haben es also mit anspruchsvoll geschriebenem Pop zu tun.
Womit wir beim wesentlichen Problem des Romans angelangt wären. Möchte man heutzutage nach einem langen, anstrengenden Arbeitstag geschmeidig unterhalten werden, ohne das Gehirn zu sehr in Anspruch zu nehmen, dann setzt man sich vor einen Bildschirm. Geht man einen Schritt weiter und mutet der Denkdrüse rudimentäre Tätigkeiten zu, findet man eine Riesenauswahl an Literatur, die tatsächlich aus geschriebenem Text besteht und die gängigen Klischees und Plotschablonen so reproduziert, dass Erwartungen rasch und effizient befriedigt werden. Für diese Zielgruppe ist der Roman von Dumas jedoch nicht geradlinig, nicht effizient und nicht schablonenhaft genug. Der Fantasyleser kommt nicht auf seine Kosten, weil die Einteilung in Gut und Böse nicht genau genug vollzogen ist, der Liebesgeschichte nicht genügend und noch dazu der falsche Raum zugemessen wird, und generell viel zu viel Zeit mit der Ergründung und Entwicklung der lebendigen, schillernden, wirklich fantastischen Charaktere verschwendet wird, anstatt auf die Dramatik zu fokussieren. Gehen wir noch weiter und betrachten den mündigen Leser, so mag dieser aus bestimmten Passagen der „Musketiere“ Genuß ziehen, in einer Metaebene, welcher auch immer, zum Ziel seines Verlangens dringen, für ihn jedoch ist das Buch zu Nahe an den o.g. Genres gelagert, und das ist etwas, was dieser „mündige“ Leser wie der Teufel das Weihwasser nicht ausstehen kann, allein schon, weil er seine hoch sitzende Weste nicht beflecken möchte, was würden da die Bekannten sagen. Das unglückliche Buch sitzt also zwischen den Stühlen.

Ausgehend von dieser Betrachtung behaupte ich, dass die Zeit für Dumas’ Werke vorbei ist. Natürlich werden sie nach wie vor, heute und in Zukunft, verkauft werden, aber die Zahlen werden abnehmen, und irgendwann, vielleicht in hundert Jahren, werden diese Geschichten auch den letzten Nachhall ihrer Bedeutung verloren haben. Das ist schade, denn sie sind Zeugen einer Zeit, in der solche Romane noch möglich waren.
Doch für Bedauern besteht kein Grund, denn wie sagt schon der sein Los standhaft tragende Athos am Ende der „drei Musketiere“ zu d’Artagnan, als so vieles verloren ist, die Freunde getrennter Wege gehen und die Geschichte in schwermütiger Melancholie verklingt, gleichsam den Roman beschließend: „Sie sind doch noch so jung. Da haben Ihre bitteren Erinnerungen noch genügend Zeit, sich in süße Erinnerungen zu verwandeln.“

Montag, 12. Dezember 2011

Terre dell'Isola Corte Viola 2008 - Nero d'Avola IGT Sicilia

Einer der Landweine, die aus dem Sizilienurlaub mit nach Hause kamen.
Kräftig-blumiger Duft, typische schwarzrote Farbe. Im Mund heftig adstringierend, kaum Fülle, wenig Frucht, kein Ausdruck. Im Abgang säuerlich, Gerbstoffe. Es ist nicht der schlechteste Nero, den ich je hatte, aber er ist nahe dran.

Lange Schatten - Marie Luise Kaschnitz

Über den Weg einer Anthologie bin ich auf Marie Luise Kaschnitz aufmerksam geworden. Bald darauf fand ich zwei Geschichtensammlungen in einem nahe gelegenen Regal, nämlich „Lange Schatten“ (dtv) und „Ferngespräche“ (Insel). Um Erstere soll es hier gehen.

Meine Begeisterung ist groß. Die in „Lange Schatten“ versammelten Erzählungen sind großteils in ausgesprochen lyrischem Stil verfaßt, und den beherrscht die Autorin. Wie Kaschnitz es schafft, ihre Themen, oder besser Gefühle, Stimmungen, so in eine Handlung zu gießen, dass man meint, ein Gedicht vor sich zu haben, ist mir schleierhaft. Diese Texte sind einfach schön. Geheimnisvoll manchmal, hintergründig, manchmal direkt und offen, aber immer schön. Wir erfahren vom wild wuchernden Kummer einer Witwe, von einem Konflikt mit der eigenen Kindheit, der sich im mittlerweile Erwachsenenleben perfide zeigt, einmal vom Erwachsenwerden an sich, das vor einem gleichsam vergänglichen Hintergrund merkwürdig und doch natürlicher als sonst je irgendwo gelesen seinen Tribut fordert.
Das Ganze ist nicht perfekt, ein paar Geschichten sind dabei, die das hohe Niveau nicht halten können. Und hin und wieder wirkt die Poesie ein wenig zügellos. Doch „Lange Schatten“ ist eine Sammlung, die Ihresgleichen sucht und so schnell nicht finden wird. Wer dieses Buch gelesen hat, weiß mehr über die Menschen. Und wie einen Gedichtband nimmt man es immer wieder zur Hand, denn nicht die Plots sind es, die hier fesseln, sondern die Schönheit, schlicht und einfach.

Ich besitze einen Interpretationsband, in dem offenbar namhafte Literaturwissenschaftler einige der Geschichten sezieren. Ich kann damit nichts anfangen. Zwar stimme ich manchen Analysen zu, doch haben sich diese Leute bereits allzu weit vom Eigentlichen entfernt, um noch ernst genommen werden zu können. Als unfreiwillig komische Sekundärlektüre, als Realparodie auf den wissenschaftlichen Literaturbetrieb sicher einen Blick wert.

Bowmore 12, 15 und 18 Jahre

Vor geraumer Zeit bekam ich ein Tastingpäckchen geschenkt: Drei Bowmore Originalabfüllungen, 12 Jahre, 15 Jahre („darkest“) und 18 Jahre alt. Heute gings an die Verkostung, auch wenn das Öffnen der hübschen kleinen Fläschchen ein wenig weh tat.

Bowmore 12 Jahre
Nase: Säuerlich, fruchtig, mit dezenter Süße im Hintergrund, dort Honig und Lavendel. Über Allem zart-giftiger Bowmore-Rauch.
Geschmack: Sehr herb, wenig Süße, Leder, Medizin, Salz, ja – Meeresbrise, später Obertöne aus Frucht und Honig, Zitrussäure. Wärmender herber Abgang, toller, nicht zu deftiger Rauch.
Fazit: Ein wenig Facettenarm, bietet aber echten Islaycharakter. Rauch, unverfälscht, einfach gut. Im Vergleich zum Tasting vor einem Jahr kriegt er jetzt drei Punkte mehr.

Bowmore 15 Jahre „darkest“
Nase: Völlig anders. Überwältigende Süße. Die angriffslustige Säure tritt beim 15J in den Hintergrund, dafür drängt sich eine weiche, fast klebrige Süße nach vorne, Schokolade, Toffee, Rosinen, dunkle Pflaume. Noch auf Abstand riecht es wie ein Parfüm für alte Damen, weich, blumig, schokoladig. Unvorstellbar, dass hierfür nur drei Jahre Alterung verantwortlich sein sollen.
Geschmack: Ungeheuer süß, nach dem 12J erstaunlich, deckende Süße überall. Ansonsten kaum Facetten, nur wenig Rauch. Abgang mittellang, sehr süß, am Ende eine feine Malznote.
Fazit: Merkwürdig. Drei Jahre Unterschied und diese Veränderung? Das ist sicher ein völlig anderer Whisky als der 12J, andere Faßauswahl, andere Reifung etc., anders kann ich mir das nicht erklären. Besonders nicht, wenn man zum Vergleich den 18J hinzuzieht. Insgesamt ist mir der 15J zu klebrig, die Ausgewogenheit des jüngeren Bruders fehlt.

Bowmore 18J
Nase: Im Vergleich zum 12J weniger Säure, marginal mehr Dunkelheit, Samt und Süße, aber kaum wahrnehmbar. Milder und weicher. Ganz dezent Zitrus, weniger Schärfe. Auf den ersten Eindruck angenehmer, aber vielleicht nicht so charaktervoll wie der Junge. 12J und 18J sind sich sehr ähnlich. Beide unterscheiden sich untereinander nur unwesentlich durch im Alter gewonnene Mildheit, von der Zuckerbombe des 15J sind beide gleich gut abzugrenzen.
Geschmack: Für mich schwer vom 12J zu unterscheiden, sicherlich etwas milder, gesetzter, erdiger, aber eben auch etwas charakterloser, da die Kanten fehlen. An den Zungenrändern herbe Säure. Weniger Rauch als der 12J. Die in den originalen Tastingnotizen beschworene ausufernde Komplexität kann ich nicht feststellen.
Fazit: Milder, gemäßigter, ruhiger Klon des 12J. Auch uninteressanter.

Der 12- und der 18-jährige Bowmore sind sich sehr ähnlich, wobei der 12-jährige frischer und kantiger wirkt, der 18-jährige naturgemäß abgeschliffen und sanfter. Ich persönlich ziehe deswegen den Jüngeren vor, der mir einfach mehr Bowmore bietet. Der 15-jährige fällt aus dieser Gruppe heraus, er ist extrem süß, dunkler gefärbt, weniger rauchig. Nach anfänglichem Widerwillen fand ich am Ende auch an diesem Tropfen Geschmack und würde ihn an zweiter Position einreihen.
Die finale Platzierung:

1.      12 Jahre (80 Punkte)
2.      15 Jahre „darkest“ (76 Punkte)
3.      18 Jahre (75 Punkte)

Dienstag, 22. November 2011

Der talentierte Mr. Ripley - Patricia Highsmith

Ich erinnere mich, vor langer Zeit einen Film gesehen zu haben, der so hieß. Ein Kostümfilm, der eine nette Geschichte um einen Identitätsschwindler erzählte, mit schönen Menschen vor schöner Kulisse irgendwann früher. Vor ein paar Monaten durchkämmte ich das Krimilager meiner Eltern, zur Klärung der Frage, ob es anspruchsvolle Krimis gibt und falls ja, welcher Art dieser Anspruch wäre. Dabei lernte ich Einiges über die „goldenen Jahre der Kriminalliteratur“ mit ihren „whodunits“, das folgende „hardboiled“-Zeitalter, sowie das Entstehen einer psychologisierenden Strömung, der auch Patricia Highsmith zugerechnet wird und aus der der aktuell beliebte Krimitypus hervorging, dessen Romane den Buchmarkt just in diesem Moment überschwemmen. Mir fiel „Der talentierte Mr. Ripley“ in die Hände, und ich dachte, wenn dieses Buch schon in Hollywood verfilmt wurde, scheint es sich um eins der dichteren Werke der Autorin zu handeln, ideal zum Kennenlernen ihres Stils.
Das Buch gefiel mir nicht. Im Vergleich zu Raymond Chandler fällt sofort eine flachere Sprache auf, hier ist nichts Lyrisches, nichts Besonderes zu finden. Die Dialoge sind schematisch, die Vergleiche gewöhnlich, die Struktur wirkt banal. Nach Einführung des Handlungsträgers verfolgen wir dessen Reise um die Welt, auf der wir sein „verqueres“ Innenleben kennenlernen. Oh, es handelt sich um einen Verbrecher. Oh, das Morden ist für ihn nichts Schreckliches. Oh, er quält sich mit seiner Vergangenheit und mit seiner Isolation herum. Oh, Homosexualität. Oh, ein gebrochener Charakter. Vielleicht bin ich ein wenig zu hart, immerhin stammt das Buch aus einer anderen Zeit. Aber ich schreibe im Heute und heutzutage lockt man mit der Art, wie hier Plot und Charaktere entwickelt werden, keinen Schürhaken mehr hinter dem Ofen hervor. Es gibt kein Ende, der Verbrecher kommt fein raus, keine Wende, keine tiefere Einsicht. Die Geschichte eines Schwindlers und Mörders, der ein paar Taten begeht, dem Gesetz mit Glück und Passivität entrinnt und Schluss. Es ist eine Geschichte, die ihren Reiz aus dem Inhalt zieht, Innenansicht eines Mörders, wie kommt es zu seinen Verbrechen etc. Sie kann ihn nicht ziehen aus der Schönheit des Stils, der Sprache oder anderer formaler Rafinessen, denn die beherrscht Highsmith nicht, wie auch ein Blick in ihre anderen Romane verrät. Es ist eine absolut plotzentrierte Erzählung: was passiert? Wie passiert es? Rest egal. Und selbst nach dieser autorenschonenden radikalen Selbstbeschneidung versagt der Roman noch. Denn der Plot ist aus heutiger Sicht uninteressant.
Tom Ripley entwickelte sich seinerzeit zu einer beliebten literarischen Figur, es folgten Fortsetzungsromane, die weggingen wie warme Semmeln. Doch Literatur, die nur auf eine Säule baut, ist zwangsläufig instabil und bricht nach einiger Zeit zusammen. Zu diesen Säulen gehören Inhalt und Form, je nach Autor und Werk in unterschiedlicher Gewichtung vorhanden. Mit beiden allein kann für einen Text schon viel Lebenszeit geschaffen werden, dafür gibt es zahllose Beispiele. An der Form hingegen fehlt es Highsmith, weswegen sie heute bereits nicht mehr gelesen wird.
Eine dritte Säule, die des Unnennbaren, kann bei richtiger Balance Leben für Jahrhunderte schenken – oder mehr. Dem Gros der „Kriminalliteratur“ fehlt diese Säule gänzlich.

