Donnerstag, 9. Dezember 2010

William Gibson - Neuromancer, Biochips, Mona Lisa Overdrive

Knapp fünfzehn Jahre ist es her, daß ich die berühmte Neuromancer-Trilogie zum ersten Mal gelesen habe. Von damals sind mir kaum noch Eindrücke gegenwärtig, sicher aber ist, daß Begeisterung nicht dazu gehörte. Zu verworren wirkte die Handlung, zu konfus die Neigung des Autors zu allegorischem Sprachgebrauch auf mein geradlinige Geschichten gewohntes Leseverständnis. Ich tat die drei Romane seinerzeit ab als "ganz nett, aber esoterisch überfrachtet, verkopft" und las anderswo weiter. Das gleiche Schicksal teilte die Wüstenplanet-Saga von Herbert, deren Bände zwei bis sechs bei mir Anfang der Neunziger durchfielen. Ein neuerliches Lesen Jahre später ließ mich dann berauscht zurück, beeindruckt vom darin zur Schau gestellten Können, von der glaubwürdigen, lebendigen Welt, und den philosophischen Untertönen. Der Wüstenplanet ist zu einem meiner liebsten Bücher avanciert und wartet seither geduldig auf das nächste Stelldichein.
Eingedenk der Kehrtwende beim Wüstenplaneten suchte ich den Neuromancer nun noch einmal aus dem Schrank, um auch diesem Klassiker eine zweite Chance zu geben. Die Reihe ist unterteilt in drei Romane, die einzeln besprochen werden sollen.

Neuromancer (1984)
William Gibson hat ein Werk geschaffen, das das Genre auf Dauer prägen sollte. Ob es vor dem Neuromancer bereits Bücher gab, die in einer dystop angesiedelten Zukunft einen Cyberspace ins Spiel brachten, ist egal, denn dieses Buch ist als einziges so populär geworden, daß sich seine Inhalte, sein Stil und seine Philosophie weltweit verbreiten und auf ewig Eingang in die Populärkultur finden konnten. Das Zitat auf dem Klappentext "William Gibson hat mit diesem Roman die Welt verändert" ist nur zum Teil übertrieben, denn wohin wir in der modernen Medienlandschaft auch schauen, überall erscheinen Spuren, die sich hierher zurückverfolgen lassen.

Der Inhalt ist flach und schnell erzählt. Zukunft, alles düster und dreckig, Megastädte, Korruption, Dekadenz. Ein allumfassendes Datennetz, der Cyberspace, an das sich die Nutzer mittels implantierter Ports andocken, verbindet die Welt (das Buch wurde 1984 geschrieben). Ein abgehalfterter Hacker wird beauftragt, ein hochgesichertes Terminal eines orbitalen Anwesens zu knacken und einen Code hochzuladen. Im Wesentlichen dreht sich der Roman um die Vorbereitungen zu diesem Einbruch. Am Ende gelingt das Vorhaben. Wie sich herausstellt, befreit der Code die beiden dort ansässigen KIs von ihren Fesseln, sodaß sie verschmelzen können. Von den Folgeereignissen erfährt der Leser nur soviel, daß das Produkt der Verschmelzung im Cyberspace Allmacht zu genießen scheint und höhere Ziele anstrebt.

Gibsons Welt hat in der SF Maßstäbe gesetzt. Das Dystopische, Technokratische, Dekadente, Bedrückende, und Einflüsse fernöstlicher Kultur ziehen sich wie ein roter Faden durch die Trilogie und haben zuhauf Nachahmer gefunden. Ein ähnlicher Effekt wie der, den der Herr der Ringe auf die Fantasyliteratur hatte. Über alle drei Bücher hinweg herrscht eine düsterromantische Stimmung der Verlorenheit, des Ausgeliefertseins. Beispielhaft der erste Satz des Romans: "Der Himmel über dem Hafen hatte die Farbe eines Fernsehers, der auf einen toten Kanal geschaltet war." Natürlich stopft Gibson seine Geschichten mit Technik voll. Technik führt zum Untergang. Das ist eine seiner Kernaussagen.

Bricht man das Buch auf den kleinsten Nenner herunter, erhält man eine Einbrechergeschichte. Eine flotte Einbrechergeschichte, die mit modernen Begriffen hantiert und stellenweise überrascht, aber eben nicht mehr. Kein Tiefsinn, nichts Religiöses, keine Ontologie. Aber eine interessante Geschichte, die ihre Rätsel geschickt stellt und deren Auflösung, so sie überhaupt kommt, gekonnt hinauszögert. Und als Schauplatz dieser Geschichte wurde eine Welt erschaffen, die prophetisches Potential aufweist, das darf man nicht vergessen. Im Jahr 1984 geschrieben, trifft das Buch Voraussagen, die auf die heutige Welt bereits zutreffen. Und es ist denkbar, daß weitere noch zutreffen werden. Vielleicht wirken sie noch überspitzt, die Konsumfixierung, die korrupten Riesenfirmen, die Multis, die die Regierungen kontrollieren. Sieht man sich aber um und überlegt, welche Konsequenzen die immer weiter zunehmende Medialisierung, die Vernetzung, die immer extremere Konsumorientierung, die Allmacht des Geldes künftig haben könnten, so ist Gibsons Welt als eine der Möglichkeiten nicht von der Hand zu weisen.

Neuromancer ist Gibsons erster Roman. Das merkt man. Besonders im Vergleich zum nächsten, Biochips, fällt auf, daß der Autor hier noch nicht so stromlinienförmig gewieft auf das Ziel hinschreibt. Man merkt, daß er an der Geschichte lange gefeilt hat, es sind viele Abruptheiten drin, viele Wechsel innerhalb eines Kapitels, Schnörkel, die späteren verschwinden. Das sind durchaus Schwächen. Als Auftakt einer bahnbrechenden Trilogie gehört das Buch jedoch schlicht zum Kanon der SF-Literatur.

Biochips (1986)
Kommen wir zum besten Teil der Trilogie. Im Original hintergründig "Count Zero" betitelt, fällt der deutsche Titel flach wie ein Brett. Ja, es geht um Biochips, das stimmt. Biochips sind die neueste Errungenschaft eines Multis (Maas-Biotek, herrlich), Kreuzungen organischer und künstlicher Hardware mit sagenhaften Fähigkeiten. Die Geschichte spielt ein paar Jahre nach den Ereignissen aus "Neuromancer".
Gibson beherrscht jetzt sein Handwerk. Was er hier hingezaubert hat, ist ein Gassenhauer in Stromlinienform, perfekt durchgestylt, handwerklich ausgewogen, ausbalanciert, gut abgehangen und abgetropft. Kein Wort zuviel, keine Schnörkel, einfach nur Gas, Gas, Gas. Kurz vorweg: Es ist ein actiongeladener Text. Die Steigerung bis zum Machbaren dessen, was der erste Roman sein wollte. Keine Philosophiestunde, sondern hochvirtuose Spannung mit einem Hauch von Geisteskost für die anspruchsvollen Leser. Wie hier drei Handlungsstränge aufgebaut und schließlich verwoben werden, kann als Musterbeispiel für angehende Unterhaltungsromanautoren angesehen werden.

Die Handlung: Ein schwerreicher Industrieller erteilt einer Kunsthistorikerin den Auftrag, die Herkunft bestimmter in der Kunstwelt zirkulierender atemberaubender Kästen zu klären. Ein Söldner wird in ein Team rekrutiert, das die "Abwerbung" eines Topwissenschaftlers vom einen Multi zum anderen planen und durchführen soll. Ein unbegabter Hacker namens "Count Zero" kommt im Cyberspace fast um und wird durch die seltsame Nahtoderfahrung in den Strudel der Ereignisse gezogen.
Heraus kommt, daß die Über-KI vom Ende des ersten Teils sich zwischenzeitlich aufgespalten und multiple Persönlichkeiten entwickelt hat. Im Geheimen hat sie entscheidend zur Entwicklung der Biochips beigetragen und mit den verantwortlichen Forschern einen teuflischen Pakt geschmiedet. Der Hacker Bobby wird auf geheimnisvolle Weise gerettet und durchlebt seine eigene Odysee, bis er schließlich gegen Ende im Rahmen eins "Count Zero Interrupts" eingreift und die Handlung auf den Kopf stellt. Dabei werden die Bösen handstreichartig hinweggefegt und die noch verbleibenden Bedrohungen aus dem Weg geräumt.
Über die Ziele der Super-KI erfährt man wieder etwas mehr, aber viele Fragen bleiben weiter offen bzw. werden neu gestellt. Warum die Biochips primär entwickelt und schließlich auch angewendet wurden, wird nicht klar, und erst zum Ende des dritten Buches ist zu ahnen, daß der Menschheit eine größere Veränderung bevorsteht.

Die dystope Atmosphäre bleibt im zweiten Teil natürlich bestehen. Nicht alles spielt sich mehr in Großstädten ab, auch über Land geht es nun, aber dort ist ebenfalls keine heile Welt. Allerdings existieren Oasen der Technikfreiheit.
Neu sind die Anklänge an Ästhetik und Bedeutung von Leben und Kunst, die besonders im Handlungsstrang der Kästen durchscheinen. Die Geist der untergegangenen Familie, die die KIs gebaut hatte, lebt weiter in Schnipseln und Bruchstücken, die von einem anderen Bruchstück zu Neuem zusammengesetzt werden. Kunst, die in ihrer Einfachheit die Menschen so anrührt, daß einer sogar glaubt, darin das Geheimnis des ewigen Lebens zu erkennen. Der ewige Kreislauf. Wie heißt es noch im Buch? "Gott führt gerne Selbstgespräche."

Die Konstruktion, das Tempo und der Sprachstil unterscheiden sich wesentlich vom ersten Teil. Wie schon ausgeführt, wirkt hier alles wie von Meisterhand geplant und umgesetzt. Es paßt alles. Atemlos wird der Leser von Absatz zu Absatz gehetzt, es gibt keine Ruhe, bis die letzte Seite gefressen ist. Eine Prophetie in Stakkato. Und natürlich ist es nicht einfach nur eine gut erzählte Geschichte, sonst wäre die Begeisterung schon nach der Veröffentlichung schnell wieder verflogen, nein, die eigentümliche Welt und die nach und nach sich entschlüsselnde Philosophie ziehen immer wieder neue Leser in ihren Bann. Freilich, einfach gutes Autorenhandwerk, aber so perfekt muß man erst mal tarieren können, gerade genug Informationen geben, und gerade nur soviel, daß ein Mythos entsteht. Ja, ein Mythos. Das ist der Trick, um über so viele Jahre interessant zu bleiben. Die letzten Rätsel dürfen nicht geklärt werden

Mona Lisa Overdrive (1988)
Der Abschluß der Saga. Eine Story ist eigentlich nicht vorhanden. Zwar gibt es nun sogar vier Handlungsstränge, passieren tut aber fast nichts. Es ist damit ein völlig anderes Buch als "Biochips", das Erzähltempo ist vergleichsweise langsam, viel Zeit wird auf die Charaktere verwendet, die dennoch blaß bleiben. Am Ende kommt es zu einer Antiklimax, offene Fragen werden nicht beantwortet, statt dessen kommt viel Esoterik ins Spiel, die mir nicht so ganz in die bis dato sorgfältig aufgebaute Welt passen will.
Eine Person aus dem zweiten Teil ist eine Weltberühmtheit geworden, sie unterdrückt die Fähigkeiten ihrer implantierten Biochips mittels Drogen. Bobby, der Hacker, hat sich selbst in ein künstliches Koma versetzt und herrscht über ein eigenes Reich, einer Kopie des Cyberspace, die in einem Kasten über seinem Bett gespeichert ist. Eine Söldnerin soll die Berühmtheit entführen, zieht aber ihr eigenes Ding durch. Ein Haufen Aussteiger paßt auf den komatösen Bobby auf und merkt, daß dessen Kasten etwas Besonderes ist. Am Ende vereinen sich Mädchen und Bobby im Kasten, während ihre Körper sterben, die Söldnerin hat ihr Ziel erreicht und ihre Strafakte gesäubert und die überlebenden Aussteiger werden ebenfalls vom Schicksal belohnt. Das letzte Kapitel der Saga bringt das Thema der außerirdischen KIs neu auf, läßt den Leser über die konkreten Ziele der Erd-KI, insbesondere, was diese mit der Menschheit vorhat, aber im Dunkeln.

Man kann diesen Teil als ein Buch darüber lesen, daß das Schicksal unabänderlich ist, und daß bestimmte Fragen im Leben unbeantwortet bleiben. Daß man keine Kontrolle über die Geschehnisse hat und auch nicht weiß, warum das so ist. Daß alles im Fluß ist und die Richtung des Flusses nicht bekannt. Weder den Kleinen, noch den Mächtigen.
Es gibt in "Mona Lisa Overdrive" drei Arten von Personen: Die Suchenden (Bobby, Gentry) opfern ihr Leben den Fragen, die sie beschäftigen. Ob sie Erlösung finden, ist äußerst zweifelhaft. Die Unberührten (Sally, Cherry, Slick) ziehen ihr Ding durch, versuchen zu überleben, kümmern sich um nichts sonst. Und dann die Unschuldigen (Mona, Kumiko), von der Handlung hin- und hergetrieben, ohne zu verstehen, was passiert, machtlos. Daß eine dieser Unschuldigen Namensgeberin für den Roman ist, sagt einiges. Mona ist nicht mehr als ein Spielstein, sie wird herumgeschoben, für bestimmte Zwecke eingesetzt und am Ende wird sie der neue Weltstar, ohne zu wissen, warum. Spielt auch keine Rolle, wie die Reaktion ihres neuen "Sekretärs" zeigt, der einfach auf der Suche nach jemandem mit dem passenden Äußeren ist.
Interessant finde ich den Kumiko-Strang. Das Mädchen hat keinen Einfluß auf den Handlungsfortgang, an keiner Stelle, dennoch räumt ihr der Autor einen Großteil der Seiten ein. Sie fungiert als Beobachterin, als Abbild des Lesers. Ihr werden Dinge erklärt. Auch sie treibt durch die Geschichte, weiß nicht recht, wie ihr geschieht und kann ihr Schicksal nicht ändern.