Montag, 14. November 2011

Der lange Abschied - Raymond Chandler

Nach einigen Ausrutschern in die Untiefen der "Kriminalliteratur" versuchte ich es mit einem Buch von Chandler. Dem "langen Abschied" sagt man nach, sein bester Roman zu sein.
Das Buch geht so zur Sache, wie man es von einem hardboiled-Krimi erwarten kann. Der Stil ist direkt und zynisch, will jederzeit unmißverständlich zeigen, wie hart er ist und läßt keine Gelegenheit ungenutzt, zu übertreiben und zu polemisieren. Heutzutage würde man solch einem Stil nachsagen, er ziele "mitten in die Fresse", aber heutzutage gibt es so etwas nicht mehr. Und zwar aus gutem Grund, denn das Bemühen um Härte wirkt bereits nach wenigen Seiten verkrampft und infantil, ständig müssen harmlose Sachverhalte reißerisch umrissen, ständig irgendwelche abwerwitzigen Formulierungen erfunden werden. Geradezu comichaft. Dennoch, wenn man weiß, was einen erwartet, kann man sich darauf einlassen. Dann ist das plakativ Dreckige nicht mehr ausschließlich lästig, sondern wird hingenommen als Zierrat, als kuriose Folklore eines untergegangenen Stils und fängt an, immer besser zu passen. Und plötzlich ist man begeistert.
Es geht direkt zur Sache, die Dialoge sind glaubwürdig und über allem stehen die verrückten, doch immer fein abgeschmeckten Vergleiche. Ja, allein schon wegen dieser Vergleiche lohnt sich die Lektüre. "In der Kneipe war es so still, daß man die Temperatur fallen hörte" und Ähnliches ist es, was Chandlers Schreibe wirklich lesenswert macht.
Die Story ist nett ausgedacht, aber natürlich ist in so einem Roman die Durchführung viel wichtiger. Und die ist dem Autor hervorragend gelungen. Ich habe das Buch fast am Stück gelesen. Wer es schafft, über die anfänglich erwähnten Unzulänglichkeiten hinwegzusehen, wird mit "dem langen Abschied" und sicherlich auch vielen anderen Texten dieser Periode seine Freude haben.

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Drei Romane

Dracula – Bram Stoker
Der klassische Schauerroman schlechthin, wer kennt den Stoff nicht?
Das Buch wurde Ende des 19. Jahrhunderts geschrieben. Man merkt, dass der Autor an die Tradition der großen Romane anknüpfen wollte: Er schrieb seinen Text in einem äußerst barocken Stil, der allerdings zur Jahrhundertwende längst nicht mehr zeitgemäß war. Er möchte diesen Stil nutzen, um eine düsterromantische Atmosphäre aufzubauen und schießt dabei völlig über das Ziel hinaus. Von vorne bis hinten wirkt das Buch extrem schwülstig, kitschig und unglaubwürdig. Wenn es die heutige Gothic-Subkultur mit all ihren übertriebenen Affekten, ihrer üppigen Schminke und überladenem Zierrat damals schön gegeben hätte, ihre Mitglieder hätten solche Texte geschrieben.
Dazu passt, dass Stoker offenbar kein Freund dichten Erzählens oder knapper Worte war. Sachverhalte werden rücksichtslos ausgewalzt, seitenweise Tagebucheinträge schildern die Verzückung, die einen männlichen Chronisten angesichts einer Frau befällt. Übrigens sämtliche männliche Chronisten, und immer wieder aufs Neue. Die kandiert-zuckrigen Liebesbeteuerungen und ohnmachtsnahen Glückseligkeitsbezeugungen finden sich auf jeder Seite. Ebenso extrem fallen die Reaktionen der Protagonisten auf „Schlimmes“ aus, wie Blut, das Böse in der Welt, oder das Sterben. Die Helden dieser Geschichte sind wie Kinder, die alles Alltägliche mit größter Verwunderung und maximaler Emotion für sich entdecken.
Geradezu enervierend unglaubwürdig ist die Plotkonstruktion. Der zur Aufklärung der Krankheit einer Geliebten (die vom Vampir gebissen wurde) hinzugezogene Multidoktor Prof. Prof. van Dusen, Entschuldigung, Helsing, weiß von Anfang an, was los ist, macht aber nur Andeutungen und hält seine Kameraden hin, bis es viel zu spät ist, aber dafür hunderte von Seiten mit dunkler, ungenannter Bedrohung und immer neuer Verblüffung gefüllt werden konnten. Beispielsweise denkt sich einer der Helden nichts dabei, als seine Frau abbaut und immer schwächer wird, es wird sogar in jedem Eintrag des Tagebuchs überdeutlich darauf hingewiesen, wie blass sie doch aussehe, und das, obwohl gerade eine Freundin genau die gleiche Leidensgeschichte und Verkennung der Ursachen hinter sich gebracht und mit dem Tode bezahlt hat. Alle Handelnden in diesem Buch sind furchtbar dumm, und das ist ärgerlich. Denn auf dieser Dummheit allein kann der Autor seine Handlung konstruieren. Ein Leser wird aber nicht gerne für dumm verkauft.
Der Erfolg des Romans lässt sich vielleicht damit erklären, dass es damals solcherart Bücher nicht viele gab. Ein neues Genre befand sich im Entstehen und die Leute stürzten sich auf jeden besseren Vertreter dieser Gattung. Und Stoker konnte schreiben, er hält den gewählten, wenn auch unpassenden und übertriebenen Stil flüssig und ohne Brüche durch, er schuf quasi schon allein mit der Qualität der Form eine Referenzmarke der Schauerliteratur, die erst aus heutiger Sicht arg blass und blutleer wirkt. Aber vielleicht fällt auch das wieder niemandem auf.

Dracula kehrt zurück – Freda Warrington
Machen wir uns einen Spaß. Stellt Euch vor, Dracula wäre am Ende des gleichnamigen Buches gar nicht in die ewigen Jagdgründe eingegangen. Stellt Euch vor, er hätte noch ein Reserve-Ich, das mal kurz schauerlich lachen und dann zurück kehren würde. Haha, wer würde so etwas ernsthaft schreiben wollen? Nun, Freda Warrington hat das tatsächlich gemacht.
In ihrer Geschichte, ungelogen „Dracula kehrt zurück“ genannt, geht der alte Blutsauger in neuer Inkarnation den gleichen Leuten wieder auf den Geist – sein Fehler. Neu ist, denn Fortsetzungen müssen stets mehr bieten als das Original, ein zweiter Vampir, der das Dreiecksverwirrspiel zwischen ihm, Dracula und den Helden auf die Spitze treibt. Hintergründe werden beleuchtet, Draculas Geheimnisse sämtlich gelüftet (ähnlich Episode 1). Am Ende kämpft Dracula gegen den Emporkömmling, opfert für die holde Maid (wie im Original: oh, ah, Liebe, Glück, Unwürdig!) seine Unsterblichkeit und alle Bösen fahren gemeinsam zur Hölle, wo der Teufel schon auf sie wartet. Der Roman ahmt den nachahmenden Stil des Originals nach und ist noch überflüssiger.

Der Medicus – Noah Gordon
Steht auch schon lange bei mir im Schrank. Weiß jetzt auch, warum.
Ein Weltbestseller aus den Achtzigern, Kategorie „historischer Roman“. Was an diesen Romanen historisch sein soll, entzieht sich mir, ich finde die Genrebezeichnung einfach verfehlt. Es ist und bleibt Fiktion, wie wäre es also mit „Roman, der in der Vergangenheit spielt“? Zu lang vermutlich.
Bereits nach den ersten Seiten ist mir klar, woher der Erfolg des Buches stammt. Der Autor schreibt gut, weiß jederzeit zu fesseln und den Leser bei der Stange zu halten. Dazu kommen stilistische Feinheiten, die man in diesem Genre nicht erwartet. Ein guter Autor schrieb also einen Roman, der davon handelt, was ein nicht zu unterschätzender Teil der allgemeinen Leserschaft gerne liest: Von der Vergangenheit; Kulisse geschichtlicher Ereignisse und so.
Es ist ein Bildungsroman (sagt man da dann bildungshistorischer Roman?), ein Bub wird Waise und meistert sein hartes Schicksal. Ärzte sind toll, er will einer werden, wird erst von einem Bader aufgenommen und reist dann, nach dessen Tod, nach Persien und wird einer. Weiter bin ich noch nicht gekommen, aber die überraschende Wende wird wohl ausbleiben. Laut Inhaltsverzeichnis kehrt der Bub in sein Heimatland zurück und ist dann dort Arzt, Ende. Das klingt ziemlich langweilig, ist es aber streckenweise nicht mal. Wie schon gesagt, liegt das an der hervorragenden Schreibe und am Geschick des Autors, das Geschehen immer wieder aufzulockern. Nicht zu übersehen sind die Konzessionen an das Genre – ellenlange Beschreibungen historischer „Gegebenheiten“ und Lebensumstände, ausufernde Beleuchtung der zeitlichen Hintergründe etc. etc. Wenn man das alles überspringt, kommt ein gut lesbares, unterhaltsames Buch heraus, das zurecht viel Geld verdient hat, auf irgendwelchen Tiefgang allerdings gerne verzichtet.

Montag, 17. Oktober 2011

Drei historisierende Romane

Hannibal - Gisbert Haefs
Ein Geschenk von vor langer Zeit. Ein „historischer Roman“. Aus schlechtem Gewissen nahm ich mir kürzlich gleich mehrere dieser Trümmer vor, um sie nicht einfach verscherbelt zu haben, ohne vorher mal reinzuschauen.
Dabei erwies sich dieses Buch noch besser als erwartet. Nach typischem Einstieg mit viel Action und Schablonenschnitt überraschte der Autor mit literarisch anmutenden Intermezzi, Briefen am Ende jedes Kapitels und stilistisch historisierenden Passagen. Das lockerte den Text auf und weckte ein gewisses Interesse. Positiv war zudem, dass es hier weniger um eine Heroisierung bzw. Fokussierung auf den Namensgeber, sondern um die alternative Schilderung einer Zeitspanne ging. Alternativ deswegen, weil die erhaltenen Überlieferungen aus jener Zeit als römisch-propagandistisch einzustufen sind, und eine die Motivationen der Karthager beleuchtende Historie schlichtweg nicht existiert. Haefs hat sich vorgenommen, das nachzuholen, ist dabei allerdings ins andere Extrem geschlagen: Rom ist böse, Karthago ist edel und gut. Punkt.
Was bleibt vom Buch? Ein Teil ist eine durchaus nicht schlecht geschriebene Geschichte der Zeit um die Punischen Kriege, ein Teil ist akribische, actionlastige Reinszenierung von Schlachten, ein Teil ist literarisch anmutender Zierrat, der durchaus gefallen kann. Stark gestört hat die fiktive Hauptperson, die als Erzähler fungiert und dafür an allen wichtigen Orten und Geschehnissen wie zufällig zugegen ist. Die Hauptbeschäftigung dieser Figur scheint darin zu bestehen, sämtliche Frauen der punischen Geschichte flachzulegen, die auch nur darauf warten.
Für die paar Absätze, die mir wirklich gefallen haben, z.B. den lyrischen Schluss finde ich sehr gelungen, lohnt sich der Roman nicht. Für freunde historischer Romane ist es aber sicher einer der Besseren.

Gilgamesch, König von Uruk - Thomas R.P. Mielke
Von ganz anderer Kategorie ist das jetzt zu besprechende Buch, Gilgamesch, König von Uruk, von Thomas Mielke. Noch nie ist mir etwas Derartiges untergekommen. Der Roman ist ein Scherz.
Ich weiß überhaupt nicht, wo ich anfangen soll, will das aber auch nicht ungehörig in die Länge ziehen, deswegen in Stichpunkten: Mangelhaftes Lektorat, übler Stil, kindische Schablonencharaktere (Gilgamesch, der blonde Hüne, der die mächtigsten Muskeln und den größten Penis hat), ausufernde Sexfantasien in jedem Kapitel (schrecklich: sämtliche Frauen sind immerzu wild auf Gilgameschs mächtigen „Grabstock“, bieten ihm jauchzend ihre „Furche“ dar, während alle anderen Männer zusehen müssen), peinlich von vorne bis hinten, sogar für den Leser, weil er einen Autor liest, der so etwas schreiben kann. Es ist wie die unsägliche Fantasy-Action-Erotikwelle in den Achtzigern, nur schlechter. Wie Conan, der Barbar, wie Arnold Schwarzenegger, nur katastrophal statt schlecht.
Das Umschlagbild, das Profil eines turbanbedeckten, dunkelhaarigen Hauptes mit sanften Augen, gibt nicht den geringsten Hinweis auf den Porno, der sich dahinter verbirgt. Leute, laßt die Finger von diesem Buch und diesem Autor! Es sei denn, ihr wollt für euer Geld mal herzlich lachen.

Conan (Heyne Meisterwerke) - Robert E. Howard
Wo wir es gerade von Conan haben. Ich kannte immer nur die berüchtigten Filme mit Schwarzenegger, in denen ein leicht bekleideter Bodybuilder Monster kloppt und hübsche Frauen rettet. Doch wer es nicht weiß: Es gibt eine literarische Vorlage für diese Filme! Ja, ein jung gestorbener Autor schrieb zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Amerika sogenannte „low fantasy“, in der … genau. Wie im Film.
Heyne hat nun die Schriften dieses Autors gesammelt, neu editiert und in einer ansprechenden Ausgabe herausgebracht. In Rezensionen, Blogs etc. wird versprochen, dass die literarische Vorlage mit den Filmen nicht zu vergleichen, ja das Niveau ungleich höher, die subtextualen Implikationen mannigfaltiger seien.
Das kann ich jedoch nicht bestätigen. Die Geschichten sind für Groschenhefte geschrieben worden, und das merkt man auch. Immer noch, trotz Feuilleton. Howard war ein ehrlicher Mann, er wollte schnelles Geld verdienen, keine Literatur schaffen. Nebenbei und von ihm sicherlich nicht vorausgesehen hat sich eine große Anhängerschar gebildet, für die dieses Buch genau das richtige sein dürfte, denn in der Tat erfährt man hier viel über die Entstehungsgeschichte, die Hintergründe, bekommt Fragmente präsentiert, deren zeitliche Einordnung etc.
Ich gebe zu, nur wenige der Geschichten gelesen zu haben, erlaube mir aber dennoch das Urteil, dass es sich hier um eine für Conan-Fans willkommende Edition handelt. Für alle anderen uninteressant.

Zwei Dramen

Ein Wintermärchen - William Shakespeare
Wen wundert es, dass dieses Stück gut zu lesen ist? Die Übersetzerin (Dorothea Tieck) hat sich alle Mühe gegeben den Blankvers zu erhalten, was allein schon beeindruckend ist. Der altertümliche Stoff ist spannend und zwingt zum Weiterlesen. Das Werk wird den Romanzen zugerechnet, wohl aufgrund gewisser düsterer Anteile, doch eigentlich sind darin durchaus die lustigen Elemente einer Komödie zu finden, nicht nur Böhmen am Meer.
So sehr die Lektüre aber auch zu fesseln vermag, am Ende war es für mich nicht der ganz große Wurf. Vielleicht liegt es an der Übertragung ins Deutsche, vielleicht ging dabei doch einiges verloren, denn außer dem permanenten Eindruck, das Werk eines Großen mit all seiner Genialität und gewitzten Einfällen vor mir zu haben, konnte ich nicht viel daraus ziehen. Allein, das ist ja schon Unterhaltung genug.

Emilia Galotti - G.E. Lessing
Ganz anders Lessing. Keine Reime. Dafür perfide Offenlegung der Mißstände der damaligen Gesellschaft. Adelige, die glauben, sich alles herausnehmen zu können. Bürgerliche, die es nicht wagen, entschieden dagegen aufzubegehren. Ein banaler Inhalt, der von Lessing aber aufs Köstlichste umgesetzt wird.
Ich empfand die Durchführung als extrem verdichtet, geradezu kurzgeschichtenhaft, man kann das Heft nicht aus der Hand legen, ständig geschieht etwas, ständig geht es weiter mit überraschenden Wendungen und neuen verrückten Einfällen der Protagonisten. Diese verrückten Einfälle sind es, die Lessings Anliegen deutlich übersteigert erscheinen lassen, ins Ironische, Zynische gar, wir werden sozusagen mit der Faust darauf gestoßen, was der Autor mit dem Stück sagen möchte. Das ist ein Stilmittel, das in Emilia Galotti sehr gut hineinpaßt, man hat zu keiner Zeit den Eindruck, bevormundet zu werden oder einem Klamauk beizuwohnen. Im Gegenteil, man ertappt sich dabei, ob der unwahrscheinlichen, geradezu blöden Entscheidungen mitzufiebern, Partei zu ergreifen auch für den dümmlichen Adel, dem man ein glimpfliches Ende seiner Ränke wünscht. Natürlich vergebens.
Rein nach dem Kriterium der Ernsthaftigkeit gäbe es einiges zu Bemängeln an diesem Drama. Aber als zynisch übersteigerte Posse kommt es genau auf den Punkt, weiß zu fesseln, zu unterhalten und gleichzeitig zu belehren. Was will man mehr? Und dann diese Sprache ...

Freitag, 23. September 2011

Deus Ex 3 - Human Revolution

System Shock 1 und 2 waren wirklich gute Spiele, beinahe fanatisch habe ich sie damals durchgespielt. Der Nachfolger, Bioshock, gefiel mir nicht besonders, und vom anderen Klassiker, Deus Ex 1, weiß ich zugegebenermaßen nicht mehr sonderlich viel, richtig beeindruckt kann es mich also nicht haben. Dennoch, Deus Ex 1 genießt einen ungeheuren Kultstatus, und nach dem (die Fans wohl) enttäuschenden zweiten Teil ("Invisible War") wurde der Hype um Teil Drei dieser Tage riesengroß. So groß, daß er auch mich ansteckte, denn viel wurde im Vorfeld versprochen, unter anderem auch ein Spielgefühl und vor allem eine Atmosphäre, die an die alten System Shocks heranreichen sollte.

Das tut sie nicht. Deus Ex 3 ist ein gewöhnlicher Schleichshooter mit veralteter Technik und gewisser Betonung der Story. Details? Bitte sehr:
Die Grafik mag die aktuellen technischen Möglichkeiten nutzen, sieht aber subjektiv nicht besser aus als Half-Life 2 es vor vielen Jahren tat. Sterile Texturen, leere Levels, staksige NPCs, langweilige Umgebung; das alles gabs 2006, 2007 schon besser. Doch wollen wir hierauf nicht zu viel Gewicht legen, das Spiel hat andere Ansprüche.
Die Spielmechanik ist ein Amalgam der gängigen erfolgreichen Schleichshooter und bietet absolult nichts Neues. Verstecken hier, Betäuben da, Leiche verstecken, Waffen finden und upgraden, taktisch vorgehen usw. Gewürzt wird diese 0815-Kost mit "Hack"minispielen und rollenspielartigen Fähigkeitenverbesserungen. Was anderswo "Skills" sind, heißt hier eben "Augmentations" und kommt auf das Gleiche raus. Auch an Gespräche wurde gedacht, es gibt sogar Wahlmöglichkeiten, unglaublich! Dabei verhalten sich die Charaktere aber dermaßen stereotyp, daß jede Dialogzeile vorm Monitor einen leichten Schmerz auslöst. Kein Vergleich mit guten Skripts wie bei Fallout oder Planescape. Zwischen den Missionen gehts immer mal wieder zurück in eine basisartige Umgebung, vom Erzählrhythmus her stand hier wohl die "Mass Effect"-Reihe Pate, vom Geballer/Schleichen eher dieses ganze Zeug wie "Splinter Cell" und "Metal Gear".
Und jetzt zum Wichtigsten: Die Story. Hochgelobt in den diversen Magazinen, Blogs und was weiß ich noch wo, gibts hier eine üble, schon hundertmal dagewesene, natürlich unglaublich philosophische Geschichte um die Fragen und Implikationen, die biomechanische Implantate mit sich bringen. Daß solcherart Szenarien in der SF-Literatur schon seit Dekaden durchgespielt und fortentwickelt werden, und das teilweise sehr gelungen, hat sich den Autoren von Deus Ex 3 entzogen. Es bleibt bei einem austauschbaren Groschenheftchenplot, dessen Wendungen so überraschend wie die eines besseren C-Movies ausfallen (kommt eigentlich mal irgendwann jemand von diesen Schreiberlingen auf die Idee, mehr als zwei bis drei Personen für alle relevanten Handlungseckpunkte zu verwenden), und an dessen Ende der Spieler sogar entscheiden darf, wie er es denn gerne hätte mit der Zukunft der Menschheit. Gähn. Die ausschweifenden Betrachtungen, in die sich diverse Spielejournalisten und -hobbyisten auf diversen Webseiten anläßlich dieser Offenbarung versteigen, lassen als Erklärung nur einen sehr niedrigen, düsteren und nebelverhangenen Horizont zu, der die Branche nach außen hin abzuriegeln scheint.

Wäre das Spiel nicht so umjubelt worden (die meisten Tests brachten Bewertungen um 90%) und wäre ihm nicht die Ehre eines anhaltenden philosophischen Diskurses zuteil geworden, meine Kritik fiele nicht annähernd so scharf aus. Aber so ging ich mit völlig falschen Erwartungen heran und wurde enttäuscht. Befreit man sich nämlich einen Augenblick von dem Wissen, es hier mit dem wahrscheinlich bestbewerteten und einflußreichsten Spiel der letzten 10 Jahre zu tun zu haben, bleibt ein ganz passabler Schleichshooter ohne große Ansprüche. Wäre ich Spieletester, würde ich vielleicht 75 bis 80 Punkte vergeben, damit wäre es dann aber auch gut.

Die Farben der Zeit - Connie Willis

Diese Autorin war an mir bislang völlig vorbeigegangen. In den USA anscheinend für ihre Sci-Fi-Romane gefeiert und mit Preisen nahezu überhäuft (auch in 2011 räumt sie, wieder einmal, den Hugo ab), mußte ich sie nun endlich einmal kennenlernen. Ich wählte dafür die Erzählung "Die Farben der Zeit", die im allgemeinen Internettenor als Meisterwerk der Zeitreisen-SF gepriesen wird.