Das Ende zu interpretieren ist nicht einfach. Das ist auch so beabsichtigt. Schließlich darf es keine Möglichkeit einer schlüssigen Interpretation geben, denn dann wäre einerseits der erwähnte Mythos gefährdet und andererseits würde völlige Klarheit die Grundaussage von "Mona Lisa Overdrive" verwässern, nach der so etwas nicht existiert.
Die Geister von Tochter und Bobby gehen im Kasten auf, die Körper der beiden sterben, aber Sterben ist nicht gleich Sterben, im Kasten existieren sie fort und haben Zugang zum Cyberspace, obwohl der Kasten keine physische Verbindung besitzt. Sie scheinen sich mit der Super-KI zu vereinigen und gemeinsam die anderen KIs zu kontaktieren. Die letzten Zeilen des Romans, in denen die beiden mit den Worten gelockt werden, daß diese Reise ins Fremde in "Nullkommanichts" vorüber sei, scheint ein Hohn auf die ewige Sinnsuche zu sein, auf die Suche nach den allerletzten Antworten, sowohl im Leben als auch im Roman. Ein geniales Ende.

"Neuromancer" ist das Gesellenstück, etwas holprig und stoppelig geschrieben, aber schillernd und spühend mit neuartigen Einfällen und einer beeindruckend atmosphärischen Welt. Im Kern eine Einbruchsstory, die allerdings einen mythischen Überbau erahnen läßt.
"Biochips" ist Gibsonsche Inspiration vermengt mit professioneller Erzählkunst. Ein fesselndes Spannungsfeuerwerk baut die aus Teil Eins bekannte Welt aus und fügt dem Mythos neue Aspekte hinzu, und läßt den Leser am Ende hungrig auf Antworten, die er zwar ahnen, aber noch nicht richtig fassen kann.
"Mona Lisa Overdrive" ist die Umkehr. Hier werden keine Fragen beantwortet, es geschieht fast nichts, und diese Inhaltslosigkeit wird geradezu zelebriert. Dadurch bleibt der Leser zunächst unbefriedigt, nach ein wenig Beschäftigung mit der Materie dringt allerdings der Eindruck eines stimmigen, ruhigen und so nicht erwarteten, unkonventionellen Abschlusses durch.

Drei völlig unterschiedliche Bücher also. Der Vergleich mit der  "Alien"-Reihe lieg nahe. Auch dort ist der erste Film ein atmosphäredichter, aber naiver und etwas mühevoller Auftakt, der zweite Film ein perfektes Actiongeschoß, und der dritte ein unerwartet träger, behutsamer Ausklang, der auf seine eigene Art zu faszinieren weiß.

Samstag, 20. November 2010

Clynelish 19J Signatory Vintage & 12J Murray McDavid

Den 19-jährigen Clynelish von Signatory habe ich hier schon verkostet, allerdings mit der alten Wertungsskala. Außerdem war es damals einer meiner ersten Whiskies und die Begeisterung über das "hohe Alter" noch groß, weswegen ich ihn neu einordnen möchte. Zum Vergleich startet ein Clynelish von Murray McDavid, der 12 Jahre in Bourbon- und PX-Fässern reifte.

Clynelish 1990-2009 19J Signatory Vintage sherry butt
Aroma: Sehr, sehr starker, süßlich aufdringlicher, fast stechender Weißweingeruch. Dazu Zitrusdüfte, Gras. Schwach Traubenschokolade, Salz. Ich finde das Aroma unausgewogen, zu sehr riecht es nach Wein, ja ginge man nur vom Aroma aus, könnte man fast meinen, hier sei Whisky mit Weißwein gemischt worden. Dennoch natürlich nicht uninteressant.
Geschmack: Sofort Weißwein, wenig Holz. Fruchtige Süße. Ganz schwach Gewürze an der Zungenspitze, ein Hauch von Salz und Meer.Ganz angenehm. Der Abgang ist wirklich gut, bringt schöne Holz- und Weißweinaromen, die dezent im Mund verbleiben.
Fazit: Ich muß meine Bewertung von damals leider revidieren, der 19J fällt jetzt schwächer aus. Zu aufdringlich ist der Weißweingeruch, zu einseitig dadurch das Bukett. Im Geschmack und besonders im Abgang macht der Signatory zwar einiges wieder gut, aber zu den besten kann er damit schon nicht mehr gehören. Wer einmal intensivsten Weißwein in einem Whisky kennenlernen möchte, ist hiermit gut bedient. Für mich jedoch zu unausgewogen.
SGP 540, 76 Punkte, Platz 2

Clynelish 1994-2007 12J Murray McDavid bourbon/PX
Aroma: Von weitem intensiver Sherry. Mit der Nase drin dann säuerliche (Rot-)Weinnoten, deutlich Holz, Sherry. Ein viel erdigeres, "reiferes" Aroma als das des Signatory. Später noch Vanille, Orangen, vielleicht Meeresluft. Riecht weihnachtlich.
Geschmack: Die ersten Momente sind etwas sauer, bis sich Faßnoten aufdrängen, die von vollen, schweren, süßen Rotweintönen begleitet werden. Kräftig. Abgang mit viel Holz und Rotwein. Durchaus ein Genuß.
Fazit: Deutlich besser als der Signatory. Auswogenes Bukett, das dennoch stark sherrylastig daherkommt, aber den Koster eben nicht überrollt. Ein sehr angenehmer, heimeliger Duft, man fühlt sich ans Kaminfeuer versetzt, vielleicht zu Weihnachten. Der Geschmack leistet sich keine Schwächen, bietet feine Säure, Faßcharakter und Sherry und läßt die Sinne zwischen diesen Noten schwingen. Der Abgang ist, genau wie der Mund, sehr kräftig und hinterläßt ein schönes Weinfaßaroma. Ein gelungener Whisky! Allerdings, soweit ich mich an den originalen Clynelish erinnern kann, hat dieser Murray McDavid nicht mehr viel mit ihm gemein.
SGP 640, 82 Punkte, Platz 1

Update: Ich habe jetzt länger nachgedacht, was mir an diesen beiden Whiskys nicht mehr so gut gefällt und bin schließlich zu einem Schluß gekommen: Beide tragen einfach zu dick auf. Denkt euch einen dezenten, stilvollen Charakterwhisky, der mit all seinen Facetten glänzt und so richtig schön ausgewogen ist und legt dann ein starkes Fremdaroma darüber, das mit dem ursprünglichen Whisky nichts zu tun hat. Und vielleicht etwas weniger schlimm als das klingt, ist es nun bei den beiden Clynelishs. Klar, anhand der Wertungen kann man sehen, daß die beiden mir immer noch gut schmecken, aber es sind einfach keine tollen Whiskies geworden. Die Abfüller sind über ihr Ziel hinausgeschossen.
Schlußendlich glaube ich, über dieses Tasting erkannt zu haben, daß ich kein Anhänger von intensiv geschmacksverändernden Finishes bin oder werde, sondern mir die Puristen näher sind, die allzu extreme Experimente skeptisch sehen.

Drei Blends

VAT 69 43%
Aroma: Mal wieder sehr süß, überreife Pflaumen, trockene, eingemachte Früchte. Ich frage mich, ob diese extreme Süße bei den vielen Blendminiaturen vielleicht auch durch das lange Stehen und die Alkoholverdunstung entstanden ist? Schon merkwürdig. Außer der Süße kommt nicht viel, vielleicht etwas Holz, frisches Gras, Weißwein. Schön: Weich, keine Blendschärfe, die Nase kann lange verbleiben. Angenehmer, ultrasüßer Duft.
Geschmack: Deutliche Blendschärfe, an die sich eine mäßige Malzsüße sowie angedeutet frische, blumige Noten anschließen. Mir wieder mal zu scharf und zu wenig vielseitig. Im Abgang wenig Bitterkeit, keine Überraschungen.
Fazit: Ein Blend mit angenehmem, aber einseitigem Aroma und gewöhnlichem Geschmack. Nichts, was man unbedingt mal probiert haben müßte. Wenig Bitterkeit, deswegen ganz ok zu trinken.
SGP 420, 62 Punkte, Platz 2

Dewar's White Label
Aroma: Kaum Süße. Hier stehen grasige Noten im Vordergrund, das Aroma bleibt insgesamt dezent und uninteressant, viel herausriechen läßt sich nicht.
Geschmack: Starke Blendschärfe. Zwar mag ich diesen Aspekt des Blendcharakters überhaupt nicht, manchmal enstehen aber dennoch interessante Kompositionen. Beim VAT ist das der Fall. Besagte Schärfe wird schnell ergänzt durch zarte Honigsüße, dann eine säuerliche Süße, die Frische ins Spiel bringt. Im Abgang stellt sich dann die volle Grainbitterkeit ein, nimmt die Zunge gefangen und treibt ihr die anderen Sperenzchen aus. Am Ende bleibt der Eindruck eines netten, aber sehr bitteren Blends.
Fazit: Ein Blend, der durchausmal ein paar Nuancen zu bieten hat, das wertet ihn auf. Allerdings ist er wirklich übel bitter, und das trifft meinen Geschmack nicht. Für Blendtrinker aber sicher mal eine Alternative.
SGP 330, 60 Punkte, Platz 3

Holt's Buff Label 40%
Aroma: Auch hier die schwere, überreife Pflaumensüße: Der Grain schiebt sich ein wenig in den Vordergrund, wird aber nicht unangenehm. Im Vergleich zum VAT ist die Süße weniger alt-fruchtig, sondern frisch-grasiger, dadurch für mich noch wohlriechender. Beim erneuten Riechen kommen Assoziationen von Toffees, Karamel, Süßigkeiten.
Geschmack: Scharf, scharf. Ach, diese Blends. Zum Glück bleibt die Schärfe nicht so lange. Danach Malz, wenig Holz. Der Abgang ist angenehm, aber nichtssagend
Fazit: Das beste Aroma, ein glatter, unauffälliger Geschmack, der nicht stört. Von diesen dreien also der beste Whisky. Der Dewar's mit seinem wilden Grain hat zwar interessantere Nuancen, verschreckt aber mit krasser Bitterkeit.
SGP 410, 63 Punkte, Platz 1

Mittwoch, 17. November 2010

Lagavulin 16 vs. Lagavulin DE 1993

Ein sehr berühmter und beliebter Whisky, den ich hier vor mir habe. Lange Zeit eher ein Tip für Eingeweihte, hat sich der markante Islay mittlerweile zu einem Gassenhauer entwickelt, was sogar vorübergehende Lieferengpässe mit sich brachte. Er ist der meistverkaufte Whisky der Classic-Malt-Serie von Diageo und es gibt kaum einen deutschen Whiskytrinker, der ihn nicht schon probiert hat. Doch hält er, was sein Ruf verspricht?

Zur besseren Vergleichbarkeit lasse ich ihn gegen seinen Bruder, die Distillers Edition von 1993 antreten, die ich hier schon verkostet habe, allerdings noch mit dem alten Bewertungssystem.

Lagavulin 16 Jahre
Aroma: Bereits von weitem schlägt einem Rauch entgegen, von Sherrynoten unterlegt. Den Rauch kann man ausformulieren wie man will: Lagerfeuer, Lachs, Öl, Schinken, alles ist möglich. Der Sherry allerdings ist manifest und eindeutig, liegt wie ein Samtpolster unter dem rohen Rauch. Wenn sich die Nase an den Rauch gewöhnt hat, offenbaren sich Salz, Meer, trockene Früchte, und eine recht direkte, trockene Würze. Ein sehr weiches Raucharoma, das die Nase nicht überfordert, und freigiebig die Hosen herunterläßt. Mit jedem Riechen finde ich mehr und mehr, daß hier eine große Ausgewogenheit (mit leichtem Rauchübergewicht) herrscht.
Geschmack: Starke Holznoten, unterlegt vom säuerlichen Rauch. Dahinter zurückhaltende Süße, wenig Malz, etwas Sherry. Im Abgang schwelt Rauch und feines Holz, und zwar lange. Ganz am Schluß legt sich eine angenehme Bitterkeit um die Zunge und bleibt dort zusammen mit dem Rauch für eine Ewigkeit. Hier wird einem was geboten fürs Geld!
Fazit: Ein guter Tropfen, der bei mir vor allem mit seinem Duft punktet. Geschmacklich ist er mir etwas zu glatt, bietet da nicht so viel. Ich kann jedoch verstehen, daß er so beliebt ist: Einfach guter Stoff. Eine gelungene Mischung aus sehr herbem Rauch und zartem Sherry.
SGP 248, 84 Punkte

Lagavulin Distillers Edition 1993
Aroma: Der Rauchanteil ist hier viel gedämpfter, dafür tritt der Sherry in den Vordergrund. Wunderbares Bukett! Die restlichen Aromen sind die gleichen: Meer, trockene Früchte, Würze. Und eben viel, viel Sherry. Gute Balance zwischen zartem Rauch, süßem Sherry und wildem Küstenaroma. Nur nicht so kräftig wie der 16-jährige.
Geschmack: Sehr deutlich gleich zu Beginn der süße Sherry, der aber bald vom Feuer des Rauches eingeholt wird. Salz und Küste kommen. Nur wenig Holz. Im Abgang überwiegt die Süße, der Rauch bleibt zart.
Fazit: Schwer zu sagen, welcher von beiden mir besser schmeckt. Beide haben etwas für sich. Der 16-jährige ist wuchtig rauchig, leicht süß und bietet schroffes Küstenaroma. Die Distillers Edition hat viel weniger Rauch, dafür mehr Sherrysüße, der Rest ist der gleiche. Es hängt sehr von der Stimmung ab, mit welchem Lagavulin man gerade besser fährt. Ich denke, daß die DE in mehr Situationen paßt als der 16, aber das soll mein Urteil nicht beeinflussen. Die Whiskys schmecken in dem ihnen gesteckten Rahmen arg unterschiedlich, sind aber gleich gut.
SGP 635, 84 Punkte

Dienstag, 16. November 2010

Balzac - Vater Goriot

Balzac hat viel geschrieben. Sehr viel. Sein Hauptwerk, die unvollendete "menschliche Komödie", umfaßt 91 Romane. "Vater Goriot" gilt als einer der besten davon. Ich habe dieses Buch gewählt, um einen Eindruck von der Welt Balzacs zu bekommen.
Honoré de Balzac ist einer der wichtigsten Autoren Frankreichs. Sein riesiges Werk wird als nicht immer von gutem Niveau beschrieben. Im Gegenteil, man macht ihm durchaus Vorwürfe der Anspruchslosigkeit. Dennoch ist dieses Werk in die Weltliteratur eingegangen, denn es hat so viel zu bieten. Die 91 Romane sind ineinander verwoben, beziehen sich aufeinander, in ihnen spielen die gleichen Charaktere, die Geschichten kreuzen sich. Sie alle zu lesen, ist eine Mammutaufgabe, die wohl nur die wenigsten Menschen angehen werden. Aber man kann sich vorstellen, welch ein Kosmos sich da auftäte. Allein schon die Charaktere - als Balzacs größte Kunst gilt die Konstruktion vielschichtiger Charaktere - und deren Entwicklung über die Jahre und über die wechselhaften Ereignisse der Romane wären die Reise wert. Der Fanatismus, der nötig war, um dieses komplexe Geflecht eines Zyklus zu schaffen, ist kaum vorstellbar.
Aber leider ist der Mensch nicht mit unbegrenzter Zeit gesegnet, also muß weise ausgewählt werden. Und die Wahl fiel auf "Vater Goriot".

Balzac verwendet einen nüchternen Stil, die Sprache typisch für seine Zeit, von Anfang an fühle ich mich an Madame Bovary erinnert. Das Milieu in einer Pariser Absteige wird auf realistische Weise beschrieben, sinnliche Eindrücke fehlen nicht. Es stinkt. Schritt für Schritt führt der Autor seine Personen ein und schickt bereits voraus, daß der Herr Goriot, von dem er spricht, ein großes Unglück erleiden wird.
Bald stellt sich heraus, daß die Hauptfigur eigentlich ein junger, naiver Student namens Rastignac ist, der es sich in den Kopf gesetzt hat, in Paris groß herauszukommen, Zugang zur besseren Gesellschaft zu erhalten. Der ganze Roman dreht sich nun darum, wie Rastignac dies anstellt. Mehr durch Zufall gelingen ihm gewisse Vorhaben, doch die Gesellschaft, nach die er sich sehnte, zeigt sich nach und nach als ebenso verdorben, oder vielleicht noch verdorbener als das einfache Volk. Parallel dazu erleben wir das Schicksal des Namensgebers, des Vaters Goriot. Er hat zwei Töchter, die mit reichen Männern verheiratet sind, ihr ganzes Vermögen aber durch ihren dekadenten Lebenswandel verpraßt haben. Perfide nehmen beide ihren Vater, einen ehemals reichen Fabrikanten, mit einer Mitleidsmasche aus und pressen ihm den letzten Franken ab. Der Vater liebt seine Töchter scheinbar blind und opfert für sie alles, was er hat. Als es ihm immer schlechter geht und er sterben muß, kommen die Töchter nicht an sein Bett, er stirbt in den Armen Rastignacs. Nur einmal, kurz vor seinem Tod, spricht er aus, was er schon immer dachte: daß er seine Töchter für ein verlogenes, wertloses Pack hält. Rastignac ist hin- und hergerissen zwischen den zwei Welten: Ausgerechnet die beiden Töchter haben es ihm angetan, und nachdem er bei der einen abgeblitzt ist, schafft er es, die andere zu erobern. Von ihrer Herzlosigkeit gegenüber ihrem Vater abgeschreckt, scheint er sich am Ende für die "moralischere" Welt der Bürgerlichkeit zu entscheiden, steht Goriot in seinen letzten Stunden bei. Er und ein Studienfreund sind die einzigen, die nach seinem Tod den Trauermarsch bilden, während die eine Tochter mit ihrem Gatten konferiert und die andere noch schläft, beide wollen nicht gestört werden.
Die Geschichte plätscherte bis zum Tode Goriots so vor sich hin, die vielen Kontakte mit den adeligen Damen, die unablässigen Berechnungen der soundsovielen Franken waren recht ermüdend und die große Erleuchtung, die ich mir von dem Text erwartet hatte, war nicht eingetroffen. Ich fand den Roman nicht sonderlich interessant, weder inhaltlich noch sprachlich, wollte aber erfahren, wie es ausgeht.
Wie gesagt, Rastignac ist angewidert von der Herzlosigkeit und Gewinnsucht der Töchter, steht Goriot mit glühendem Eifer und wahrer Liebe in dessen schlimmster Stunde bei. Die Dynamik, wurde mir später klar, war ganz auf diese Szene ausgerichtet. Viele, viele Seiten handelten nur vom Sterben Goriots. Wo vorher noch die Aufs und Abs von Rastignacs Beziehungsklitterei in schneller Folge wogten, kehrte nun Ruhe ein, die bessere Gesellschaft spielte keine Rolle mehr. Besinnung auf das Wichtige, Wahre, Menschliche. Einkehr in sich selbst. Der Friedhof, Abschluß, Stille. Und dann, in den letzten Zeilen, der Paukenschlag, der aus einem passablen Roman einen beeindruckenden machte.

Was bleibt nach dem Lesen? Nimmt man den Roman für sich allein, gelingt Balzac sicher eine gute Milieustudie der entsprechenden Gesellschaftsschichen im Paris des frühen neunzehnten Jahrhunderts. Ich weiß nicht, ob es am Vorwissen durch die Sekundärliteratur liegt, aber auch mir fiel auf, daß es manchmal an der Sprache hapert. Alles wirkt ein bisschen arg einfach heruntererzählt, Ding wird an Ding gereiht, man vermißt eine Art von besonderem Gefühl, das sich bei wirklich guter Literatur einstellt. Der Schluß ist natürlich spektakulär, man kann es nicht anders ausdrücken. Er hebt die ganze Erzählung ein paar Klassen nach oben und setzt auf die ohnehin schon starke Lakonie noch eins drauf. Der Name "Rastignac" wurde durch diesen Roman zu einem geflügelten Wort, in der Literatur und auch außerhalb. Prototypisch werden damit rücksichtslose Emporkömmlinge und Karrierekletterer bezeichnet.
Betrachtet man aber die Tatsache, daß dies ein winziger Ausschnitt aus einem Gesamtwerk ist, das eine riesige Welt kreiert, in der sich die Intrigen und Beziehungen über mehrere Romane erstrecken, dann erblaßt man vor Ehrfurcht und sieht den "Vater Goriot" als einen Mosaikstein. Von nahem ein schöner Mosaikstein, der zwar nicht perfekt ist, aber Lust darauf macht, das ganze Bild zu sehen. Und sollte man das einmal schaffen, so hat man sich zur besseren Übersicht so weit von den einzelnen Steinen entfernt, daß ihre Makel unsichtbar werden.

Joan Aiken - Wie es mir einfällt

Vor langer, langer Zeit habe ich diese Kurzgeschichtensammlung geschenkt bekommen, es muß Mitte der Neunziger Jahre gewesen sein. Joan Aiken war eine produktive Autorin von Mystery- und Fantasygeschichten. Als ich das Buch geschenkt bekam, lebte sie noch. Jetzt ist sie schon lange tot.
18 Kurzgeschichten enthält der Band. Vom Realistischen über märchenhaft Angehauchtes bis hin zum Absurden ist hier alles zu finden, meist gewürzt mit bitterbösem Humor, Roald Dahl läßt grüßen. Allerdings sind die Geschichten von unterschiedlicher Qualität. Glanzpunkte wie "Die kalte Flamme" oder "Seemannslegenden" wechseln sich ab mit plumpen Mordgeschichten wie "Dem Geruch nach" oder "Träume". Mir fällt auf, daß Aiken am besten ist, wenn sie überdreht schreibt, ihrer Fantasie die Zügel schießen läßt. Dann kommen Texte zustande, die zarte Poesie entwickeln und wirklich bewegen können, wenn man denn darauf eingeht und sich von den überbordenden Geschehnissen nicht abschrecken läßt. Dennoch kämpfen selbst diese einfühlsamen Geschichten mit einem laschen Stil, bei dem ich nicht weiß, ob er der Übersetzung anzulasten ist, oder auch im Original vorhanden ist. Auch darüber muß man also hinwegsehen.
Wenn sich die Autorin an Kriminalstories mit dem "typisch englischen" Humor versucht, wird es langweilig und vorhersehbar. Die alte Frau, die den Dieb mit einer List einsperrt und verfaulen läßt. Der Ehemann, der seine Frau zu Dünger verarbeitet. Ich erinnere mich, als Kind eine Reihe solcher Geschichten von Henry Slesar gelesen zu haben, und genauso sind auch die von Joan Aiken. Pulp. Für Kinder vielleicht noch spritzig genug. Schade, denn daß sie mehr kann als nur schreiben, ist ja offensichtlich.
Eine nette Sammlung also, die den anspruchsvollen Leser jedoch hie und da enttäuschen wird.

Freitag, 12. November 2010

Drei Blends

Diesmal hatte ich Glück: kein Whisky ist schlecht!

Whyte & Mackay 12 years 43%
Aroma: Typische Blendschärfe bzw. -spritigkeit. Ich habe gelesen, daß hierfür die enthaltenen Grain-Whiskies verantwortlich sein sollen, sehr aufschlußreich! Süße, florale Frische, Pflaumen, ölige Bitterkeit. Nach einer Pause dann Zucker, Schokolade. Angenehm für einen Blend, interessant, vielseitig.
Geschmack: Intensive Süße, Öligkeit, brennt aber stark auf der Zunge. Im Abgang etwas Holz.
Fazit: Guter Blend, schmeckt mir. Interessantes Bukett, das bei nochmaligem Riechen viel in Petto hat. Der Geschmack gibt nicht viel her, ist aber ok, danach folgt ein glatter, angenehmer Abgang.
SGP 420, 66 Punkte, Platz 1

Whyte & Mackay High Strength 52,5%
Aroma: Im Vergleich zum 12-jährigen fällt hier sofort ein starker Karamelduft auf, Sahnebonbons, Toffee, Zucker, vor allem anderen. Ansonsten ist das Bukett dezenter, runder, sticht nicht so stark in der Nase, ist dem 12j aber dennoch sehr ähnlich. Holznoten.
Geschmack: Sehr adstringierend! Die Toffeenoten entpuppen sich als Gras, frisch säuerlich, aber viel zuviel Alkohol, im Abgang kaum etwas. Wasser dazu: Beim Aroma tut sich nichts, der Geschmack wird nun aber erkennbar. Es zeigen sich Gras, Holz, leichte Süße. Durchaus uninteressant.
Fazit: Interessantes Karamell im Duft, so etwas hatte ich bislang noch nicht gerochen. Geschmacklich jedoch enttäuschend.
SGP 430, 61 Punkte, Platz 3

Buchanan's Reserve 12 years 43%
Aroma: Hier fehlt die Grain-Schärfe, der Duft ist runder und süßer. Pflaumen, Malz, Holz, Blumen, Zitrus. Aber dadurch auch flacher als der 12-jährige W&M. Hinter den voluminösen Pflaumen ist nicht allzuviel zu finden.
Geschmack: Holz, säuerliche Bitterkeit, sehr süß, schnörkellos und gefällig, Abgang wärmend, mit floralen Noten.
Fazit: Sehr ausgewogen und glatt. Uninteressanter Duft, angenehmer Mund, warmer Abgang. Insgesamt unspektakulär, nicht schlecht.
SGP 300, 64 Punkte, Platz 2

Montag, 8. November 2010

Ballantines und Teacher's

Es traten ursprünglich an: Ballantines White Label, Ballantines Gold Seal 12yo, Haig Gold Label. Es handelt sich um die Standardsupermarktabfüllungen von Ballantines und Haig und um die leicht gehobene Klasse beim Gold Seal.
Bei der Haig-Probe fällt auf, daß der Whisky schlecht geworden ist. Er wird deswegen durch einen anderen Blend, den "Winner Special Reserve" ersetzt. Ein paar Worte dazu: Es ist ein Blend aus Spanien, mit Dudelsackspieler auf dem Etikett, von der Destillerias Campeny mit 40% abgefüllt. Der absolute Klischeeschlechteblend also. Aber er wartet schon lange auf seine Verkostung und als Ersatz für einen verfaulten wird er doch ausreichen, oder?
Bei der Winners-Probe dann die Katastrophe: Auch dieser Whisky ist schlecht! Noch nie erlebt, und dann gleich zweimal! Also wird wieder ausgewählt, diesmal trifft es einen Teacher's Highland Cream.