Das Buch gefällt mir überhaupt nicht. Wir haben es hier mit einer Ulknummer zu tun. Eine komische Situation jagt die nächste, jede Gelegenheit wird für einen ach so subtilen Witz genutzt. Die Zeitreisenummer scheint der Autorin nur als Vorlage für ihre Gassenhauer zu dienen, offensichtlich war sie beim Schreiben sehr angetan von lustigen Kollegen wie Pratchett, der mit seinem Klamauk ja Millionen verdient. Eine herbe Enttäuschung, hatte ich doch aufgrund der vielseitigen Käuferrezensionen eine ernsthafte, gut geschrieben SF-Geschichte erwartet. Doch über die uninspirierte Sitcomhandlung hinaus ließen die ersten sechs Kapitel zudem einen schwachen Stil erkennen, eine Kombination, die mir das Weiterlesen unmöglich machte. Flache, stereotype Charaktere in belangloser Handlung, durchsetzt mit der typisch US-Amerikanischen Fernseh-Lachmaschine.

Schade, vielleicht sind ihre anderen Bücher ja besser, aber jetzt wird es sicherlich längere Zeit dauernd, bis ich das mal überprüfe, wenn überhaupt, denn es gibt ja soviele gute Bücher zu lesen. Zum Glück sind Willis' ältere Romane in Deutschland schwer zu finden und dementsprechend teuer im Verkauf. Weg damit.

Samstag, 3. September 2011

Schnee auf dem Kilimanscharo: 6 Stories - Ernest Hemingway

Einst "In unserer Zeit" gelesen, eine Sammlung von Hemingway-Kurzgeschichten. War vom verknappenden Stil und den Themen gefesselt. Weiter geht es mit "Schnee auf dem Kilimandscharo", ebenfalls kurze Geschichten.
In einer recht heterogenen Auswahl finden sich hier zwei sehr bekannte Stories, Macomber und Kilimandscharo, und vier kürzere und weniger berühmte Stücke, die aufgrund ihrer Kürze teilweise schnipselhaften Charakter besitzen. Ich will hier nur auf die beiden Erstgenannten eingehen.
Ich bin ein wenig enttäuscht, hätte mir von diesen Ikonen der Hemingwayschen short-story-Kunst mehr erwartet. Zwar bieten sich wieder die schon bekannten Qualitäten, der unverwechselbare Stil, die typische Themenauswahl, die Lakonie. Doch machen die Geschichten deutlich einen stromlinienförmig konstruierteren Eindruck, mehr auf ein Ziel hingearbeitet, als es noch bei denen aus "In unserer Zeit" der Fall war, die allesamt wie aus der Realität ausgestanzte Fragmente wirkten, unübertreffbar trocken und karg-romantisch. Klar, beides sind große Geschichten, ikonische Charaktere durchleben die katastrophalen Konstruktionen ihres Autors, wachsen und zerbrechen daran, und am Ende steht ein unbestimmtes, wehmütiges Gefühl, das besonders beim Kilimandscharo im Gedächtnis bleibt. Aber es sind eben einfach große Geschichten, ausgezeichnet, aber nicht mehr so beeindruckend ungewöhnlich wie in "In unserer Zeit". Auch andere Autoren hätten diese beiden Geschichten schreiben können, sicher nicht viele, aber einige.
Insgesamt also eine nette Kurzgeschichten"sammlung" (nur 120 Seiten), deren Inhalt man kennen sollte. Von Hemingway gibt es aber sicherlich noch Besseres.

Montag, 8. August 2011

Der Dunkle Schirm - Philip K. Dick

"Der Dunkle Schirm" war noch übrig. Das Paket von Dickromanen, das ich mir vor langer Zeit in der bunten Heyneausgabe auf einen Schlag zugelegt hatte, aus Angst, die Irrwege des Verlagswesens könnten mir wie schon bei Asimovs Foundationzyklus einen Strich durch die Leserechnung machen, war bis auf dieses Buch ausgelesen (zu den anderen werde ich mich hier zu gegebener Zeit äußern, da waren sehr gute und auch weniger gute dabei). Nach "Spin" und "Biokrieg" war es endlich mal wieder Zeit für einen guten SF-Roman, und Dick war da eine einigermaßen verläßliche Größe.

Leider wurde ich auch diesmal enttäuscht. Wie schon beim hochgelobten "Orakel vom Berge" mutet die Schreibe im "Dunklen Schirm" langatmig, zäh und auf unbestimmte Weise - belanglos an. Dick scheint der Erinnerung an seine Drogenkarriere immer eine gewichtige Rolle in seinem Denken eingeräumt zu haben, das zeigt sich auch in den anderen Romanen. Hier aber spielt dieses Thema die Hauptrolle. Mit stoischer Genauigkeit beschreibt Dick die Erlebnisse seiner Protagonisten, die uninteressanter kaum sein könnten, Drogen nehmen, wirres Zeug denken und sagen, das keinesfalls glorifizieren, einen abstrusen Plot erleben, der den Rahmen für die schonungslose Darstellung des Abgrunds bildet, in den sie gleiten. Nun ja, es liest sich schon arg antiquiert, arg seventies, um es mal so zu sagen. Die Schilderung des Elends, welcher Art auch immer, mittels kühler, distanzierter Protokollierung ist in jener Zeit vielen Autoren besser gelungen. Dick hatte vermutlich einfach noch eine Rechnung offen mit seiner Vergangenheit, die er begleichen wollte. Im Schlußwort grüßt er alte Weggefährten, die der Sucht zum Opfer fielen, gibt Einblicke in seine Gefühlswelt etc., das alles wirkt sehr persönlich. Herausgekommen ist also offenbar ein Bewältigungsroman, der sich sicher zu jeder Zeit für den Autor besser las als für seine Leser. Die zum Teil überwältigend guten Kritiken führe ich auf die unwiderstehliche Wirkung von Dicks Verdiensten um die SF zurück, die er zweifellos hat, ein Fundament, auf das er mit dem Dunklen Schirm einen "ernsteren" Roman setzte, seine Fans verblüffte und ihnen die Hoffnung gab, nun auch in der Welt der richtigen Schriftsteller akzeptiert und diskutiert zu werden. Darauf weist auch hin, daß der devote Nachwortschreiber angesichts spärlich gesäter SF-Elemente sogleich fordert, es mit einem allgemeinen Meisterwerk, nicht nur der SF, zu tun zu haben. Diese Diskussion, diese Forderung findet man auffälligerweise immer nur in bemühten Werken. Werke, die es hingegen wirklich geschafft haben, kennen solche Fesseln nicht, kennen keinen Kampf, in dem Herolde für und wider die Einordnung in bestimmte literarische Klassen fechten. So weit kommt es also nicht.
Ein Rauschgiftermittler, der im Rahmen seiner verdeckten Ermittlertätigkeit über den Konsum bestimmter Drogen in eine Art Schizophrenie abgleitet, ein typisches Dick-Topos, hier jedoch allein über die Chemie begründet. Den größten Anteil des Romans macht die Beschreibung dieses Abgleitens aus, eine kühle, desillusionierte Stimmung wird erzeugt, gute Dialoge teilnahmslos wiedergegeben, das klappt alles ganz gut. Doch was ein Stilmittel sein mag, ist zumindest auch entnervend: Dick walzt dieses Beschreiben auf mehreren hundert Seiten aus, wiederholt sich, erhebt die Zähigkeit zum Gebot, will seinen Lesern zeigen, wie bitter, ausweglos, unerträglich dieses Abrutschen sich anfühlt. Doch nach kurzer Zeit hat man darauf bereits keine Lust mehr, möchte ein wenig Handlung haben, ein wenig Geschichte. Die kommt hier zu kurz, die spritzigen Dickschen Haken und Kniffe bleiben aus, träge dümpelt der Protagonist seinem Ziel entgegen. Am Ende steht eine Auflösung, die niemanden überrascht und wohl auch nicht zur Überraschung gedacht ist. Um Drogen geht es hier, nicht um Handlung.

Und damit ist auch schon alles gesagt. Wer begeistert die klassischen Dicks gelesen hat wie Ubik, Eldritch, Bombe, Topfheiler etc., der wird sich hier umkucken. Der Dunkle Schirm ist ein bemüht realistischer Roman eines begnadeten SF-Schriftstellers, der sich mit dessen Hilfe von den Gespenstern einer mißliebigen Drogenkarriere befreien wollte. Dieses Ziel mag der Roman erreicht haben, ein lesenswerter Dickroman ist er nicht.


NACHTRAG 29.8.
Kürzlich habe ich den Film zum Buch gesehen. Eine ungewöhnliche Inszenierung von Richard Linklater, die sich extremer Mittel bedient, um der Vorlage nahezukommen. Durch diesen Film hat sich meine Meinung gewandelt.
Er bedient sich einer ausgesprochen ungewöhnlichen Technik, gefilmtes Material wird comicfarben übermalt, ein surrealer Eindruck ensteht, ähnlich vielleicht einem halluzinogenen Drogentrip. Es gelingt ihm damit ungeheuer gut, jene Stimmung zu erzeugen, die das Buch (vergeblich) erzeugen will. Wo das Buch, sicher auch wegen handerwerklicher Mängel Dicks, versagt, schafft der Film es, dessen Intentionen umzusetzen. Beeindruckend - für mich der erste Film, der näher an der Buchvorlage ist als die Buchvorlage selbst. Erst er zeigte mir auf, was alles in dieser Geschichte steckt.
Die kalte, mitleidlose Welt, durch die die Protagonisten in ihrer ewigen Scheinexistenz streifen, die Leidenschaftslosigkeit, mit der sie ihren Tätigkeiten und allgemein ihrem Leben nachgehen, die psychotischen Abgründe, die geistigen Leerläufe, die bei manchem Zuschauer wohl zuerst für Belustigung, dann aber dafür sorgen werden, daß ihnen das Lachen im Halse stecken bleibt. Hinter allem, nicht sichtbar, aber jederzeit spürbar, hängt eine Düsterkeit, Verlassenheit, Bitterkeit, ein Weinen um Liebe, um die eigene Jugend und um das Leben. Wie wir nach der Lektüre des Buches wissen, ist die Erzählung für Dick eine Verarbeitung seiner Trauer. Aber spürbar, und dann geradezu schmerzhaft, wird diese Trauer erst im Film.
Beim Sehen kommt streckenweise Langeweile auf. Die Junkies wissen nicht so recht, was sie mit den Tagen anfangen sollen, und ihre nervöse Ziel- und Haltlosigkeit überträgt sich auf den Zuschauer. Ein Stilmittel. Wenn der Abspann läuft, weiß man, was Dick sagen wollte, man weiß, daß es sich gelohnt hat, diesen Film zu sehen, und man sieht auch das Buch in neuem Licht.
Ich kann nicht sagen, daß es sich jetzt mehr lohnen würde, es zu lesen, denn das Buch hat sich nicht verändert, aber ich kann jedem, der es gelesen hat, empfehlen, sich danach noch den Film anzusehen. Ich kann mir keine bessere Möglichkeit vorstellen, einen Dick visuell umzusetzen, als es dieser Film getan hat.

Dienstag, 2. August 2011

Biokrieg - Paolo Bacigalupi

Um mal wieder ein aktuelles SciFi-Buch zu lesen, besorgte ich mir dieses Buch, das jüngst sowohl beim Hugo- als auch beim Nebula-Award abgeräumt hat. Leider eine Enttäuschung. Schon wie bei "Spin" von Wilson ist mir nicht klar, wie es dazu kommen kann, daß diese Bücher durch Vergabe der berühmten Preise auf ein Niveau mit Meisterwerken wie "Dune" oder "Neuromancer" gehoben werden. Vielleicht gab es in den entsprechenden Jahren ja einfach keine Konkurrenz, wer weiß das schon.