Ballantines White Label 43%
Aroma: Intensiv, zunächst mit abschreckender Schärfe, Spritigkeit. Dann aber frische Früchte, Blumen, Zitrus. Leicht Vanille, vielleicht gebrannte Mandeln. Gar nicht schlecht. Die etwas unangenehme Schärfe bleibt allerdings bestehen. Der Duft wirkt nicht ausgewogen.
Geschmack: Etwas holzig, leicht süß, ölig, und eine ausgeprägte Bitterkeit, die mich bei einem Supermarktblend wundert. Schwebende Früchtenoten. Im Abgang keine neuen Nuancen.

Ballantines Gold Seal 43%
Aroma: Dem White Label sehr ähnlich, aber ungleich schwächer. Man riecht kaum etwas, nur mit Anstrengung lassen sich Nuancen unterscheiden. Eine gegenüber dem White Label stärkere Zuckrigkeit fällt dann auf, Buttergebäck, und deutlich stiehlt sich hier muffig-holziger Faßgeruch mit rein, was dem Aroma guttut. Insgesamt aber enttäuschend, da kaum vorhanden.
Geschmack: Sehr mild, buttrige Süße, Gebäck, wenig Holz, kaum Sprit. Die grobe Bitterkeit des White Label kommt hier viel ausgewogener daher. Ein sehr angenehmer, glatter Geschmack, natürlich ohne Ecken und Kanten, die für Höchstnoten erforderlich wären.

Haig Gold Label 43%
Ja, was ist das denn? Eine rotbraun dunkle, trübe Brühe ist im Glas. Ein 50-jähriger? Oder ist der Whisky schlecht geworden? Ah ja, im Gegenlicht lassen sich massenhaft Schwebstoffe erkennen, und das Zeug riecht auffällig nach... irgendeinem Süßwein, aber nicht nach Whisky. Ich werde den Haig deswegen aus der Wertung nehmen, da meine Miniatur anscheinend nicht mehr frisch ist. Trotzdem will ich das Zeugs hier beschreiben.
Aroma: Eingemachte Früchte, Zucker, Karamel, schwere Süße, kein Malz, kein Holz, kein Rauch. Leicht muffig.
Geschmack: Essig! Verfaultes Irgendwas! Kein Alkohol! Einmal genippt und sofort zur Spüle gerannt. Ohgott, ich dachte, Hochprozentiges kann nicht schlecht werden. Bäh, und wie krieg ich den Geschmack jetzt wieder aus dem Mund? Armer Haig...

Winner Special Reserve 40%
Hier also der Ersatz, eine billige spanische Plörre. Erstmal schauen, ob da nicht vielleicht auch Schwebstoffe... Potzblitz! Da sind ja auch welche!
Aroma: Kaum etwas, alte Früchte vielleicht.
Geschmack: Furchtbar! Giftig, scheußlich, eine Art Reiniger. Keine Ähnlichkeit mit einer trinkbaren Spirituose. Habe ich gerade Methanol im Mund gehabt? Oder ist der Whisky einfach auch schlecht geworden? Angesichts der Schwebstoffe wohl eher letzteres. Ich armer Tropf, wie soll ich meinen Mund jetzt wieder aufnahmefähig für die eigentlich doch ganz leckeren anderen Blends bekommen?
Der Whisky wird ebenfalls aus der Wertung genommen und ersetzt durch Teacher's Highland Cream White Label.

Teacher's Highland Cream White Label 43%
Aroma: Ähnlich dem Ballantines White Label. Frisch und fruchtig mit einem Sprit-Einschlag, der hier aber milder ausfällt. Die Früchte sind auch eher süß als zitrusartig. Die Süße breitet sich voller und ausgewogener aus, insgesamt ein besseres Aroma als beim Ballantines White. Als zusätzliche Komponente kommen Grasnoten ins Spiel, die den Charakter interessanter erscheinen lassen. Der Duft kommt direkter und "ehrlicher".
Geschmack: Flutet langsam an, dann sehr ausgewogene Bittersüße, die sich mit einer gewissen Reife präsentiert. Ich kann es schlecht beschreiben, aber es gefällt mir. Im Abgang stellt sich Gras ein. Highland-Gras vielleicht? Weitere Noten kann ich nicht feststellen, auch dies ist ein runder, gefälliger Whisky ohne Stachel.


Fazit
Ballantines White Label: Zeigt, daß billige Blends ihrem Klischee durchaus entsprechen können. Wilder, unausgewogener Duft mit starker Spritigkeit, die zunächst die Nase rümpfen läßt. Danach entdeckt man jedoch auch Früchte und florale Noten, die noch ein gutes Gesamtbild herstellen. Im Geschmack dominiert dann eine wilde Bitterkeit alles und verabschiedet diesen Whisky auf Platz 3. Nicht schlecht, aber auch nicht so richtig gut.
SGP 320, 61 Punkte, Platz 3

Ballantines Gold Seal: Kaum Aroma, viel Geschmack! Die buttrige Zuckrigkeit (ja, das gibt es) hat es mir angetan. Viel ausgewogener als der White Label, der im Vergleich noch grün hinter den Ohren wirkt. Ein wirklich ordentlicher Blend, der sich allerdings knapp dem Teacher's geschlagen geben muß.
SGP 310, 67 Punkte, Platz 2

Haig Gold Label: Muß leider aus der Wertung genommen werden, vergammelt.

Winner Special Reserve: Muß leider aus der Wertung genommen werden, vergammelt.

Teacher's Highland Cream White Label: Fruchtig-frisches Aroma, nur wenig von Sprit beeinträchtigt. Nicht so zerfranst wie der Ballantines White, nicht so impotent wie der Ballantines Gold. Die herben Grasnoten, die sich auch im Geschmack wiederfinden, verleihen ein Minimum an Charakter. Für mich der beste dieser drei Blends.
SGP 340, 69 Punkte, Platz 1

Mittwoch, 3. November 2010

Drei schwächliche Blends

Meine Miniaturensammlung wächst unkontrolliert, ebay sei Dank. Um nicht von unbekannten Drams erschlagen zu werden, gilt es, das Gröbste wegzuprobieren. Heute sind das drei interessant klingende Blends. Es handelt sich um den allseits bekannten Chivas Regal 12 Jahre, der gegen zwei Whiskys der Marke William Grant's antritt, laut Etikett aus dem Hause Glenfiddich / Balvenie stammend. Der eine, vermutlich höherwertige, besitzt ein schwarzes Etikett, auf dem "Rare Old Scotch Whisky 12 years old" geschrieben steht. Das Etikett des anderen ist weiß, hierauf ist zu lesen "Stand Fast Finest Scotch Whisky", keine Altersangabe, aber Angabe von Zuckerkulör.

William Grant's 12 years old 43%
Aroma: Vollmundiger, süßer als der "Stand Fast", aber von schwacher Intensität. Frische Waldfrüchte, fast weinig. Ja, Rotwein, Portwein klingen durch. Das Ganze riecht ein bisschen wie ein Weinbrand. Insgesamt aber zu schwach, zu abgehoben, zu luftig.
Geschmack: Sehr weich flutet die malzige Bittersüße an, präsentiert sich ausgewogen, aber viel zu schwachbrüstig. Kaum weitere Nuancen, sehr glatter Körper. Im Abgang, der gut und lang ausfällt, kommt endlich Holz dazu.

William Grant's Stand Fast 40%
Aroma: Etwas schal, grasig, Leder. Wenig Malz, trockene Früchte, Brot. Kräftiger als der 12 years, dadurch interessanter, regt an. Irritierender, unangenehm säuerlicher Oberton.
Geschmack: Die ledrig-säuerliche Note setzt sich fort. Unglaublich schwächlich, den Alkohol spürt man kaum. Hier entfaltet sich nicht viel, obwohl das Potential da gewesen wäre. Schade. Kurzer, lebloser Abgang.

Chivas Regal 12 years old
Aroma: Stark süße Pflaumen, trockene Früchte. Leicht Rauch. Töne von Wiese, Blumen. Süß und voll. Dieser Whisky weiß, im Gegensatz zu den William Grant's, was er will.
Geschmack: Auch ein sehr milder Antritt. Heute gibts anscheinend nichts auf die Ohren. Ein störender Sprit-Ton macht sich beim Chivas bemerkbar. Ansonsten gut ausgewogene Bittersüße, die von einer gewissen Erdigkeit grundiert wird. Nichts herausragendes, glatt, glatt. Abgang mit etwas Holz.


Fazit
Chivas Regal 12 years: Hatte die meisten Vorschußlorbeeren und mußte sich gegen ein schwieriges Feld durchsetzen, denn alle drei Whiskys haben nicht viel zu bieten, wenig Charakter und wenig Kraft. Ein klares Abgrenzen der Qualitäten fiel schwer. Gegen den 12 years von Grant's tat sich der Chivas besonders schwer, konnte sich wegen seines attraktiveren Aromas aber knapp durchsetzen, auch wenn die Spritnote und die übertriebene Glätte das Geschmackserlebnis trüben.
SGP 411, 65 Punkte, Platz 1

William Grant's Stand Fast: Mit seinem außergewöhnlichen Aroma, das mich mit seinen Leder- bzw. Säuretönen erst abschreckte, dann anzog, war dieser Whisky sehr interessant. Leider stellte sich in der Geschmacksprobe heraus, das bei ihm der Alkohol vergessen wurde, eine Geschmacksentwicklung findet deswegen nicht statt. Man sollte diesen Tropfen durch die Nase trinken oder einfach Abstand nehmen. Schade um einen interessanten Ansatz.
SGP 130, 55 Punkte, Platz 3

William Grant's 12 years: Angenehmer, aber schwacher Duft, angenehmer, aber schwacher Geschmack. Angenehme, aber schwache Bewertung? Genau. Kann sich mit seinen durchaus vorhandenen, positiven Aspekten nicht gegen die routinierte, weltmännische Glätte des Chivas durchsetzen, der noch einen Tick angenehmer ist. Auch, wenn der Abstand nur sehr klein ausfällt, denn sein Geschmack ist von den drei Whiskys der beste, kommt aber wegen einer ausgeprägten Schwäche nicht aus den Puschen. Und dann kommt der Chivas mit seinem tollen Duft und zieht eben knapp vorbei.
SGP 210, 63 Punkte, Platz 2

Freitag, 29. Oktober 2010

The Arran - Pinot Noir Finish


Aroma: Eine herrliche Mischung aus süßem Wein und herbem Holz schlägt einem hier entgegen. Dann, langsam, steigt das Malz auf und rundet diesen Duft ab. Ich kann mich gar nicht sattriechen. Pflaumen, allgemein Früchte, floral. Erst nach der Duftprobe entdecke ich, daß in diesem Whisky 50% Alkohol stecken; vielleicht ist er deswegen so intensiv. Äußerst Appetitanregend.
Geschmack: Was ist denn hier los? Zitronensaft getrunken? Stark säuerlich geht es zu. Vom ersten Moment an umspielt Zitrone die Zunge. Dann kommt eine schwach ausgeprägte Süße, die von kräftigen Holztönen überlagert wird. Das Holz dominiert auch den Abgang. Über die ganze Zeit und noch lange danach hält sich dieser saure Geschmack, von dem ich mir nicht sicher bin, ob er mir gefällt oder nicht. Er sticht etwas zu sehr aus dem Fundament heraus. Lange nach dem Trinken  ist noch angenehm Holzfaß da.
Mit Wasser: Beim Aroma meine ich jetzt, etwas Gras zu riechen, ansonsten tut sich nicht viel. Der Geschmack gewinnt jedoch deutlich. Die Säure büßt ihre Wildheit ein, kommt auf Samtpfoten daher und präsentiert sich nun als blumig-zitrusfruchtige Komponente. In den ersten Momenten meint man, einen Fruchtsaft zu trinken. Jetzt kann diese Zitrusnote viel besser im Gesamtgeschehen aufgehen, was den ohne Wasser eher unausgewogenen Geschmack immens ausbalanciert. Jetzt schmeckt er mir! Im Abgang zeigt sich nun auch Getreide.
Fazit: Durchaus ein wohlschmeckender Malt, der den Weinfinish deutlich besser hinbekommt als der unsägliche Glenmorangie. Zunächst war ich vom Duft begeistert, der Geschmack konnte das Versprechen aber nicht ganz halten. Ich hatte erst vor, dem Whisky eine "noch gute" Note zu geben, als ich auf die Idee kam, es mal mit Wasser zu probieren. Und in der Tat - dieser Arran ist der erste Whisky, bei dem ich merke, daß die Zugabe von Wasser Aromen aufschlüsseln und das Geschmacksbild ausgewogener gestalten kann. Bisher dachte ich heimlich, das sei das übliche Geschwätz der Whiskynarren. Weit gefehlt - mit Wasser ist der Arran ein Genuß. Ja, dieser Dram mein Interesse geweckt und sicherlich werde ich mich dereinst durch die ganze Produktpalette dieser Destillerie kosten. Heute Abend wird es noch das ein oder andere Gläschen vom  Pinot Noir sein.

SGP 640
87 Punkte

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Zwei Scotch Blends

Mackinlay's Legacy 12 
Aroma: Vielschichtig und sehr intensiv. Starke, dominante Süße, viel Malz. Darunter dieser Spritcharakter, der mir schon bei mehreren Blends aufgefallen ist. Hier stört er aber nicht, sondern bindet sich gut ins Gesamtgeschehen ein. Dadurch entstehen blumige Noten, eine gewisse Frische, Gras, Zitrusfrüchte. Dazu angenehm Holz.
Geschmack: Sehr scharf und kräftig, trotz seiner wahrscheinlich nur 40%. Die schwere, mälzerne Süße überdeckt alles, auf fast schon erdrückende Weise. Erst im Abgang kommen die aromatischen Gras- und Zitrustöne wieder hinzu und schaffen somit ein gerade noch angenehmes Geschmackserlebnis. Hier scheint sich auch noch ein Hauch von Rauch hinzuzugesellen.
Fazit: Ein passabler Blend, den man durchaus mal trinken kann. Nach einem interessanten Bukett erdrückt dann im Mund meiner Meinung nach die Süße etwas die restlichen Nuancen, aber bestimmt gibt es Leute, denen gerade das gut gefällt. Außerdem liegt zuviel Schärfe und Sprit im Geschmack, um eine bessere Bewertung zu vergeben.

SGP 541
67 Punkte


Long John 40%
Aroma: Widerlich. Riecht wie irgendein Fusel, aber nicht wie Whisky. Habe so etwas noch nicht gerochen, mein Aromarad spuckt die folgenden Benennungen aus, die passen könnten: Zigarettenasche, Fleisch, altes Leder, verbrannter Kautschuk, Weißwein.
Geschmack: Stark brennend, wenig Geschmack. Nuancen von Holz, stark sprittig. Wegen der fehlenden Aromen erträglicher als das Bukett.
Fazit: Hiermit kann ich gar nichts anfangen. Entweder ich habe diesen Whisky nicht verstanden, oder er ist einfach schlecht. Mit Abstand der schlechteste bisher gekostete.

SGP 120
12 Punkte

Dienstag, 19. Oktober 2010

Benriach 16 & Bruichladdich 12 & Bowmore 12

Heute sind diese drei Malts dran, die ich als Probe zur Verfügung gestellt bekommen habe. Der 16-jährige Benriach stammt von der Speyside, und gilt als typischer Vertreter dieser berühmten Region. Der Bruichladdich ist ein eher untypisches Erzeugnis der Insel Islay. Stammen von dort in der Regel eher stärker getorfte Whiskys, gelten Bruichladdich und Bunnahabhain als sehr milde Islay-Destillerien. Bowmore 12, ebenfalls von Islay, trifft die Charakteristik der Insel schon mehr, hier ist ein deutlich höherer Rauchanteil zu erwarten.

Benriach 16 Jahre OA 43%
Aroma: Holz und Süße, das sind hier die beiden Tonangeber. Ein für meinen Geschmack gut Komponiertes Bukett, in das sich zwar nicht viele Nuancen mischen, Honig, Vanille, das aber allein mit diesen beiden Hauptkomponenten bereits sehr zu interessieren weiß.
Geschmack: Wahnsinnig mild, es brennt überhaupt nichts. Aber auch der Geschmack braucht eine Weile, um sich aufzubauen. Dann breitet sich wohlige Süße aus, die lange im Munde bleibt. Spät kommen Holznoten dazu, die noch lange nach dem Abgang zu schmecken sind. Gut.
Fazit: Ein guter Whisky, der meine noch unterentwickelte Meinung von der Speyside deutlich hebt. Wer süße Tropfen mag, auf ein feines Gegengewicht im Sinne von herbem Holz nicht verzichten möchte, liegt hier richtig.

SGP 840
80 Punkte


Bruichladdich 12 Jahre OA 46%
Aroma: Dem Benriach nicht unähnlich, und das überrascht ob der Herkunft der beiden Tropfen dann doch. Auch hier steht eine wohlige, volle Süße im Vordergrund, Honig, Pflaumen, über der aber eine starke Schärfe liegt. Nur ein Hauch von Rauch mischt sich dazu. Ebenfalls interessant und angenehm. Insgesamt deutlich herber, rauher als der Benriach. Beim dritten Riechen Schokolade.
Geschmack: Zunächst zurückhaltend, bald aber sich an Intensität steigernd. Wenig Süße ist hier mit viel Schärfe, etwas Holz und Rauch gepaart. Im Abgang verbleibt eine stärker gewordene Malzsüße und Holz, das lange im Mund zu spüren bleibt.
Fazit: Zunächst wirkt dieser Whisky mit seiner frischen Süße ähnlich wie der Benriach. Es dauert auch einige Zeit, bis man das wohltemperierte Fundament aus feinem Rauch wahrnimmt und in das Erlebnis einbaut. Dann entfaltet sich die volle Pracht des Bruichladdich, der bei mir wirklich auftrumpfen konnte. Ein fruchtig süßer Malt, der mit seidig herben Noten Kontrapunkte setzt.

SGP 742
83 Punkte


Bowmore 12 Jahre OA 40%
Aroma: Stark phenolischer Einstieg. Es sticht in der Nase, die Augen brennen. Rauch auf eine Weise, wie ich sie bisher noch nicht kannte, durchsetzt von salzigem Gras. Das Meer. Bleibt man dran, kommt eine schwache Süße, vielleicht Vanille, wenig Holz.
Geschmack: Deutlich, aber nicht sehr rauchig, mit milder Süße unterlegt, die entfernt an Früchte erinnert. Eine gewisse Bitterkeit stellt sich ein und verbleibt im Abgang.
Fazit: Sehr interessant, diese dezent- bis mittelrauchigen Whiskys. Meine Erfahrung mit Islay beschränkte sich bisher auf Lagavulin, da schlug einem der Torf ja förmlich ins Gesicht. Beim Bruichladdich hingegen muß man ihn suchen, und beim Bowmore wird er einem höflichst unterbreitet. Von den drei Malts ist er natürlich bei weitem der rauchigste. Aber auch hier ist eine gute Kombination gelungen, allerdings kann ich keine so große Vielseitigkeit wie beim Bruichladdich entdecken, weswegen meine Benotung niedriger ausfällt. Nichtsdetotrotz ein guter Whisky.

SGP 145
77 Punkte

Neue Wertungsskala

Ich muß meine Skala umstellen. Im Bereich der Whisk(e)ys gibt es einfach viel zu viele gute Tropfen, um hier mit einem Zehnpunktesystem noch eine feine Unterscheidbarkeit zu haben. Die meisten fallen in den Bereich 6-10 Punkte, und da muß einfach mehr Auflösung her. Deswegen will ich mich an einem allgemeinen Wertungssystem, das z.B. auch Serge Valentin nutzt, orientieren:

Eigenschaften
S = Süßer Charakter (Honig, Früchte, Bonbons, Rosinen, Vanille, Blumen ... )
G = Getreidiger Charakter (Hafer, Hefe, Gras, Malz, Wachs, Bier ... )
P = Phenolischer Charakter (Torf, Erde, Meer, Teer, Gewürze, Lakritz, Fleisch ... )
Diese drei Eigenschaften werden jeweils von 0 bis 9 bewertet, dabei heraus kommt also etwas wie "SGP 000" für Wasser oder "SGP 999" für einen extrem süßen, extrem getreidigen, extrem phenolischen (und extrem unrealistischen) Whisky.

Punkte
90-100: Toll! Mit einer Flasche kommt das Glück ins Haus. Zeug dieser Klasse findet man nur selten
85-89: Außergewöhnlicher Stoff. Gehört in jede Sammlung. Hier fängt die Extase an
80-84: Jetzt beginnen die guten Sachen. Interessantes Zeug, das einen Kauf auf jeden Fall wert ist
75-79: Angenehm zu trinken, kann es durchaus länger in einer Sammlung aushalten.
70-74: Durchschnittlich. Abstoßen? Behalten? Lieber abstoßen, denn es gibt Besseres
unter 70: Unterdurchschnittlich. Es gibt schlauere Wege, sein Geld loszuwerden

Montag, 18. Oktober 2010

Zwei gegensätzliche Whiskys

Heute werde ich zwei Whiskys probieren, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Auf der einen Seite steht ein von Murray McDavid abgefüllter Clynelish, auf der anderen Seite ein Jim Beam Bourbon. Ich bin gespannt.

Der Clynelish wurde 1994 destilliert und 12 Jahre in einem Bourbon & PX - Faß gelagert. Das Faß wurde von Jim McEwan für das Label "Malts and More" ausgewählt und trägt die Nummer 516/712. Ein Highland Singlemalt, der sich mir hier vermutlich deutlich sherrylastiger präsentieren wird als in seinen bisher verkosteten Inkarnationen.
Der Jim Beam White Label ist ein 4-jähriger klassischer Bourbon. Aufgrund der klimatischen Verhältnisse in Kentucky brauchen diese Whiskeys wohl auch wesentlich weniger Zeit für die Reifung. Für die Malt-Puristen: Ein Bourbon muß aus mindestens 51% Mais hergestellt sein.

Clynelish 1994 PX Murray McDavid
Aroma: Oh, hier ist viel. Es fängt an mit einem starken Rotweinduft, der von süßem Malz unterlegt ist. Dahinter öffnen sich weitere Aromen, aber nur sehr zart. Ich finde Pfirsich, Vanille. Betörend. Im Vergleich zum Bourbon wesentlich heller, luftiger, vielseitiger.
Geschmack: Der Whisky geht mit Macht auf die Zunge los. Kräftig zeigt sich die volle Bittersüße, ein Hauch von Rotwein auch hier. Keine Säure, kein Rauch, und auch Holz finde ich nicht. Die Art der Bittersüße erscheint mir äußerst harmonisch. Köstlich.
Abgang: Lang, mild und wärmend. Hier kommt der Rotwein nochmal voll durch und spielt mit der ausklingenden Bittersüße von vorher, die immer noch so toll ausgewogen schmeckt. Und auch ein Hauch Säure kommt nun, um einen schönen Ausklang zu formen.
Fazit: Auch diese Clynelish-UA gefällt mir wieder ausnehmend gut. Sei es das Bukett, das so wunderbar von Rotwein geprägt ist, oder der vollmundig bittersüße Geschmack, oder der vielseitige Abgang, in der Wein, Bitterkeit und Säure zu ihrem Recht kommen: Diesen Whisky kann ich nur empfehlen!

9/10 Punkte


Jim Beam White Label
Aroma: Milde, zuckrige Süße schlägt einem hier wie ein schwerer Vorhang entgegen. Der Unterschied zum Malt wird sofort und krass deutlich. Fast schon sirupartig. Röche wie ein Likör, wenn darüber nicht noch eine Spur von Schärfe schwebte. Weitere Nuancen kann ich hier (noch) nicht feststellen. Im Vergleich zum Malt muffiger, schwerer, klebriger.
Geschmack: Dominierende, schwere, volle Süße. Mild.
Abgang: Unauffällig. Der süße Geschmack bleibt noch eine Weile bestehen.
Fazit: Tja, wie soll ich den nun bewerten? Ein Vergleich mit Singlemalts fällt schwer, denn der Bourbon schmeckt doch sehr anders. Ihn in meine Wertungsskala zu pressen, ist vielleicht sogar ungerecht. Aber es ist ja schließlich eine subjektive Skala. Hm. Gehen wir es systematisch an: Der Geruch ist mit seiner Übersüße zwar gefällig, aber zuviel des Guten und außerdem ist da sonst nichts. Beim Geschmack sieht es ähnlich aus. Süße, Süße, Süße und sehr mild. Natürlich paßt das gut zu Cola. Es ist also ein sehr süßes, hochprozentiges Getränk, das man durchaus genießen kann. Wenn man allerdings die Wahl hat zwischen dem Jim Beam White Label und einem komplexeren Whisky, dann sollte man sich für letzten entscheiden. Und genau das tue ich.

4/10 Punkte

Samstag, 16. Oktober 2010

Johnnie Walker Red Label & Black Label

Wer kennt ihn nicht, diesen Blend? Im Johnnie Walker Red Label sind bis zu 40 verschiedene Whiskys vermischt, die kein Mindestalter aufweisen. Er ist der bekannteste und meistverkaufte Scotch der Welt.
Wie ich beim Brausen durch die diversen meinungsbildenden Whiskyseiten feststelle, gehört der Red Label zu den unbeliebtesten, widerlichsten Whiskys, die es gibt. Prinzipiell bin ich ja gegen Vorurteile, siehe meine Einleitung zum Dimple 12, es macht Spaß, Tendenzen aufzuspüren und zu entkräften. Und die Tendenz, Blends zu verachten, ist in der Single-Malt-Gemeinschaft eindeutig zu vernehmen. Aber dummerweise hat mir der Dimple bei meinem ersten Blend-Kontakt nunmal überhaupt nicht geschmeckt und gerade einmal 3 Punkte eingeheimst. Und nein, ich gehe nicht davon aus, daß sich mit dem billigsten Walker jetzt eine wesentliche Besserung einstellen wird. Aber auch der Red ist ein Whisky, und deswegen gehört er hierher.

Zur eventuell erforderlichen Ehrenrettung der Marke sei ihm hier sein etwas höherwertiger Bruder zur Seite gestellt, der Black Label. In ihm sind ebenfalls bis zu 40 verschiedene Whiskys vermischt, die allerdings mindestens 12 Jahre alt sind. Lead Whisky ist der Caol Ila 12.
Weitere Produkte von Johnnie Walker sind Green, Gold und Blue Label. Im Green Label werden nur 4 Single Malts verwendet, die mindestens 15 Jahre alt sind. Er ist der einzige Johnnie Walker, der keinen Grain Whisky enthält. Der Gold besteht aus 18-jährigen, der Blue aus "sehr alten". Eine Flasche Blue kostet 120€, und man sollte sich wirklich fragen, ob man soviel für einen Blend ausgeben möchte.