Um es kurz zu machen: Wir haben hier eine dystopische Geschichte aus einer nicht allzuweit entfernten Zukunft vor uns. Nach irgendwelchen Kriegen, Hungersnöten, Seuchen und vor allem genetischen Katastrophen ist der Entwicklungsstand der Menschheit dramatisch zurückgefallen. Energie wird mit Behelfsverfahren erzeugt und gespeichert (Pedalcomputer, Aufziehmotoren), die heimliche Macht halten Konzerne in der Hand, die die weltweite Ernährung mittels selbstentwickelter gentechnischer Produkte sicherstellen. Schauplatz ist Thailand, und dort speziell Bangkok. Es entspinnen sich belanglose Erzählungen vierer Personen, die sich nur begrenzt überschneiden und am Ende zu keinen erhellenden Auflösungen führen, sondern - ohne daß vorher viel geschehen wäre - einfach ausklingen. Der Inhalt ist nicht der Rede wert, es geht um oberflächlich geschilderte Intrigen, eine arme künstliche Prostituierte (wie gewagt!) und Korruption.
Die Geschichte wird vom Autor als Vorwand genutzt, um möglichst viel Lokalkolorit einfließen zu lassen - entweder fand er seinen letzten Thailandurlaub toll oder er hat südostasiatische Wurzeln. Zumindest werden unablässig Originalausdrücke verwendet, schön in Kursivschrift gehalten, damit der Leser auch ja nicht übersieht, wie wahnsinnig ethnisch das alles ist und wie interessant doch die Kultur ist, die der Autor uns da vor Augen führt: da müssen wir ja unbedingt auch mal hin, dieses Thailand, hach!
Nein, es ist einfach unerträglich. Ich will endlich mal wieder einen Genreroman lesen, ohne darin Dinge über asiatische oder afrikanische Kulturen zu erfahren, die mich nicht interessieren. Oder über asiatische bzw. afrikanische Aliens. Die Erinnerung an "Otherland" von Tad Williams löst immer noch einen milden Brechreiz aus. Und erst dieser alte Chinese mit seiner Ehre immer! Und ich dachte, Stereotypie wäre ein rein westlicher Makel. Furchtbar auch das Herumreiten auf der Klappertechnik, die sich Bacigalupi so kühn ausgedacht hat. Spannfedern, Tretcomputer, herrje. Und ständig wird dem Aufziehmädchen heiß und es stirbt fast, ständig! Fast auf jeder Seite passiert das.
Gefallen hat mir stellenweise die Schreibe, also rein handwerklich. Dennoch - das Buch ist absolut nicht zu empfehlen. Völlig verrückt, da Hugo und Nebula zu vergeben. Auf diese Preise ist anscheinend keinerlei Verlaß mehr.

Donnerstag, 28. Juli 2011

Bunnahabhain 1997 Signatory Vintage

Als ich anfing, mir zu diesem Whisky Notizen zu machen, hatte ich bereits einen Dram davon intus, dessen Nachhall mir noch im Kopf rumzog. Deswegen entgingen mir für diese Beschreibung sicher einige Nuancen.

Aroma: Mäßig Rauch, Rosinen, Schokolade, leichte Grasigkeit
Mit Wasser: Zitrusfrüchte, Karamel, etwas Eckiges, Kantiges, kommt hervor, das diesen Whisky typisch werden läßt
Geschmack: Sehr süß, ist das eine Limonade? Entfaltet dann Kontraste, malzige Bitterkeit um die Zunge herum. Auch hier kommt diese kantige Wildheit, eine Art Schärfe durch, die mich ihn sofort wiedererkennen lassen würde
Abgang: Rauch, der sofort in Süße übergeht, die den Gesamteindruck dann förmlich überschwemmt. Viel zu süß. Dahinter wohlige Kontrapunkte aus Holz und Malz, die aber von der Süße plattgemacht werden und auch nicht ganz ausgewogen erscheinen

Ein passabler Whisky. Die Hersteller verstehen offenbar ihr Handwerk, es gibt einiges zu entdecken, sie treffen meinen Geschmack aber nicht, und das ist es ja, worauf es hier ankommt. Die zarte Rauchigkeit und die herben Facetten werden leider von der alles überragenden Süße überdeckt. Keine gute Ausgewogenheit. Im Abgang zeigt sich der Whisky endlich ein wenig rauh, aber auch hier pappt zuviel Süße. Die Tatsache, daß mir dieser Tropfen mal sehr geschmeckt hat (ich habe ihn schon einige Zeit), zeigt mir, daß sich mein Geschmack im letzten Jahr deutlich von süß zu herb entwickelt hat.

Die Art und Weise, in der Tastings mittlerweile einer Wissenschaft gleichen, gefällt mir nicht mehr. Deswegen vereinfache ich mein Bewertungssystem wieder. Ich werde es mal mit Schulnoten versuchen.
Dieser Whisky enthält eine glatte 3. Passabel trinkbar, muß ich aber nicht nochmal kaufen.

Dienstag, 14. Juni 2011

Kosmologie - Bernulf Kanitscheider

Uff. Ich habs durch. Aber leicht wars nicht. Wie schreibt der Auto noch in seiner Vorrede? - "Der philosophisch interessierte Leser möge sich jedoch durch die eine oder andere Formel nicht abschrecken lassen, fast immer lassen sich diese überlesen und der qualitative Sinn, der für die naturphilosophischen Gedanken ohnehin entscheidend ist, bleibt auch dann noch erhalten, wenn man die Rechnungen nicht nachvollziehen möchte." Hat man vor, Leser dieses Buches zu werden, sollte man aus diesem Zitat zwei Dinge mitnehmen. Erstens: Kanitscheider liebt lange, verschachtelte Sätze, drückt sich wie die meisten akademischen Philosophen gerne umständlich exakt aus. Zweitens: die eine oder andere Formel, Pustekuchen.

Das Buch läßt sich grob in zwei Abschnitte gliedern. Zuerst widmet sich der Autor auf knapp einem Drittel der Seiten der Geschichte der Kosmologie, schildert die Denkweisen und Modelle, die zu den jeweiligen Weltbildern führten, und stellt historische und kulturelle Bezüge her. Man erhält hier eine gute Übersicht der Entwicklung des Bildes, das die Menschen vom Universum hatten, von den alten Chinesen bis zum 20. Jahrhundert. Keine Wissenschaftsdisziplin wird dabei bevorzugt, Kanitscheider geht auf physikalische, mathematische, philosophische und theologische Aspekte ein. Natürlich wird den unterschiedlichen Epochen nicht der gleiche Raum eingeräumt. Analog der wissenschaftlichen Entwicklung und der Erhaltung deren Überlieferung gibt es über die Kosmologie der Sumerer weniger zu berichten als über mittelalterliche Modelle. Die neuere Entwicklung bis hin zum Ende des 19. Jahrhunderts stellt somit den Hauptteil des Abschnittes. Dieser wissenschaftshistorische erste Teil ist angenehm zu lesen, sehr informativ und anregend.
Der zweite Abschnitt, beginnend mit Kapitel 6, behandelt die Entwicklung des Weltbildes seit der Aufstellung der Relativitätstheorie durch Einstein. Die Allgemeine Relativitätstheorie ist das Fundament der modernen Kosmologie und so widmet Kanitscheider über zwei Drittel seines Buches der Behandlung dieses Modells. Das klingt sehr interessant, doch jetzt kommt der Wermutstropfen: Für mich als bisherigem Laien auf diesem Gebiet war die mathematische Syntax der relativistischen Kosmologie völlig unbekannt. Auch von Einsteins Theorie hatte ich nur eine begrenzte Vorstellung, erhoffte ich mir doch gerade von Kanitscheiders Buch eine Verbesserung dieses Zustands. Doch leider war das nur ansatzweise möglich. Ab Kapitel 6 verwendet der Autor eine sehr mathematische Sprache, verwendet ohne Erklärung Termini, die Laien nicht bekannt sein können und versteigt sich in ausufernde mathematische Diskussionen von Entitäten, die er einfach voraussetzt, die der "philosophisch interessierte Leser" ohne Vorbildung auf relativistischen Gebiet aber nicht kennen kann. Er hat ein umfassendes Werkverzeichnis angehängt, aus dem er unablässig zitiert und den Inhalt dieser Schriften wohl teilweise auch voraussetzt. Das Lesen wird ab Kapitel 6 deswegen ungeheuer schwierig und vieles erschließt sich auch nicht völlig, was mich im Nachhinein doch ärgert. Um den Gedanken- und Rechnungsgängen zumindest ansatzweise folgen zu können, war viel Recherche und höchstkonzentriertes Lesen notwendig, deutlich eher Arbeit denn Vergnügen. Ein Erkenntnisgewinn aus dem zweiten Teil ist durchaus vorhanden, doch wäre er mit einer grundlegenden Vorbereitung auf das Thema, mehr Sekundärliteratur und vor allem noch mehr Geduld höher ausgefallen.

Besonders deutlich wird das Problem des Buches am Ende, wo sich noch ein Abschnitt über naturphilosophische Fragen anschließt. Die eigentlich äußerst interessanten Themen (u.a. Grenzen der Erkenntnis, Unendlichkeit, mathematisch-philosophische Fragen, Materieentstehung aus dem Nichts) werden vom Autor in streng akademischer Sprache zerredet. Kanitscheider wirkt zweifellos sehr belesen, unablässig führt er Querverweise an, zieht Schlüsse und versucht auch hier, eine gute Übersicht zu geben. Doch schafft er es nicht, sich auf die Beantwortung seiner Fragen zu fokussieren, zu weitschweifig bringt er Fakten, Formeln, Zitate in den Text, anscheinend ohne sich der Wünsche seiner Leser bewusst zu sein. Es ist wie der Verweis auf eine Literaturenzyklopädie als Antwort auf die Frage "Was ist gute Literatur?"

Kosmologie von B. Kanitscheider ist eine kompakte Übersicht über geschichtliche und zeitgenössische Weltenkunde, mit Betonung deren physikalischer und philosophischer Aspekte. Liest sich der geschichtliche Teil für Laien angenehm unterhaltsam und informativ zugleich, driftet der zeitgenössische Teil in anspruchsvolle mathematische Betrachtungen, die die Philosophie fast völlig verdrängen. Wer hier als Leser reüssieren möchte, dem sei eine gründliche Vorbereitung nahegelegt. Es gilt, sich gut mit Einsteins Theorien auszukennen, des weiteren sind Kenntnisse der mathematischen Grundlagen der Astrophysik des 20. Jahrhunderts unabdingbar, ansonsten wird man streckenweise nur Bahnhof verstehen. Schafft man es jedoch, sich durch diese Barrieren hindurchzukämpfen, so wird man mit einem Überblick über das aktuelle wissenschaftliche Weltbild (Stand des Buches: 1991) belohnt, inklusive so manchen Denkanstoßes.

"So kann die weltanschauliche Funktion der mechanistischen Kosmologie darin gesehen werden, dass der Mensch befreit wurde von unnötigen Ängsten vor seiner natürlichen Umgebung, welche durch den animistischen Aberglauben gegeben waren, er aber auch den stützenden Halt der Metaphysik verlor und von nun an, frei und allein auf sich gestellt, zur geistigen Auseinandersetzung mit der Natur gezwungen war. Die Geistesgeschichte zeigte, dass dem Menschen hier eine Bürde aufgeladen worden war, an der er schwer zu tragen hatte. Ein Teil der Orientierungsprobleme unserer modernen Gesellschaft gründet sicher darin, dass viele Menschen die enorme geistige Freiheit, die die Aufklärung mit sich gebracht hat, noch nicht bewältigt haben."
"Der Nachweis der grundsätzlichen Veränderbarkeit der Kausalstruktur der Welt, die wir aus dem Alltag, aber auch aus dem gesamten bisher wissenschaftlich kontrollierten Bereich kennen, verbietet es, diese erfahrungsträchtige Struktur in den Rang einer apriorischen und theorieunabhängigen Voraussetzung zu erheben, ohne die Wissenschaft in keinem Fall betrieben werden kann. Die kosmischen und lokalen Kausalitätsverletzungen lehren, dass der Wirkzusammenhang der Welt ein kontingentes Element derselben darstellt, das letztlich nur empirisch erforscht werden kann."
"Ein roter Faden scheint sich, wenn auch noch nicht überall sichtbar, von der resonierenden Mikrotopologie der Planck-Zeit über die terrestrische Biogenese bis zur Formation eines Zentralnervensystems und der Ausbildung intellektueller Fähigkeiten in den Primatenstämmen zu ziehen."

Bedingt lesenswert

Die Verwandlung - Franz Kafka

Die Verwandlung ist eine phantastische Erzählung, die großen Spielraum zur Interpretation ihres symbolischen Gehalts läßt, wobei allerdings bestimmten Deutungen in der Literaturszene ein besonderes Gewicht zuzukommen scheint. Ich empfehle diesbezüglich das Begleitbändchen aus der Reihe "Erläuterungen und Dokumente" von reclam.
Von Konstruktion und Sprache bin ich nicht begeistert. Es ist zwar mein erster Kafka, mein Urteil sei also mit Vorsicht zu genießen, aber mir erscheint die Handlung merkwürdig zusammengestückelt, nicht konsequent aufeinander aufbauend. Sprachlich schwankt Kafka von tollen Passagen (besonders der Anfang gefällt mir gut) zu Banalität. Natürlich kann das alles Absicht sein, doch die Sekundärtexte geben Hinweise, dass dem nicht so ist.
Ganz anders verhält es sich mit dem Symbolgehalt, dem allegorischen Inhalt, der mich wie viele vor mir gefangen genommen hat. Das Ungeziefer, das aus der Gesellschaft herausfällt und keine Möglichkeit hat, in sie zurückzukehren, den Tod als einzigen Ausweg vor sich. Was es mit diesem Ungeziefer auf sich hat, ist wohl von Leser zu Leser verschieden. Eine schöne Interpretation ist der Rückzug einer Dichterseele aus dem belastenden Alltag der menschlichen Gesellschaft mit all ihren Profanitäten in die physische und geistige Isolation. Auch von dort führt kein Weg zurück, der dichterische Geist stößt ringsum auf Unverständnis, es kommt zu unendlicher Entfremdung, wegen der Unfähigkeit des Dichters, diesen inneren und äußeren Konflikt zu lösen, steht am Ende der Untergang.

Zum Abschluß zwei Zitate aus den Erläuterungen und Dokumenten (reclam, 1983):
"In diesem ‚Unfall‘ findet die verborgene Geschichte von Aggressionen und Schuld ihren sichtbaren Höhepunkt. Beides vereinigt sich und kommt unterscheidbar verbunden zum Ausdruck in dem Verhängnis, das denjenigen heimsucht und vernichtet, der es unterlassen hat, den Widerstreit in seinem Innern offen ins Auge zu fassen und seiner Herr zu werden."
"Sosehr mit dem Vorgang der Verwandlung auch eine Befreiung aus der mechanischen Welt des Nutzens, der Geschäfte und der eng damit verbundenen Tyrannis der Familie erfolgt, sie bleibt zugleich der Weg, der unrettbar in den Tod führt, und das Depravierende und Bestrafende des Erscheinungsbildes ist nicht nur ein Zeichen dafür, dass die eigentlichen, ursprünglichen Schichten der Seele für eine im ‚man‘ erstarrte Welt der Familie unkenntlich geworden sind, sondern auch für eine Existenzkatastrophe des Ich selbst, mit der sich eine Flucht ins Aynonyme und Isolierte ereignet, weil das Ich den mitmenschlichen und sozialen Aufgaben des Lebens nicht mehr gewachsen ist."

Sehr lesenswert

Michael Kohlhaas - Heinrich v. Kleist

Die berühmte Novelle las sich in einem Rutsch - die Geschichte vom ungerecht behandelten Händler, der angesichts eines unfähigen und korrupten Verwaltungsapparats in Selbstjustiz verfällt, steht im berichtenden Stil einer Chronik. Betont sachlich bleibt der Tonfall, Aufzählungen und verschachtelte Nebensätze suggerieren eine offizielle, amtliche Herkunft des Textes, die Kleist mit der Vorbemerkung "aus einer alten Chronik" noch unterstreichen möchte. Trotz dieser dafür eigentlich ungeeigneten Mittel gelingt es dem Autor, die Novelle eingängig und leicht lesbar zu halten, sodaß man - der philosophischen Implikationen und deren Folgen noch völlig ungeachtet - ein unterhaltsames Buch vor sich hat, dessen Handlung allein schon das Lesen rechtfertigt.

Die literarische Figur des Kohlhaas hat ein reales Vorbild im 16. Jahrhundert, an dessen Erlebnisse die Erzählung eng angelehnt ist. Kleist scheint das Thema sehr gereizt zu haben, sodass er sich des wirklichen Hans Kohlhase bediente, um die Widersprüche innerhalb damaliger und auch heutiger Handlungs- und Rechtsethik herauszuarbeiten.
Die philosophischen Fragen, die Kleist anschneidet, werden im Verlauf des Buchs aufs Schärfste herausgestellt und überdeutlich gemacht, dann undiskutiert beim Leser stehen gelassen. Dabei scheint gerade die neutrale Perspektive die Brisanz des Berichteten auf die Spitze zu treiben. Zu keinem Zeitpunkt entsteht der Eindruck einer Stellungnahme oder Wertung. Das wäre auch fatal, zieht die Novelle doch gerade aus dieser Neutralität ihre Kraft, sie überläßt es dem Leser, sich ein Urteil über den Sachverhalt zu bilden, einen Sachverhalt, bei dem es kein "richtig" oder "falsch" gibt. Ja, der bedeutendste Effekt der Lektüre des Michael Kohlhaas ist die Sensibilisierung für die Schwierigkeit ethischer Fragestellungen.

Wir haben es also mit einem Buch zu tun, das sich problemlos als unterhaltsame Kriminallektüre des frühren 19. Jahrhunderts lesen läßt, darüberhinaus aber auch eine ethische Diskussion aufwirft, die auf vielerlei heutige Fragestellungen übertragbar ist. Zeitlos und

Sehr lesenswert

Montag, 23. Mai 2011

Candid - Voltaire

Ein weiterer Klassiker. Mitte des 18. Jahrhunderts vom französischen Überaufklärer als Antwort auf Leibniz' optimistische Theodizee und auf die Philosophie dessen Anhänger verfaßt, versinnbildlicht dieser Roman die philosophische Diskussion jener Jahre und prägte sie auch, war er doch Öl im Feuer beider Parteien. Ich werde auf die damalige Auseinandersetzung nicht weiter eingehen, möchte mich allein dem Roman selber widmen.

Ohne mit seinen Absichten lange hinter dem Busch zu halten, kommt Voltaire gleich in den ersten Zeilen zur Sache. Mit beißender Ironie nimmt er alles aufs Korn, was ihm an der damaligen Gesellschaft nicht passte, und das ist im Wesentlichen die Heuchelei, die er in allen Winkeln und Ritzen zu finden weiß und dann mit spitzer Feder an die Oberfläche pult. Deswegen gefällt uns der Text auch heute noch so gut: Auch wir Leser sind subjektiv immer von Heuchelei umgeben, überall sehen wir sie, und wenn es einem Autor so gut und wohlformuliert gelingt, die Heuchler bloßzustellen, dann ist das ein Genuß. Die Crux daran ist, daß es den Heuchlern natürlich genauso gehen wird, auch sie werden das Buch genießen, denn man bleibt ja immer schön subjektiv.
Dessen ungeachtet ist dies ein gutes Buch. Rein handwerklich bin ich begeistert, es gibt auf jeder Seite eine neue, unerwartete Volte, der Witz ist scharf und treffsicher, man fiebert mit und möchte wissen, was sich Voltaire als nächstes ausgedacht hat. Solcherart geschmackvolle Satire zu schreiben ist sicher nicht leicht. Leider erschöpft sich die Masche im Verlaufe des Textes etwas, der Autor wiederholt sich sichtlich, die als Aufhänger dienende Geschichte verliert an Fahrt, mehr und mehr durchschaut der Leser, dass alles nur ein Vehikel ist, um möglichst viel Kritik anbringen zu können. Doch - ganz anders glücklicherweise als bei Gullivers Reisen - bevor dieses Unbehangen zu groß wird, ist die Geschichte auch schon vorbei, Voltaire reitet seine Erzählung nicht zu Tode, der Makel ist also zu vernachlässigen.
Schwerer wiegt der Umstand, dass hier außer der exzellenten Schreibe, der Kritik am Menschen, der ganzen Menschheit und der Welt nicht viel zu finden ist. Die Handlung ist nicht der Rede wert, die Charaktere sind schwach. Es ist eben nur eine Hülse, die die Satire an den Mann bringen soll. Das macht sie hervorragend, mehr aber auch nicht. Um es mit einem Vergleich aus der Musikwelt zu sagen: Candid ist eine F-Geschichte, keine E-Geschichte.

Wer sich an einer unter politisch riskanten Bedingungen enstandenen Gesellschafts- bzw. Philosophiesatire (derartig schändliche Kritik an den Obrigkeiten, insbesondere der Kirche, war zu jener Zeit noch mit ausgesprochener Gefahr für Leib und Leben verbunden) in meisterlicher Ausführung berauschen möchte, dem sei Voltaires berühmter Roman strengstens nahegelegt. Wer große Romankunst erwartet, sollte sich dabei jedoch auf eine Enttäuschung gefaßt machen, die Zeit überdauerte "Candid" aufgrund anderer Qualitäten. Interessiert man sich aber nur ein kleines bisschen für die Klassiker der Weltliteratur, so führt an dem Buch ohnehin kein Weg vorbei.

Dienstag, 10. Mai 2011

Verbrechen - Ferdinand v. Schirach

Ich bin über einen Spiegelartikel auf dieses Buch gestoßen und war sofort interessiert. Ein Anwalt, der seine spektakulärsten Fälle zu kurzen Geschichten verarbeitet und diese mundgerecht in einem Erzählbändchen präsentiert. Herausragende Besprechungen, viel Lob, das Zeug mußte her.

Bereits in der Einleitung zur ersten Geschichte fiel mir die ungeschliffene Sprache auf, grammatische Schwächen, die aus irgendwelchen Gründen durch das Lektorat geschlüpft zu sein schienen. Ob man hier dem Autor vertraglich zu viel Freiraum eingeräumt hat? Das Buch leidet durchweg an diesem Problem, auf jeder Seite finden sich Unreinheiten, schwammige Ausdrücke, falsche Modi etc. Etwas scheint hier schief gelaufen zu sein. Auch wenn es den überschwänglichen Rezensenten nicht aufgefallen ist, mich hat es stark irritiert und das Lesevergnügen von vorneherein eingeschränkt.
Inhaltlich hat von Schirach durchaus guten Stoff zu bieten, mal ist es der biedere Arzt, der seine Frau mit der Axt zerstückelt, mal ein asiatischer Profikiller, der nie gefaßt wird. Er gibt seinen Texten vordergründig den Anschein eines nüchternen Berichts, schildert die Daten der handelnden Personen, deren Lebensumstände, baut eine professionell wirkende Kulisse auf. Diesem Konstrukt schickt er dann allerdings reißerische Aufmacher voraus, gibt Introspektionen in die Gefühlswelt seiner Protagonisten, die er so nie gekannt haben kann, und verwendet Kniffe, um Spannung zu erzeugen. In Kombination mit der abgehackten, schlaglichtartigen Erzählweise wirken die Geschichten damit billig und schnell zusammengeschustert, als seien sie nur auf ein wenig Spannung und Verblüffung aus. Und so ist es wohl auch, es bleiben eher Schnipsel als Geschichten. Ich versprach mir von diesem Buch eine Art professionelle Sicht auf interessante Kriminalfälle, doch die bietet es nicht. Man findet darin kurzweilige, spannungsheischende Geschichtchen, die alle nach dem gleichen Muster gestrickt sind, keinen literarischen Wert besitzen und ein Interesse für sachliche, professionelle Berichterstattung nicht befriedigen können. Wie ein Arztroman, nur zerschnipselt, mit Juristen und angeblich wahren Hintergründen.