Johnnie Walker Red Label
Aroma: Sehr, sehr mild und zurückhaltend, deutlich Holz, kein Rauch. Leichte Süße, Honig, überlagert von etwas Weißwein. Ein angenehmes Aroma, aber etwas uninteressant und nicht sehr intensiv.
Geschmack: Leichte Bitterkeit gefolgt von etwas Säure. Ansonsten nicht viele Geschmacksnuancen. Im Mund erscheint er zu schwach auf der Brust. Man meint, einen großen Teil Wassers mit dabei zu haben. Das, was an Geschmack ankommt, ist aber nicht schlecht. Die Säure verflüchtigt sich schnell.
Abgang: Glatt, etwas ölig. Angenehme Bitterkeit
Fazit: Viel besser als der Dimple. Ich kann diesen Whisky nicht verdammen. Ich weiß zwar nicht, ob ich durch die vielen negativen Kritiken beeinflußt werde, denn zu einer guten Bewertung kann ich mich auch nicht durchringen. Aber ich muß sagen: Den Red Label sollte man zumindest mal probiert haben. Schlecht ist er nicht, aber natürlich gibt es Besseres. In einer Blindverkostung muß man dennoch erst einmal erkennen, daß ein Blend im Glas ist.

4.5/10 Punkte


Jonnie Walker Black Label
Aroma: In der direkten Gegenüberstellung fällt hier sofort die volle, schwere Süße auf, trockene, sehr überreife Früchte, fast schon zuviel Reife, Feigen, Datteln. Den Rauch des Caol Ila kann ich kaum vernehmen. Köstlich süß. Ein wenig Holz scheint auch noch darin zu liegen, anderen Nuancen durchdringen die Süße nicht.
Geschmack: Hier ist mehr Feuer drin. Die Zunge wird sofort zum Leben erweckt und schmeckt Bitterkeit, schwere Süße und einen Hauch (könnte auch das Wissen um den Caol Ila sein) von Rauch. Die Süße überwiegt auch hier, das ist wirklich ein Pfund.
Abgang: Ebenfalls angenehm. Im Nachgeschmack endlich etwas Rauch, wieder gepaart mit Süße und Bitterkeit.
Fazit: Schon besser als der rote. Die Frage ist, um wieviel. Der rote ist ein solider Whisky, und das gleiche könnte man auch über den schwarzen sagen. Mir persönlich sagt der Hauch von Rauch etwas besser zu, außerdem ist hier die Geschmacksintensität höher. Interessant ist das Aroma des schwarzen, dessen Süße an extrem reife, fast schon faulige Früchte erinnert. Fast zuviel des Guten, aber das macht immerhin interessant. So etwas hat der rote nicht zu bieten. 

6/10 Punkte

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Caol Ila 12

Caol Ila 12 Jahre alt, Originalabfüllung, 43%. Teil des Probiersets "Classic Malts Coastal Pack". Auch darin vorhanden: Talisker 10 und Clynelish 14.
Die Majorität des Caol-Ila-Ausstoßes geht in die Blend-Produktion, so gilt der Caol Ila 12 als Lead-Whisky des Johnnie Walker Black Label. Dennoch besitzt diese große Destillerie eine breite Produktpalette an Single-Malts.

Aroma: Sehr süß, voll und schwer nach Malz und trockenen Früchten. Dezent und unaufdringlich schließen sich die Islaytypika Rauch und Holz an. Ein Hauch von Salz liegt über Allem. Sehr ausgewogen, ein toller Duft!
Geschmack: Auch hier erst volle Süße, mit zarter Bitterkeit gepaart. Schnell drängt sich nun aber eine heftige Rauchnote nach vorne. Das Salz ist kaum mehr wahrzunehmen
Abgang: Sehr ausgewogen. Die Süße tritt weiter zurück und macht immer mehr und mehr Rauch Platz. Im Nachgeschmack verbleibt eine schöne Mischung dieser beiden Extreme
Fazit: Der 12er ist der einfachste Caol Ila, den es gibt. Dennoch mundet mir dieser Jungspund bereits vorzüglich. Die Mischung zwischen Süße und Rauch, die hier so vollendet getroffen wird, scheint meinem Geschmack genau zu entsprechen. Ein köstliches Getränk! Bestnoten gibt es nur deswegen nicht, weil ich noch etwas Luft nach oben haben möchte. Es soll ja auch ältere Whiskys als 12 Jahre geben.

8/10 Punkte

Talisker 10

Talisker 10 Jahre alt, Originalabfüllung, 45,8%. Teil des Probiersets "Classic Malts Coastal Pack". Auch darin vorhanden: Caol Ila 12 und Clynelish 14.

Aroma: Viel Holz, Torf und auch Süße (Honig), dann ein kräftig salziger Duft. Die vielgerühmte "Pfeffrigkeit" kann ich nicht entdecken, vielleicht ist das Salz damit gemeint
Geschmack: Viel Torf, milde Süße, auch hier ist ein dominanter Salzgeschmack vorhanden
Abgang: Unaggressiv, ausgewogen. Hinterläßt natürlich einen Rauchgeschmack, dezent Salz.
Fazit: Mir hat er gut geschmeckt. Bei diesem Whisky schlägt die Waage eindeutig in Richtung Torf aus. Dazu kommt ein deutliches Salzaroma, unterspielt von ordentlicher Süße. Das ergibt eine gute, herbe Kombination, die wirklich an schroffe Küstenlandschaften im Gischtdunst denken läßt. Es ist zwar kein extremer Whisky, vielmehr kleidet er seine urtümlichen Aromen in ein feines, zivilisiertes Äußeres, dennoch ist der Talisker 10 kein Tropfen für jeden Anlaß. Man sollte beim Kosten auf Torf und Salz gefaßt sein, sonst wird man vielleicht verschreckt.

7/10 Punkte

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Dimple 12

Die Mission lautet: Alle Whiskys der Welt kosten.
Also auch Blends.
Vor kurzem hatte ich einen Blend, und der war gar nicht so schlecht (Johnnie Walker Black). Eine pauschale Verurteilung dieser Herstellungsart kommt also nicht in die Tüte. Schließlich ist nicht einzusehen, warum ein Whisky, der von Experten mit großer Erfahrung aus mehreren Einzelwhiskys zusammengemischt wurde, um das Geschmackserlebnis zu perfektionieren, grundsätzlich schlechter als solch ein reiner Einzelwhisky sein soll.
Gut, man könnte argumentieren, daß der Charakter eines solchen Blends immer flacher und banaler sein muß als der seiner Komponenten. Das heißt aber nicht automatisch, daß das schlecht ist. Offenheit lautet die Devise und Vertrauen in die eigenen Sinne zu legen, als kritiklos die Meinung der Single-Malt-Freaks zu übernehmen.
In diesem Sinne wird der erste Blend in diesem Blog der 12-jährige Dimple sein.

Aroma: Stechend, sehr scharf. Wenig Holz und eine sich spät entwickelnde, sanfte Süße
Geschmack: Starke Bitterkeit, von nur geringfügig anderen Nuancen (Holz) durchbrochen
Abgang: Durchaus wohlig, jedoch sehr eindimensional. Auch hier herrscht Bitterkeit.
Fazit: Tja, da wollte ich ja eigentlich das Klischee sprengen, aber leider muß ich sagen, daß dieser erste Blend des Blogs mir nicht schmeckt. Schon die erste Nase war mir wegen des stechenden Geruchs unangenehm, die holzigen und süßen Anteile werde davon zu sehr überdeckt. Geschmacklich ist außer der alles dominierenden Bitterkeit nicht viel zu finden, und der Abgang erledigt zwar seinen Job, ist aber langweilig. Natürlich ist das eine ordentliche Spirituose, aber mittlerweile erwarte ich von einem Whisky etwas mehr. Den stechenden Geruch kann ich nicht zuordnen, hierzu fehlt mir die Erfahrung, er ist mir aber an anderen Whiskys bislang nicht aufgefallen.

3/10 Punkte

Montag, 4. Oktober 2010

An Cnoc 12

An Cnoc 12, 40%, 1L, 38€

Dieser Whisky war ein Schnellkauf, um Versandkosten zu sparen. Ich habe mich nur grob an Tastingberichten orientiert und bin jetzt gespannt auf den "süßlich frischen Malt".
Die Knockdhu Destillerie liegt etwas östlich der Speyside in den Highlands, man kann also einen sanften, fruchtigen Whisky erwarten. Für mich der Speyside so nah wie noch nie.
Die Flasche ist sehr modern designt, besitzt ein aufgeräumtes Etikett mit stromlinienförmigem Inhalt, das in der ansonsten so traditionsseligen Whiskywelt ungewohnt wirkt. Die Papphülle ist stabil und im gleichen Design gehalten.

Inspektion: Gold
Aroma: Weich, intensiv nach Früchten, Honig, wirklich sehr süß. Ich hätte in meiner Unerfahrenheit gesagt, daß dies eine Sherryreifung ist, wenn ich es nicht besser wüßte. Sind alle Speys so süß? Ein Hauch Zitrus und in der Tat Vanille runden das Aroma ab
Geschmack: Zarte Bitterkeit, wenig Süße, etwas Waldiges, ebenfalls sehr weich
Abgang: Lang, wärmend, sehr glatt. Keine hineinspielenden Nuancen, weder gute noch schlechte, wie eine Rutsche, die nur geradeaus geht. Hier fehlt mir definitiv etwas Interessantes. Ich kann mir aber vorstellen, daß Leute, die einen "reinen" Abgang bevorzugen, hiermit sehr glücklich werden
Fazit: Nach dem Glenmorangie dachte ich, starke Süße wäre nichts für mich. Doch der An Cnoc hat mich versöhnt. Läßt er auf den ersten Blick mit seinem niedrigen Preis und seiner MTV-artigen Aufmachung nicht viel erwarten, bietet er doch einiges fürs Geld: Ein süßes, fruchtiges, aber kaum klebriges Aroma, das appetitanregend wirkt und etliche verborgene Noten in Petto hat. Überzeugt hat mich aber erst die Geschmacksprobe. Anfangs noch angenehm, aber gewöhnlich, stößt in die wohlige Bittersüße bald ein für mich mit meinem mangelhaften Vokabular noch nicht definierbarer Geschmack, der mich an eine Waldeslichtung erinnert und sich nur zögerlich zeigt. Dadurch wird das Ganze gleich ein Stück interessanter. Der Abgang ist zwar gut, allerdings angesichts seiner ungeheuren Glätte und Geschliffenheit ein wenig langweilig.
Insgesamt ein passabler fruchtiger Whisky, der günstig zu haben ist. Sicher aber kein dauerhafter Bestandteil meiner Bar.

5/10 Punkte

Glenmorangie - The Quinta Ruban

Glenmorangie - The Quinta Ruban, 46%, 1L, 41,50€

Bis jetzt beschränkt sich meine Erfahrung auf die rauheren Whiskys der Coastal Collection und den Lagavulin DE. Als Kontrast soll nun einmal etwas von der in Schottland beliebtesten Destille dazukommen - etwas von Glenmorangie. Diese Destille genießt aufgrund hoher Absatzzahlen den Ruf, eine Art Fabrik- oder Stangenware herzustellen, was in einem Milieu, dessen Grundphilosophie in zwanghafter Individualität und Abgrenzung von der sogenannten Masse begründet liegt, der man natürlich selbst nie angehört, nicht wundernimmt. Es muß doch einen Grund geben, warum das Zeug so viel gekauft wird, gerade in Schottland.
Nunja, ich wählte als ersten Kontakt nicht den 10-jährigen "Original", sondern den "Quinta Ruban", seit 2007 Nachfolger des Port Wood Finish, also einem in Portweinfässern nachgereiften Tropfen. Ich tat dies, weil ich die dezent süßen Geschmacksanteile meiner Coastals und des Lagavulin sehr mag und wissen wollte, wie sich diese zarte Note als Geschmacksschwerpunkt auswirken würde. "Quinta Ruban" ist ein Kunstwort aus "Quinta" (port.) = Bauernhof und wohl einem gälischen Wort für Rubin/rot.
Die Flasche ist hübsch und steckt in einer repräsentativen Pappschachtel, auf der die üblichen Destillerieinformationen zu finden sind.

Inspektion: Dunkler Bernstein
Aroma: Mittelintensiv, natürlich stark Port, zart Heu, Schokolade, getrocknete Früchte, mit Wasser kommt Holz und eine Ahnung von Zitrusfrüchten
Geschmack: Schärfe an der Zunge, etwas Bitterkeit, Süße, mit Wasser verschwindet die Schärfe, es kommt aber nichts hinzu
Abgang: Wärmend. Endlich kommt ein wenig Herbheit mit etwas Holz, eine Prise Rauch. Nach dem Abgang verbleibt ein Geschmack nach süßen Bonbons im Mund, den ich nicht mag
Fazit: Ich hätte wohl doch den 10-jährigen Original nehmen sollen. Wahrscheinlich ist der Quinta ein passabler Whisky, doch trifft er meinen Geschmack nicht. Bis auf den Hauch von Herbheit im Abgang fasziniert mich nichts an ihm. Gut, das Aroma hat eine weiche, runde Süße zu bieten, aber ansonsten ist dieser Tropfen einfach unspektakulär. Und der Kaugummigeschmack, der im Mund verbleibt, ärgert mich. Eine Empfehlung kann ich für alldiejenigen aussprechen, die einen weichen, gefälligen, süßen Whisky suchen, der sie nicht aufregt.
Ich muß auf den Rosenthal-Effekt hinweisen, dem ich anhand des in der Einleitung beschriebenen Vorurteils unterliegen mag, denn auch ich bin mittlerweile Teil des zwanghaften Milieus.