Von Schirach hat mit diesem Buch viel Geld verdient, weswegen natürlich der zweite Teil, "Schuld", bereits erschienen ist. Angesichts der 200 Seiten großbuchstabigen Drucks mit vielen, vielen Leerräumen in "Verbrechen" kann ich auch Lesern von Arztromanen allein schon aufgrund eines schlechten Preisleistungsverhältnisses nur empfehlen, davon die Finger zu lassen.

Dienstag, 26. April 2011

Unterwegs - Jack Kerouac

Tja, was soll ich da groß sagen. Ein beeindruckender Roman, ein beeindruckender Lebenslauf. Lesen und beeindrucken lassen.

Die "beat generation": anfangs ein paar literarisch interessierte Freunde, die sich auf dem College kennenlernten, dazu die Muse Neal Cassady, und ab gings. Wer kennt nicht das Lebensgefühl, das uns Anfang bis Mitte Zwanzig durchdringt, wenn dir die Welt offensteht, du über Konsequenzen nicht nachdenkst und einfach lebst, immer auf der Suche nach neuen Erfahrungen, wie gehetzt, mehr, mehr und mehr. Jack Kerouac hat mit seinen Freunden (damals insbesondere Ginsberg und Burroughs) eine Sprache geschaffen, in der sich dieses Lebensgefühl ausdrückt. Ich hätte nicht gedacht, dass das möglich ist, aber so ist es. Er nannte es "spontane Prosa", aber natürlich hat das mit spontan nichts zu tun. Hier war ein meisterhafter Künstler am Werk, der seine Arbeit verstand und sich große Mühe mit dem Text gegeben hat. Was so beliebig wirkt, ist in Wirklichkeit perfekt ausbalancierter Rhythmus, mit dem uns eine Geschichte von jungen Leuten ins Gehirn gejazzt wird, die nur als Aufhänger fungiert, um uns dieses begehrte Gefühl zu vermitteln. Das Gefühl der Suche, nein - der Sucht nach Leben.
Das Buch ist in fünf Teile gegliedert, der Inhalt ist, wie gesagt, nicht weiter wichtig. Junge Kerle hetzen quer durch Amerkika, von Küste zu Küste, rauf und runter, und trinken sich am Erleben satt. Sie treffen auf alte Freunde, neue Freunde, stellen gemeinsam verrückte Sachen an, Saufen, nehmen Drogen, haben Spaß und Streß mit den Frauen und mit der Literatur. Wie man Kerouacs Biographie entnehmen kann, ist das Buch stark autobiographisch; ein Schlüsselroman. Die Hauptperson ist und bleibt jedoch die Sprache. Riesensätze mit endlosen Relativverschachtelungen reden atemlos und ohne Pause auf den Leser ein, bedrängen ihn mit belanglosen Informationen, Meinungen, Haltungen, umgarnen ihn, ziehen ihn in seinen Bann. Es gibt in diesem Roman mehrere Stellen, an denen ich den Blick tatsächlich nicht von den Zeilen nehmen konnte, wie gebannt war und sogar ein bisschen in Schweiss ausbrach. Diese Stellen ziehen sich meistens über mehrere Absätze hin, es geht dann um Begegnungen mit Jazzmusikern, um Eindrücke einer Großstadtnacht oder einfach um das Lachen der Provinzler. Das sind Stellen für die Ewigkeit.

Wie man merkt, hat mir das Buch gut gefallen. Was gibts auszusetzen? Circa nach zwei Dritteln des Textes erschöpft sich die Masche etwas. Die Sprache bleibt zwar phantastisch belebt und innovativ, Kerouac stellt mit ihr aber immerfort das Gleiche an, von der ersten bis zur letzten Seite, das ist auch der Grund, warum ich doch einige Tage für das Buch benötigte. Der Überschwang ermüdet irgendwann, vielleicht wäre ein früheres Ende besser gewesen.
Doch die Sprache gehört zu der Sorte Sprachen, die ihren Autor unverwechselbar machen und die man nicht nachmachen kann, genauso wie z.B. bei Hemingway. Und allein für sie lohnt schon jede Zeile, ist keine zuviel. Wer sich für bedeutende Literatur interessiert, wer sich für amerikanische Literatur interessiert, wer hin und wieder von seiner Jugend träumt, oder einfach wer lebt, der sollte dieses Buch lesen.

Mittwoch, 6. April 2011

Vergleich: Redbreast 12 & 15, Glendronach Revival, Linkwood 17 Signatory Vintage

Zu allen diesen Whiskys existieren bereits separate Bewertungen hier im Blog, deswegen möchte ich mich auf eine reine Vergleichswertung beschränken und auf Noten verzichten. Den Anstoß zum Vergleich gab die scheinbare Ähnlichkeit der vier, die mir in den jeweiligen Verkostungen aufgefallen war, eine jeweils ausgeprägte Faßbetonung. Nun ist es an der Zeit, diese gefühlte Ähnlichkeit direkt zu qualifizieren.

Vor mir stehen vier Gläser mit je ca. 1cl Füllung. Der Glendronach ist geringfügig dunkler, die anderen drei haben exakt die gleiche Farbe.
Und schon im Geruchsvergleich fallen neue Aspekte auf, die mir in den Einzeltests entgangen waren. Der Linkwood bietet von allen vieren die extremste, reinste Betonung des Faßcharakters. Hier kommt wirklich nur Holz, Holz, Holz, untermalt mit einem Hauch von Zitrus und Süße, das Ganze auf sehr edle, wohldosierte Art. Der Glendronach baut seine Holznoten auf einem dicken Fundament buntgefächerter Süße, die jedoch nicht übertrieben wirkt, sondern jederzeit weiß, wie weit sie gehen kann, um den Gesamteindruck zum Glänzen und nicht zum Kleben zu bringen. Der 15er Redbreast steht dem Linkwood geruchlich nahe, überrascht in diesem Vergleich allerdings mit einer neuen Qualität: ich empfinde aufdringlichen Klebstoff, vielleicht wie UHU, der sich dann auch beim 12er nachweisen läßt. Sehr interessant, daß das erst im Kontrast auffällt. Klebstoff klingt nun etwas harsch, man könnte es wohl auch "Schärfe" oder "Spritigkeit" nennen, auf jeden Fall wirkt diese Komponente nicht störend, sondern verleiht den Redbreast im Unterschied zu den anderen beiden einen alkohoischeren Charakter, der je nach Wunsch auch gut gefallen kann. Momentan finde ich den "Kleber" aber etwas zu aufdringlich, gebe dem Linkwood den 1. Aromaplatz, wegen seiner edlen, vornehmen, dezenten Holzigkeit ohne Schnörkel, dem Glendronach den 2. Platz, die wohlfeile Süße, die im Einzeltest so wunderbar ist, wirkt im Vergleich ein wenig zu aufdringlich, zu direkt. Und bei den Redbreasts gebe ich diesmal dem 15-jährigen den Vorzug, denn anscheinend gefallen mir heute die dezenteren Düfte besser.
Kommen wir zum Geschmack. Unverdünnt ist der Linkwood eine Herausforderung. Volle Süße, massives Holz, dazu kitzeln Gewürze, Zitrusfrüchte, Blumen, Früchte den Gaumen, wirklich herrlich, nur leider ein bisschen zu stark. Im Abgang grasige Noten, ungebrochen weiter Holz. Ein Erlebnis, das jedoch seinen (Feuer-)Preis hat. Mit Wasser verschwindet die Knalligkeit, dann dominiert mir die Süße etwas zu stark, das Ergebnis wird zu einseitig. Der Glendronach ist wahnsinnig süß und wirft dazu Holz und Gräser in den Topf, die den Abgang beherrschen. Der 15er Redbreast wirkt erdiger, beweist eigenständigen Charakter, protzt nicht so mit Explosion wie der Linkwood oder Pfundsüße wie der Glendrochnach. Es findet sich eine Note, die anscheinend typisch für den Iren ist. Dezentes Holz mischt sich mit dieser Note und feiner Süße, um am Ende von Zitrus ergänzt zu werden. Der Klebstoff findet sich im Geschmack nicht wieder. Im Abgang wohlige Bitterkeit. Der 12er ist leichter, hat nicht die schwere Erdigkeit des älteren Bruders. Dafür kommen mehr blumige Noten, ingesamt bleibt diese Probe aber blasser als die 15er. Ob das an der fast leeren Flasche liegt?

Fazit: Würde ich einen ordentlichen Dram von diesen vier wählen müssen, fiele die Wahl jetzt auf den Readbreast 15. Es ist doch wirklich toll, wie sich der Geschmack von Tag zu Tag ändert. Im letzten Vergleich Readbreast 12 & 15 hatte der Jüngere noch die Nase vorn. Würde ich allerdings nur ein wenig nippen dürfen, dann wäre der unverdünnte Linkwood mein Favorit, der mit seiner Geschmacksexplosion alle Register zu ziehen weiß, sich aber ohne Wasser nicht so süffig trinken läßt. Der 12er Readbreast verliert heute ein wenig gegenüber seinem älteren Bruder, der Glendronach ist zwar wirklich gut, mir heute aber einen Hauch zu süß.

1. Readbreast 15
1. Linkwood 17 Signatory Vintage
3. Glendronach 15 Revival
4. Readbreast 12

Dienstag, 5. April 2011

Gödel, Escher, Bach - Douglas R. Hofstadter

Ein Buch, für das ich mich schon lange interessierte. Seit ich auf einem Wikipedia-Streifzug die Vitae von Russell, Gödel und Turing absorbiert habe und dabei immer wieder Querverweise zu "GEB" von Hofstadter auftauchten, befand sich dieses Buch auf meinem Wunschzettel. Nachdem ein Freund im vergangenen Urlaub nun mit der englischen Ausgabe aufgekreuzt war, fiel die Kaufentscheidung.
"Gödel, Escher, Bach" ist ein naturwissenschaftlich-populärphilosophisches Werk eines amerikanischen Hochschuldozenten, das Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger für Furore in Nerdkreisen gesorgt hat. Der Autor zog in seinem ehrgeizigen Projekt scheinbar Parallelen zwischen den Erkenntnissen der Logik der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, den Bildern eines surrealistischen Malers und Bachs Musik. Dabei stieß er auf Regelmäßigkeiten, die er unter dem Überbegriff "seltsame Schleifen" als grundlegend bzw. mitverantwortlich für die Entstehung von Intelligenz - natürlicher wie künstlicher - ansah. Verständlich, daß das Buch bei seiner Veröffentlichung reißenden Absatz fand und eine breite Diskussion auslöste, denn so etwas hatte es zuvor noch nicht gegeben. Unterschiedliche wissenschaftliche Gebiete wurden auf für Laien verständliche Weise vermengt und dabei Thesen produziert, die den ungenannten Gefühlen in den Herzen vieler Beteiligter der aufkommenden Computerkultur einen Namen gaben.

Das Buch beginnt mit ausführlichen Einleitungen, erst kommt ein Fremdautor zu Wort, dann schließt sich ein Vorwort von Hofstadter an, dann eine "Übersicht", in der die einzelnen Kapitel mit kurzen Zusammenfassungen aufgelistet werden, dann Danksagungen. Vor dem eigentlichen Anfang von GEB stehen also schon knapp 50 Seiten zu Buche, früh keimt der Eindruck, daß sich hier jemand nicht von überflüssigem Text hat trennen können. Durch das ausufernde Präludium wird eine extreme Erwartungshaltung geschürt: beim Ausmaß des getriebenen Aufwandes muß ja geradezu etwas Bedeutungsvolles, etwas Großes folgen.
Methodologisch wie in einem Standardwerk präsentiert Hofstadter zu Beginn die Lebensläufe der Namensgeber Gödel, Escher und Bach. Sofort fällt auf, wie der Autor um Auflockerung und Komik bemüht ist, was sich beispielsweise in den schlagwortartigen Absatzüberschriften niederschlägt, eine Praxis, die mir aus irgendeinem Grunde "US-typisch" vorkommt. Krampfhaft wird versucht, mit Komik Interesse beim "unbedarften Leser" zu wecken, den ein trockener Stil ja abgeschrecken würde. Meistens kombiniert der Autor in diesen Überschriften zwei Dinge, die augescheinlich nichts miteinander zu tun haben, mit einem "und" und läßt das so stehen, sogenannte Zwillingsformeln. "Der Paranoiker und das Betriebssystem", "Repräsentierbarkeit und Kühlschränke", "Zwischenstufen und das Wetter" sind Beispiele einer Witzigkeit, die aus jeder Seite trieft. Hofstadter muß sich sehr unsicher über den Erfolg seines Textes gewesen sein, anders kann ich mir diesen quälend aufgesetzt wirkenden Humor nicht erklären.

Abgesehen von diesem negativen Beigeschmack bietet das Thema durchaus Spannung und neue Denkansätze, was das Lesen durch die ersten Kapitel beflügelt. Hier sind zwei Zitate der ersten Seiten, die mir gefallen haben:
„Eigentlich bildet Gödels Werk nur einen Teil der lange andauernden Bemühungen der Mathematiker, sich darüber klar zu werden, was Beweise sind.“
„Und eine einzige grundsätzliche Methode funktionierte für jedes einzelne System. Kurz, Gödel zeigte, dass Beweisbarkeit ein schwächerer Begriff ist als Wahrheit, unabhängig davon, um welches axiomatische System es sich handelt.“

Doch auch diesen Schwung bremst der Autor nach vier, spätestens fünf Kapiteln schließlich aus durch seine ungeheure, beispiellose Geschwätzigkeit. Sachverhalte, deren Erklärung vielleicht ein paar Zeilen benötigt hätte, werden unter Verwendung von Umgangssprache und nachdenklichem Monolog auf mehrere Seiten ausgewalzt. Dazu kommen ständige Wiederholungen. Hofstädter liebt seinen Text, das wird sonnenklar. Spätestens im Nachwort, in der er die Veröffentlichungsgeschichte seines Buches kommentiert und dabei bemerkt, daß er nie Veränderungen am Text zugelassen hat. Nicht, als seine Thesen von der Zeit überholt wurden, nicht, als sich manche Voraussagen als unzutreffend erwiesen und (das schreibt er allerdings nicht explizit) auch nicht, als Lektoren gerne die Hälfte des Buches aufgrund von Redundanz gestrichen hätten. Die verwendete Sprache strotzt vor Füllwörtern, Wendungen, Floskeln. Jeder dritte Satz beginnt mit "Sehen wir mal, wie ... ", "Betrachten wir ... ", "möchte ich", "will ich", "wollen wir", oder rhetorischen Fragen wie "Wie funktioniert das?", "Was, ach so! So läuft das nicht?". Gerne nimmt Hofstadter dabei die Perspektive des Lesers ein, des vermeinlich Unwissenden, und stellt naive Fragen zu offenkundigen Dingen, um sich dann wieder seitenlang in deren Beantwortung zu ergehen.
Doch das Schlimmste habe ich noch gar nicht erwähnt: Die unsäglichen Zwischenspiele. Zwischen jedes Kapitel setzt der Autor einen "Dialog", in dem er in platonischer Tradition verschiedene Charaktere zu Wort kommen läßt, die den Inhalt des folgenden Kapitels in Praxis "verdeutlichen" sollen. Diese Dialoge sind dann dermaßen flach, unglaubwürdig und wiederum mit einem Holzhammerhumor versehen, daß bei mir bereits nach dem zweiten Dialog ein großer Widerwille aufkam, weiterzulesen. In den Dialogen treten lustige Personen auf, Achilles, Herr Schildkröte, Ameisenbär etc., alles herrlich verschroben und vom Autor auf so geniale Weise in Szene gesetzt. Geht es beispielsweise um einen musikalischen Krebs, tritt - potztausend - ein Herr Krebs auf und Hofstadter schreibt den kompletten Dialog in Krebsform - Wahnsinn! Köstlich, erfrischend etc.

Ich habe das Buch trotz meines Mißfallens zu Ende gelesen, auch wenn es spätestens ab der zweiten Hälfte aus den oben genannten Gründen ein schwerer Kampf war, aber ich hoffte, daß zu den anfangs wie gesagt durchaus vorhandenen Denkanstößen und neuen Sichtweisen noch einige weitere hinzukommen würden. Doch leider verliert sich der Autor besonders gegen Ende immer mehr in einem Spiegelkabinett von immer neuen Spiegeln, ohne Konkretes bieten zu können. Er verfängt sich, gerät auf sein eigenes Möbiusband, eine eigene seltsame Schleife, eine Meta-seltsame Schleife, die den Autor und sein Buch umfaßt.
Insgesamt ist das Buch zäh und langweilig, einfach weil Hofstadter bei der Bearbeitung seines eigentlich tollen, interessanten Themas zu selbstverliebt vorgeht. Ein belustigt-distanzierter Stil dröhnt aus jeder Zeile und macht das Ganze ein kleines bisschen widerlich. Teilweise sind erhellende Abschnitte zu finden, jedoch rar gesät. Dies sind die löblichen Ausnahmen, die dann aber auch nicht klug zu Ende gedacht, sondern verwässert, bis zur Unkenntlichkeit verdünnt werden und für die es sich nicht lohnt, ein Buch, das sich selbst viel zu wichtig nimmt, zu lesen.

Settesoli Nero d'Avola IGT 2009

Meine erste Weinverkostung. Beim Wein werde ich mich auf deskriptive Notizen beschränken und nicht werten, denn dafür fehlt mir einfach die Erfahrung und auch der Ehrgeiz, den ich bereits an den Whisky verloren habe. Niemals könnte ich einen Wein aufgrund seines Geschmackes einer Region zuorten, so etwas wird man in diesem Blog nicht finden. Es sind eher Notizen eines Weinamateurs, der erzählt, wie ein Wein auf seine jungfräulichen, von ausuferndem Hintergrundwissen noch verschonten Geschmacksnerven wirkt.

Der Settesoli ist einer der Rotweine, die ich vom 2010er Sizilienurlaub mitbrachte. Ich glaube, es war einer der günstigeren. Natürlich Nero d'Avola. Das Bukett ist zurückhaltend, deutet fruchtig-frische Noten lediglich an. Im Geschmack kräftige Bitterkeit, säuerlich, mit kräftig fruchtig alkoholischem Korpus. Die Zungenspitze wird gekitzelt, wird warm. Auch im Abgang dominieren Gerbstoffe. Etwas einseitiger Gesamteindruck. Ließ sich wegen seiner frischen Fruchtigkeit über drei Tage dennoch gut trinken.

Sonntag, 20. März 2011

Spin - Robert Charles Wilson

Die liebe Science Fiction reizt mich immer wieder. Hat sich der Mann von Welt mittlerweile an die edlen Manieren arrivierter Salondamen gewöhnt, hat die Runden in edler Gesellschaft kennen- und schätzen gelernt und möchte sie nicht mehr missen, reicht doch ein einzelner kesser Augenaufschlag der grell geschminkten, draufgängerischen Jugendliebe aus, ihn regelmäßig um den Verstand zu bringen. Dann kann er nicht anders, als ihr nachzugeben – der Genreliteratur.
Generell stehe ich der Science Fiction achtungsvoll gegenüber. Ich nähere mich jedem neuen Buch mit freudiger Erwartung, sind doch einige meiner liebsten Büchererinnerungen mit diesem Genre verknüpft, siehe auch meinen Bericht zu Neuromancer. Bei der Akquise neuen Materials orientiere ich mich gelegentlich an den renommierten Preisen, die auf diesem Gebiet vergeben werden, den Hugo- und Nebula Awards. Ein seinerzeit, um 2005, vielbesprochener Hugo-Gewinner war „Spin“ von Robert Charles Wilson, auf Amazon kostete es gebraucht gerade einen Cent, also schlug ich zu. Über den Inhalt wußte ich nichts.

Der Roman war in zwei Tagen gelesen, Wilson schreibt sehr süffig, wie es in der Belletristik heutzutage üblich ist. Der Aufhänger ist sehr interessant: die Erde wird durch eine Membran vom Rest des Universums isoliert. Die Membran stellt eine Zeitgrenze dar, d.h. ein Erdenjahr entspricht 100 Millionen Jahren drumherum. Daraus ergeben sich ein paar lustige Möglichkeiten, mit denen Wilson auch genußvoll herumspielt.
Schon an meiner Wortwahl kann man erkennen, daß ich diesen Weltentwurf nicht ganz ernst nehmen und mich deshalb auch nur mäßig in die Idee investieren konnte. Natürlich hat sich der Autor Mühe gegeben, hat alles physikalisch plausibel ausgearbeitet (soweit das möglich ist), aber das gesamte Konstrukt erscheint einfach viel zu theoretisch und unwahrscheinlich bzw. es wurde nicht genügend auf die Urteilskraft des Leser geachtet. Die Glaubwürdigkeit fehlt, was eine Todsünde für eine SciFi-Geschichte darstellt. Es ergeben sich zudem keinerlei Konsequenzen für die reale Welt, man kann aus der Story nichts lernen, es gibt keinen Aha-Effekt. Von einem Hugo-Gewinner erwarte ich mir mehr als nur seichte Unterhaltung.
Ja, seicht, denn abseits der Hard-SF-Grundidee und –Ausarbeitung dreht sich die Geschichte vor allem um die Liebe der Hauptperson zu einer unsäglich dummen Frau, die lange nicht erfüllt wird, am Ende dann aber doch. Diese unerfüllte Liebe ist der rote Faden, um den die Verwicklungen des Spins ablaufen und geschildert werden. Der Autor scheint sich sklavisch an die Standardrezeptur für erfolgreiche Romane gehalten zu haben. Protagonist, sympathisch, leicht zynisch, sehr menschlich. Ein hyperintelligenter Sidekick mit pathologischen Charakterzügen. Ein love interest, wunderbare Frau etc., die die Liebe des Protagonisten eigentlich erwidern möchte, dies aber aus unerklärlichen Gründen nicht tut. Ohne die Geschehnisse um den Spin, die nicht viel vom Inhalt ausmachen, wäre dies eine 08/15-Seifenoper, vielleicht sogar ein klassischer Arztroman.
Man muß zugestehen, daß Wilson für einen SciFi-Autor seinen Charakteren viel Platz einräumt, versucht, sie glaubwürdig auszugestalten und mit Ecken und Kanten zu versehen. Das klappt auch ganz gut, nur landen diese Charaktere dann in einer dermaßen banalen Liebesgeschichte, daß er auf diese sorgfältige Ausarbeitung auch hätte verzichten können.
Handwerklich ist der Roman gut geschrieben. Es gibt keine Ausschweifungen, ständig besteht ein gewisser Drang, weiterzulesen, man möchte hinter das Geheimnis des Spin kommen, man möchte erfahren, welche Auflösung sich der Autor für seine lustige Idee ausgedacht hat. Als störend empfand ich den auch hier zu beobachtenden Trend, mehrere Handlungsstränge im Wechsel zu erzählen, dem Leser dabei Rätsel vor die Füße zu spucken und deren Auflösung weit nach hinten hinauszuschieben. Allerdings hält sich dieses Problem bei Spin in Grenzen. Hier spielen auch einmal mehrere Kapitel hintereinander am gleichen Schauplatz, es herrscht kein Zwang zur Sprunghaftigkeit wie anderswo.

Tja, leider war ich von Spin ein wenig enttäuscht. Ein gut geschriebener, routinierter Roman, der sehr in Richtung Seifenoper tendiert und seinen „Science“-Anteil unglaubwürdig präsentiert. Erhellendes, Erhebendes sucht man hier lange. Kurzweilige Unterhaltung ohne viel Tiefgang wird man finden.