3/10 Punkte

Freitag, 1. Oktober 2010

Kurzrezensionen

Kritik kann auch mal kürzer ausfallen, und damit es nicht zu unübersichtlich wird, werde ich kürzere Rezensionen immer mal wieder zu einem Eintrag zusammenfassen. Die folgenden Bücher sind mir im letzten Urlaub zum Opfer gefallen.

Michel Houellebecq - Die Möglichkeit einer Insel
Nach dem spektakulären Elementarteilchen war ich gespannt, welches Feuerwerk der ehemalige Skandalautor in diesem 2005 erschienenen Roman abbrennen würde. Der Einstieg fiel mir sehr leicht, trotz der ungewöhnlichen Struktur. Die Handlung entfaltet sich mittels zweier Erzählstränge, einem in der Gegenwart und einem in ferner Zukunft, in der ein Klon rückblickend auf die heutige Menschheit berichtet.
Das Buch liest sich stilistisch wie eine Kopie von Elementarteilchen. Auch inhaltlich gibt es keine Überraschungen. Die Hauptfigur, ein erfolgreicher Komiker, lebt ein Leben der Sexualität, rastlos, hat Beziehungen, die ihn unglücklich hinterlassen und zerbricht nach und nach an der Tatsache, daß er älter wird. Das ist mitreißend geschrieben, teilweise findet man wirklich schöne Passagen, und alles bleibt immer nachvollziehbar und aufrichtig. Doch etwas Neues ist es nicht. Ich habe das alles auch schon, genau, in Elementarteilchen gelesen, nur war es dort besser, geradliniger, revolutionärer. Dazu kommt der für mich leider nicht in dieses Buch passende Zukunftsstrang. Natürlich ist klar, was Houellebecq damit sagen will und auch das sagt er gut. Aber ohne diesen aufgesetzt wirkenden Teil hätte die Geschichte ebenso funktioniert, vielleicht sogar noch besser.
Versteht mich nicht falsch, Die Möglichkeit einer Insel ist ein gutes Buch, das man lesen sollte, wenn man sich für die Leiden des Alterns interessiert. Aber eben nur, wenn man Elementarteilchen noch nicht gelesen hat, denn das geht eindeutig vor.

José Saramago - Die Stadt der Blinden
Das erste Buch, das ich von dem kürzlich verstorbenen Nobelpreisträger mit dem klangvollen Namen gelesen habe, 1995 veröffentlicht, gilt als sein bekanntester Roman, ein Weltbestseller. Ich wollte wissen, ob es so gut ist wie sein Ruf.
Das Buch bietet eine ganz eigene Sprache, die mir zunächst gut gefiel. Ich weiß mittlerweile, daß Saramago diese Sprache in vielen seiner Bücher verwendet. Es kommen keine Namen vor, die Personen werden nach ihren Eigenschaften bzw. Handlungen benannt. Anführungszeichen gibts auch keine, die direkte Rede wird einfach in die Sätze eingeschoben. Dadurch entstehen lange, verschachtelte Satzkonstrutionen, die trotzdem meistens flüssig lesbar bleiben, ein Zeichen der hohen Kunstfertigkeit des Autors.
Doch Abseits dieser technischen Spielereien konnte ich dem Buch nicht so viel abgewinnen, wie ich erwartet hatte. Die Handlung driftet rasch in eine weit hergeholte Sci-Fi-Vision ab, die nötig ist, um die moralische Belehrung anbringen zu können, die Saramago mit seinen Lesern vorhat. Ich bin niemand, den Sci-Fi stören würde, aber es fällt sofort auf, daß Saramago auf diesem Gebiet nicht heimisch ist: Ihm unterlaufen Fehler bei der Einführung seiner schicksalshaften Ereignisse. Gleich zu Beginn machten mir hier ein paar Schnitzer die Erzählung madig. Warum verhalten sich sämtliche Ärzte so dilletantisch? Warum reagiert die Regierung so, wie Regierungen nur in den Augen linksradikaler Verschwörungstheoretiker reagieren? Das paßt vielleicht in einen Hollywoodfilm, aber in diesem Roman habe ich derartige Leserbeschummelungen nicht erwartet. Das Glaubwürdigkeitsgebäude ruht dadurch auf keinen sicheren Säulen. Man wird, Seite um Seite, das Wissen nicht mehr los, daß dies alles ja nur ein Konstrukt, ein bemühtes Denkgebäude ist, um die Botschaft zu transportieren. Das ist schade, denn diese Fehler hätten ausgemerzt werden können.
Der Inhalt ist banal: Aufgrund gesellschaftlicher Umwälzungen wird eine Gruppe Menschen isoliert und sich selbst überlassen. Dabei treten die üblichen sozialen Konflikte bis hinab zur Barbarei auf, die recht drastisch und gelungen übelkeitserregend geschildert wird. Am Ende tritt Normalisierung ein und der Leser weiß nun, daß der Mensch der heutigen Gesellschaft, also auch er selbst, blind für seine Nächsten und für die Menschlichkeit an sich ist. Parabel.
Insgesamt ein in wirklich schöner Sprache geschriebener, leicht zu lesender Roman, dessen Handlung zu abstrus begründet wird und der sich damit die Chance nimmt, seine berechtigte Gesellschaftskritik an den Mann zu bringen. Alleine der Sprache wegen ist es aber kein Schaden.

Heinricht von Kleist - Der zerbrochne Krug
Dramen - bisher eine von mir nicht bereiste literarische Gattung. Das sollte sich nun ändern. Ich habe den Krug ausgewählt, weil ich schon viel positives über dieses Lustspiel gelesen hatte und mir die Epoche zusagt, der es entstammt.
Wahrscheinlich hätte ich keinen besseren Einstieg wählen können. Jambischer Fünfheber in gereimter Form, leicht zu lesen, spritzig, ironisch und witzig. Von Anfang an ist klar, worauf es hinausläuft, die Handlung bedarf keiner weiteren Erörterung. Aber der Weg dorthin ist einfach ein Genuß. Das läßt sich in einer Rezension schlecht wiedergeben, man muß es einfach lesen.
Ich versuche, mir vorzustellen, welcher Fertigkeit es bedarf, solch einen Inhalt in solch eine Form zu bringen. Es sind wohl die Fertigkeiten vergangener Jahrhunderte, die darin liegen, Fertigkeiten, die es heute so nicht mehr gibt.

Gerhart Hauptmann - Bahnwärter Thiel
Der Thiel war mir schon länger vorgeschwebt, aber gelesen hatte ich ihn noch nicht. Ich war dann überrascht, wie süffig sich der Hauptmannsche Naturalismus präsentiert, wie frisch der Text wirkt. Ich finde die Frage, ob ein Text noch aktuell ist bzw. wieder aktuell ist, lächerlich, und werde mich dazu deswegen selten äußern, hier möchte ich es aber tun: Generell bietet gute Literatur immer etwas, was den Leser weiterbringt, und so ist es im Thiel natürlich auch. Die moderne Welt mit ihren vielfältigen Beziehungen, Abhängigkeiten, in denen man steckt, die alle ein gewisses psychisches Potential aufbauen, das zu großem Druck erwachsen kann, läßt sich gut erkennen.
In seiner Kürze und der damit verbundenen starken Verdichtung sehr ergreifend. Sicher ein Meisterwerk.

Theodor Storm - Pole Poppenspäler
Von Storm hatte ich noch nichts gelesen, der Titel klang abschreckend. Ich konnte mir darunter nichts vorstellen und vermutete eine lustige Kindergeschichte mit dem Träger dieses Namens als Zentrum.
Als Geschichte für Kinder ist Pole Poppenspäler zwar tatsächlich konzipiert, wie ich im Nachwort erfuhr, sprachlich und aufgrund der Durchführung aber derart exquisit, daß auch jedes Nichtkind an dieser Novelle seine helle Freude haben wird.
Erzählt wird unter dem Vorwand der Namenserklärung eine zarte, aber auch tragische Freundschafts- und Liebesgeschichte zwischen einem Jungen und einem Mädchen, die sich über ein ganzes Leben hinzieht. Wie behutsam Storm das tut, hat mich schwer beeindruckt. Dafür steht er jetzt auf meiner künftigen Leseliste weit oben. Im Tagebuch steht: "Muß alles von Storm lesen jetzt."

E.T.A. Hoffmann - Das Fräulein von Scuderi
Vom romantischen Alleskönner wollte ich unbedingt endlich einmal etwas lesen. Ich entschied mich für das Fräulein, hatte ich doch vor kurzem in einer Poe-Anthologie erfahren, daß Hoffmann damit eine der ersten Kriminalnovellen schuf.
Ich muß zugeben, daß ich ein wenig enttäuscht war, denn von einem Hoffmann hatte ich mir etwas Meisterhafteres erwartet. Aber vielleicht bin ich auch von den falschen Voraussetzungen ausgegangen, denn wie gesagt, ist diese Novelle eine der ersten ihrer Art. Hier herrschen noch ganz andere Ziele und Gesetzgebungen als in der späteren Kriminalliteratur des 19. Jahrhunderts. Im Prinzip trifft es diese Charaktierisierung auch gar nicht, denn versteht man die Novelle vielmehr als Gesellschaftsbild, als Absolutismuskritik und als Anschauungsmaterial über die Kunst in der Gesellschaft, wie es die Kritik auf wikipedia nahelegt, so tut sie ihr Soll.
Man darf sich von großen Namen nicht blenden lassen, und so fallen mir an der Geschichte diverse Längen und Schnörkel auf, die verzichtbar gewesen wären und das Gesamterlebnis verbessert hätten. Somit bleibt eine Erzählung von literatur- und gesellschaftshistorischem Wert, von ansprechender Sprache und mit sogar einem Hauch Spannung. Kein Meisterwerk, aber die soll es ja nicht allzu oft geben.

Clynelish 19, Signatory Vintage

Nachdem mir die 14-jährige Clynelish Originalabfüllung so gut geschmeckt hatte, wollte ich diesen gefundenen Geschmack nutzen, um zwischen verschieden lang gealterten Abfüllungen eines Whiskys zu vergleichen. Ich habe deswegen eine Flasche vom unabhängingen Abfüller Signatory erworben, und zwar eine Signatory Vintage Clynelish 1990, 0,7 Liter, 43%, 42,90€.
Ins Faß kam dieser Clynelish laut Etikett am 11.05.1990, abgefüllt wurde er am 16.06.2009, ist also 19 Jahre drin gewesen. Fünf Jahre mehr als bei der Originalabfüllung. Schonmal eine gute Voraussetzung für den Vergleich, denke ich, doch dann fällt mir auf, daß ich beim Einkaufen etwas übersehen habe: Signatory hat diesen Clynelish in einem Sherryfaß reifen lassen. Aus ists mit der Vergleichbarkeit. Aber seis drum, wenn er gut schmeckt, dann nehme ich ihm meinen Lapsus nicht übel.
Überhaupt, das Etikett: Auf dieser Flasche werden einem die Informationen übersichtlich und schnörkellos präsentiert. Von übertrieben edler Aufmachung, wie z.B. beim Lagavulin DE oder anderen Originalabfüllungen ist nichts vorhanden, Zweckmäßigkeit steht im Vordergrund. Signatory will anscheinend mit möglichst wenig Sperenzchen vom Geschmack seines Produkts ablenken. Weiterhin stehen da noch die Faßnummer, 3950, und die Flaschennummer, 389 von 754. Das ist dann schon etwas beeindruckend. Whiskyvirtuosen können hier also verschiedene Fässer miteinander vergleichen.

Kommen wir zur Sache. Der Whisky kommt in einer Metalldose, die, genau wie schon beschrieben die Flasche, nicht edel, sondern eher zweckmäßig wirkt.

Inspektion: Nicht gefärbt. Hell- bis honiggelb. Deutlich heller als die 14-jährige Originalabfüllung
Aroma: Mittel- bis sehr intensiv, sehr stark Weißwein, Zitrusfrüchte, kein Rauch, braucht etwas Zeit, dann Honig, Rosinen, süße Schokolade. Ja, erinnert wirklich an Rum-Traube-Nuß-Schokolade. Leicht salzige Schärfe. Völlig anders als die Originalabfüllung, die reifen Früchte fehlen
Geschmack: Gaumen wird von wenig Salz gekitzelt, auch im Mund stark Weißwein, ordentlich Bitterkeit
Abgang: Stark weinig, Weißwein, Sherry, leicht salzig. Lange, schön warm. Im Mund verbleibt noch eine Ewigkeit nach dem Trinken ein deutlicher Weißweingeschmack
Fazit: Toll, wirklich toll! Ich dachte erst, der Originale wäre spitze, aber dieser hier ist noch viel besser. Man kann diese beiden Clynelishs natürlich nicht hinsichtlich ihres Alters vergleichen, weil sie ein völlig unterschiedliches Finish erlebt haben. Der 14j. ist ein guter fruchtig-rauchiger Whisky, Kenner würden vielleicht sagen, ein typischer Coastal. Doch der 19j ist eine komplexe Ausgeburt, der hinter seiner fruchtigen Weinwucht noch eine ganze Landschaft an widerstreitenden Geschmäckern bietet, die erkundet werden wollen.

9/10 Punkte

Clynelish 14

Dieser Whisky war Bestandteil eines Probiersets "Classic Malts Coastal Pack", Clynelish 14 zusammen mit Caol Ila 12 und Talisker 10, insgesamt 0,6 Liter für 34,90€. Dieses Pack erschien mir ideal, um einen ersten Einblick in küstennah gebrannte Whiskys zu bekommen, denen eine besondere Salzigkeit bzw. der "Duft des Meeres" nachgesagt wird.
Das Set präsentiert sich sehr ansprechend. In einer aufklappbaren Pappbox stehen drei 0,2-Liter-Fläschchen auf angepaßten Podesten und recken ihre Hälser heraus. Die Box ist mit einem Relief der schottischen Karte hinterlegt, auf der die Herkunftsorte der drei Whiskys markiert sind. Auf der Rückseite werden noch Informationen zu den einzelnen Tropfen geliefert.


Inspektion: Dunkelgelb. Ob hier Färbung im Spiel ist, läßt sich dem Etikett nicht entnehmen, aber vermutlich
Aroma: Mittelintensiv, süß, wenig Rauch, wenig Salz, spät entwickeln sich reife Birnen und eine schöne, volle Süße
Geschmack: Wenig Rauch, leichte Süße. Über allem eine entschiedene, stolze Herbheit, Bitterkeit, sowie feines Salz
Abgang: Lang, wärmend, wenig Rauch, kräftig
Fazit: Ausgezeichnet. Anfänglich mein Favorit der drei Coastals, mußte sich der Clynelish nach einigen Tagen doch dem Caol Ila geschlagen geben. Der Duft ist betörend süß, jedoch für meinen Geschmack etwas zu dezent. Geschmacklich sehr gut, vor allem die edle, wilde Bitterkeit, aber leichter zu durchschauen und nicht so komplex wie beispielsweise der Vintage.

7/10 Punkte

A.H. Chapman - Regeln gegen Mitmenschen

Dieses Werk fiel mir bei einem Kontrollgang durch die Bücherwälder auf, die mein Vater aktuell online zu verkaufen trachtet. Gelgentlich entdecke ich dort das eine oder andere Interessante und nehme es mit. Hier hat mich der Titel gereizt, "Regeln gegen Mitmenschen".

Es handelt sich um eine populärwissenschaftlich-humoristische Arbeit eines wohl anerkannten amerikanischen Psychiaters aus den 60er Jahren. Das Cover verkündet den Inhalt folgendermaßen: "Manöver und Kriegslisten, mit denen man seine Mitmenschen... aussticht, irreführt... liebt... etc."
In der Tat werden hier anhand verschiedener Themengebiete solche Manöver beschrieben, aus der Sicht eines Psychiaters, der auf seine jahrelangen Erfahrungen im Umgang mit Patienten zurückblickend versucht, die Essenz der Gespräche herauszufiltern und zu verdichten.
In der Einleitung erklärt Chapman zunächst seine einfache Nomenklatur, die Umstände, wie er zu seinen Erkenntnissen gekommen ist, erläutert seine These, nach der sich zwischenmenschliches Verhalten in Manöver und Strategeme aufschlüsseln läßt, und kommt dann gleich zur Sache. Beleuchtet werden unter anderem Beziehungen zwischen Eltern und Kind, in der Ehe, in der Firma, der Wissenschaft, zu alten Menschen usw. Überall erkennt Chapman einfachste Zusammenhänge, die, vollzieht man seinen Gedankengang nach, logischerweise zum Untergang der Beteiligten führen müssen.
Schön und gut. Man ist anfangs fasziniert von der Treffsicherheit, mit der dieser erfahrene Psychiater die Probleme seiner Patienten durchdringt und schonungslos offenlegt. "Natürlich", denkt man, "er hat recht." Von Seite zu Seite wirds jedoch immer doller, immer einleuchtender, immer in-die-Hände-klatschiger, sodaß man sich fragt, ob der Autor hier nicht eher ein Unterhaltungsbuch als ein Sachbuch geschrieben hat. Und spätestens nach dieser Idee ist es soweit: Natürlich, das ist pure Unterhaltung. Der Zynismus, der bis dahin unterschwellig lauerte, tropft für die nun geöffneten Augen wie Teer von den Zeilen. Nichts ist hier ärztlich, alles wird mit dem größtmöglichen Spott geschildert, den ein erträgliches Niveau noch zuläßt.
Und jetzt stellt sich die Frage: Ist das schlecht? Nun, man kann einem Arzt, der über seine tägliche Arbeit im Zynismus schwelgt, nichts vorwerfen. Ein Arzt ist auch nur ein Mensch. Und wenn es dazu noch unterhaltsam ist, umso besser. Ja, teilweise gelingen Mister Chapman einige Passagen durchaus, ich denke hier vor allem an die Arbeits- und Wissenschaftskapitel. Man merkt, daß dies Gebiete sind, für die der Autor ein scharfes Auge und eine spitze Feder besitzt, hier kennt er sich aus. Aber neben diesen guten Beispielen stehen eben diejenigen, die konstruiert und gewollt komisch erscheinen. Etwas Zurückhaltung wäre da besser gewesen, dann bliebe den Glanzpunkten des Buches mehr Luft zum Atmen.
Schlecht ist jedoch, wenn solch ein Zynismus sich so sehr zu tarnen versucht, wie es dieses Buch tut. Es gibt sich ja als seriöser Erfahrungsbericht aus, und nicht als ein humoristisches Werk über die mannigfaltigen Betrachtungsweisen, die einem die Psychiatrie bietet.
Ich weiß nicht, eigentlich bin ich ein großer Freund von grenzenlosem Medizinzynismus, und vielleicht habe ich mich durch ein Kapitel in diesem Buch auch zu sehr in meiner Kritik beeinflussen lassen. In besagtem Kapitel geht es um Homosexualität, und bei diesem Thema kommt der Autor über seinen gesellschaftlichen Kontext nicht hinaus. In den 60er Jahren sah man Homosexualität noch als eine Krankheit an, gut, abgesehen von diesem medizinhistorischen Schmankerl blitzt dem Leser jedoch aus dem Raum zwischen den Zeilen plötzlich ein Ressentiment entgegen, das so in dem Buch sonst nicht zu finden ist. Auf einmal fühlt man sich betroffen, in ein Kuriositätenkabinett versetzt. Und damit kommen schließlich die Zweifel, was von den anderen Kapiteln zu halten ist, wie sie zu werten sind, die man vorher noch so charmant und spritzig fand, die aber aus der gleichen tendenziösen, subjektiven Feder stammen, die auch das Kapitel über die Homosexualität geschrieben hat.
Als Abschluß werden die Gebiete Suizidalität und die Beziehung innerhalb einer psychiatrischen Behandlung besprochen. Hier kriegt Chapman nochmal die Kurve, es weht durchhaus ein Hauch von Weisheit aus diesen Kapiteln, die dem Kern der psychiatrischen Arbeit gewidmet sind. Endlich scheint sich der Autor auch eines Anflugs von Mitleid mit seinen Patienten nicht erwehren zu können, den Eindruck hatte ich zumindest. Ein versöhnlicher Ausklang.

Insgesamt haben wir hier also ein Buch, das keinesfalls als Sachbuch, sondern als teilweise humoristischer Beitrag zur Literatur über Psychiatrie verstanden werden muß. Unter dieser Prämisse kann man durchaus Spaß an der Lektüre haben. Die Ideen sind angenehm süffig und amüsant sind die Beispiele, die Chapman bringt, teilweise vor Zynismus triefend.

Lagavulin Distillers Edition 1993/2009

Die erste Flasche Whisky, die den Weg in mein Haus fand. Ein Lagavulin Distillers Edition von 1993, abgefüllt im Jahre 2009, lgv 4/497, 0,7 Liter, 43%, 59,90€.

Whiskys der Destillerie Lagavulin haben in den letzten Jahren, wie ich mich informierte, einen Boom erlebt. Vom Insidertip hat sich das Interesse rasch zu einem Modeobjekt gewandelt, die Folge waren höhere Preise und in jüngster Zeit sogar Lieferknappheit. Lagavulin besitzt keine breite Produktpalette; im Prinzip beschränken sie sich auf die Abfüllung ihres 16-jährigen und garnieren das Angebot mit gelegentlichen Exklusivitäten. Zu solch einer Exklusivität zählt die Distillers Edition (DE). Ist der originale 16-jährige bekannt für seine scharf rauchige Erdigkeit, so wurde dem DE laut Herstellerinformation diese Schärfe ein wenig durch das Finish in Pedro-Ximenes-Fässern, einer spanischen Rebsorte, genommen. Und da ich schon immer staunte, welche vielfältigen, herben wie auch süßen Geschmacksnoten in den Tastingbeschreibungen verschiedener Whiskys auftauchen, ließ ich mich von meiner Neugier und meinem Appetit lenken und entschloß mich, dieses Getränk, dem die gelungene Kombination eines Wunderwhisky mit trockener Süße nachgesagt wird, zu probieren.

Der Lagavulin DE kommt in einer ansprechenden, aber nicht sehr stabilen, schwarzen Pappschachtel, auf der in Reliefschrift die verschiedenen Eigenschaften dieser Abfüllug, teils hochglänzend, vermerkt sind, und die einen durchaus hochwertigen, aber keinen edlen Eindruck macht. Nichts zum Aufheben zumindest. Die Flasche selbst ist braungetönt, was mir persönlich nicht so gut gefällt, und mit ebenfalls schwarz gehaltenen Etiketten beklebt.

Ich werde in diesem und allen weiteren Verkostungseinträgen so tun, als verstünde ich etwas von Wein und Whisky. In diesem Sinne laßt das Tasting beginnen.

Inspektion: Gefärbt. Eine eher dunkle Bräune mit Rottönen
Aroma: Bereits beim Einschenken dringt intensiv Rauch in die Nase. Im Glas ist der Rauch zunächst dominant, schnell schiebt sich hier allerdings eine tiefe, volle Süße in den Vordergrund, Sherry, trockene Früchte. Eine scharfe Salznote liegt darüber
Geschmack: Leicht bitter, zart fruchtig, mäßig Süße und viel, viel Rauch im langen Abgang
Fazit: Ein kräftiger Whisky, der seinen Rauch geschickt mit einer wohligen Süße vermählt. Wirklich gut. Gefiel er mir zunächst nicht besonders, schmeckt mir der Lagavulin DE mit jeder neuen Verkostung von Monat zu Monat besser.

8/10 Punkte

Weine und Whiskys - Einleitung

Wunderhübschen guten Tag zusammen,

Ich möchte mich hiermit einer allseits florierenden Tradition anschließen und Verkostungsberichte über verschiedene Weine und Whiskys von mir geben.

Beim Wein ist es mir ja nun schon länger klar, aber was den Whisky angeht, wußte ich bis vor ein, zwei Jahren noch gar nicht, daß es Spaß machen kann, ihn zu trinken. Damals schwappten die ersten Ausläufer der Modewelle "Whiskytrinken", die derzeit Fuß in der Popkultur zu fassen scheint, ans Ufer meiner Wahrnehmung, in Gestalt eines Dresdner Bekannten, der oft und gerne über seine Erfahrungen mit Whisky, Snüs und Sprühsahnedosen berichtete, und zwar in ausführlicher Weise.
Die anfängliche elitäre, naserümpfende Verweigerungshaltung diesem neuen Volkshobby gegenüber wich einer gewissen Verwunderung, als weitere Bekannte und Freunde Exemplare dieses Getränks herbeibrachten und gelehrt darüber sprachen, Getränke mit ausgefallenen, unaussprechlichen Namen in hübschen Behältnissen, Getränke mit eigenen Regeln, die niemals, außer von echten Schotten, gebrochen werden durften, und entwickelte sich nach und nach zu ausgewachsener Neugier. Diese Neugier gipfelte nach einem gemeinsamen Urlaub, in dem wir uns von Abend zu Abend mit geradezu wissenschaftlichen Verkostungen überboten.
Das hatte schon Spaß gemacht: Nach dem Urlaub war kein Halten mehr, Whisky mußte her.

Und wenn auch nur, um die Regeln zu brechen.

Damit wären wir bei der Punkteskala. Obwohl mir als absolutem Anfänger der Vergleich fehlt, möchte ich meine Getränke dennoch derartig bewerten, einfach um später zurückblicken zu können und eine subjektive Orientierung zu haben.

Punkteskala
1 Punkt = Widerliches Zeug. Die Finger hiervon lassen! Am besten wegkippen.
2 Punkte = Es kostet große Überwindung, das zu trinken. Sein Geld absolut nicht wert.
3 Punkte = Erträgliches Gesöff, macht aber keinen Spaß. Man sollte sich nicht zwingen müssen, etwas zu trinken.
4 Punkte = Unterdurchschnittlich. Es gibt bessere Wege, sein Geld auszugeben.
5 Punkte = Durchschnittlich. Abstoßen? Behalten? Lieber abstoßen, es gibt so viel Besseres.
6 Punkte = Angenehm zu trinken, aber nichts außergewöhnliches. Kann es aber durchaus länger in einer Sammlung aushalten.
7 Punkte = Jetzt beginnen die guten Sachen. Interessantes Zeug, das einen Kauf auf jeden Fall wert ist.
8 Punkte = Außergewöhnlicher Stoff. Gehört in jede Sammlung. Hier fängt die Extase an.
9 Punkte = Toll. Unbedingt kaufen. Mit einer Flasche davon kommt das Glück ins Haus. Zeug dieser Klasse findet man selten.
10 Punkte = Ohne Worte.

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Felix Walcher
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